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Sprechstunde für Menschen mit Hörbehinderung

Wenn die Welt stumm ist

Greven/Tecklenbur...

Wer schlecht hört, erlebt eine Ausgrenzung. Die Caritas bietet Menschen mit Hörproblemen eine Beratung an.

wn

Mirjam Schäfer (links) berät Menschen mit Hörbehinderung Foto: Caritas

Der Mensch nimmt die Welt mit allen Sinnen wahr. Dazu gehört auch das Hören. „Für Menschen, die erst im späteren Leben schwerhörig oder gar endgültig taub werden, ist es eine starke Veränderung des Lebens“, erklärt Mirjam Schäfer vom Caritasverband Greven-Emsdetten. Seit gut einem Jahr steht sie Menschen mit Hörbehinderungen in einer eigenen Sprechstunde regelmäßig als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Sprechstunde in Ibbenbüren

Auch beim Caritasverband Tecklenburger Land in Ibbenbüren, wo am 9. März von 10 bis 12 Uhr wieder eine offene Sprechstunde in der Klosterstraße 19 stattfindet. „Die Sprechstunde ist für alle Menschen aus dem Kreis Steinfurt, die schwerhörig oder gehörlos sind“, sagt Schäfer. Neben den Gehörlosen, die von Geburt an taub sind, kommen zu ihr oft auch Betroffene, die erst im Laufe ihres Lebens ihr Gehör verloren haben. Für diese Menschen sei der Verlust des Gehörs oftmals ein Schock. „Diese Betroffenen wachsen nicht in der Gehörlosenkultur auf, sowie ein Mensch, der von Geburt an taub ist“, erklärt Mirjam Schäfer. Sie weiß, dass der spätere Verlust der Funktionstüchtigkeit des Gehörs eine enorme Belastung für betroffene Menschen ist. Isolation und Depression sind nicht selten Spätfolgen.

So werden in der Sprechstunde bei Mirjam Schäfer die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Anliegen rundum das tägliche Leben in Bezug auf die Hörbehinderung von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen vorgetragen. Bei Menschen, die gehörlos sind und in Gebärdensprache kommunizieren, sei es zum Beispiel die Unterstützung beim Verstehen der Post von Behörden oder Ämtern, sagt Schäfer. „Die Gebärdensprache hat eine andere Grammatik als das Behördendeutsch“, erläutert sie.

„Menschen mit einer Hörbehinderung haben es in unserer Gesellschaft noch schwer. Schließlich sieht man die Hörbehinderung nicht“, bestätigt Mirjam Schäfer. Es herrsche noch viel Unsicherheit und Unwissenheit in Bezug auf Hörbehinderungen. So zum Beispiel was den Umgang mit Menschen mit einer Hörbehinderung angeht. „Viele wissen zum Beispiel nicht, dass bei der Kommunikation mit einem betroffenen Menschen, die Lichtverhältnisse eine wichtige Rolle spielen können. Denn sitze ich so, dass der gehörlose oder schwerhörige Mensch meine Mimik nicht sieht, fehlt ihm eine wichtige Orientierung in der Interaktion“, erläutert Mirjam Schäfer.

Mimik entscheidet

Gleiches würde zum Beispiel auch der Fall sein, wenn der Gegenüber dem Gehörlosen durch eine Hand vor dem Mund den Blick auf die Mimik nimmt. Oder in Zeiten von Corona durch eine Schutzmaske. „Die Maskenpflicht, die uns einerseits vor dem Virus schützt, macht es Gehörlosen und Schwerhörigen auf der anderen Seite sehr schwer in der Verständigung mit anderen“, weiß Schäfer. Dadurch werden sonst auch routinierte Abläufe wie das Einkaufen oder der Arztbesuch zu einer Herausforderung. Aber: „Viele behelfen sich in dieser Zeit per WhatsApp oder durch Videotelefonie, um ihre Kontakte irgendwie zu pflegen“, erklärt Mirjam Schäfer.

Wie auch in anderen Bereichen, fehlen natürlich derzeit für Betroffene auch die Selbsthilfegruppen oder die Freizeitangebote. „Da fehlt der Halt. Einige sagen auch selber, dass sie sich derzeit stärker zurückziehen, weil sie ja, wenn sie draußen sind, auch niemanden wirklich verstehen können“, sagt Schäfer. Umso wichtiger sei nun auch die Sprechstunde. Sie soll Betroffenen einen Halt vermitteln, Fragen klären und ein Ort sein, wo Menschen mit einer Hörbehinderung einen Ansprechpartner haben.

Beim Caritasverband in Greven findet die Sprechstunde wöchentlich statt, montags von 10 bis 12 Uhr. Ansprechpartnerinnen: Mirjam Schäfer,  0160 / 96952797 oder schaefer@caritas-emsdetten-greven.de

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