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Maria 2.0-Aktion auf dem Marktplatz

„Wir wollen sichtbar werden“

Greven

Die Liste der Punkte, die zuletzt für Kritik in der katholischen Kirche gesorgt haben, ist lang. Das weiß auch Daniela Avels: „Die Institution hat viele Probleme, die vor allem an den alten und starren Strukturen liegen.“ Am Samstagmorgen stand sie deshalb zusammen mit anderen Frauen der Kirchenreformbewegung Maria 2.0 auf dem Marktplatz. Ihr Anliegen: die Kirche wieder zu einem Zuhause für die Menschen machen.

Von Luca Palsund

Immer mehr Missbrauchsfälle kommen ans Tageslicht, Priesterämter bleiben Frauen verwehrt und der Vatikan will homosexuelle Paare nicht segnen – die Liste der Punkte, die zuletzt für Kritik an der katholischen Kirche gesorgt haben, ist lang und vielfältig. Das weiß auch Daniela Avels aus Greven: „Die Institution hat viele Probleme, die vor allem an den alten und starren Strukturen liegen.“

Am Samstagmorgen stand sie deshalb in Greven auf dem Marktplatz. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen von Maria 2.0 informierte sie über die Bestrebungen der Frauenbewegung innerhalb der Kirche.

„Es ist nach wie vor eine stark von Männern dominierte Institution“, ärgert sich Annegret Middel-Peters. Eine ihrer Botschaften: Das muss sich ändern. Ein zwangsläufiger und ihr zufolge „überfälliger Schritt“ ist die Öffnung der Priesterämter für Frauen. Damit würden auch die veralteten Strukturen aufbrechen und die Kirche könnte sich „in modernen Zeiten den Menschen wieder zuwenden“. Denn genau das ist das Ziel von Maria 2.0: „Wir wollen auch hier in Greven zeigen, dass es diese Bewegung gibt, ein anderes Bild von Kirche vermitteln und zeigen, dass die Institution generell noch etwas zu sagen hat – auch hier in Greven.“ Vor Ort gebe es „viele engagierte Frauen“, aber: „Viele bleiben vielleicht noch unter der Oberfläche. Wir sind manchmal vielleicht noch zu leise“, sagt Annegret Middel-Peters.

Seit etwa einem Jahr gibt es die Bewegung auch in Greven. Ihr Wunsch: „Wir wollen, dass die Kirche wieder ein Zuhause für die Menschen ist.“ Der Trend zeigt hingegen aktuell in eine andere Richtung: Die Austrittswelle aus der katholischen Kirche hält weiterhin an, Termine sind meist mehrere Monate lang vergeben. Daniela Avels sagt dazu: „Da mischen sich natürlich viele Gefühle mit. Einerseits sind wir traurig, dass uns so viele Menschen verlassen, andererseits kann man es aber auch verstehen.“

Die Frauen, die sich am Samstagmorgen auf den Grevener Marktplatz gestellt haben, gehen hierbei in eine andere Richtung: „Wir haben gesagt, dass wir in der Kirche bleiben und deswegen etwas verändern wollen.“

Trotz Corona-Pandemie wollen sie sich weiter vernetzen: „Da geht vieles natürlich nur online. Corona hält uns in vielen Aktionen, die wir vorhatten, sehr auf.“ Aufmerksamkeit bekam die Kirche zuletzt nachdem der Vatikan die Segnung homosexueller Paare untersagt hatte. Die Reaktion in Greven: Regenbogen-Fahnen am Turm der Kirche. Auch zu diesem Thema hat Middel-Peters eine klare Meinung: „Es geht um die Menschen, nicht um das Geschlecht. In einer modernen und vielfältigen Gemeinschaft sollte sowas gar kein Thema mehr sein.“

Was bleibt, sind viele Punkte, die Maria 2.0 auch in Greven weiter anpacken möchte. Zustimmung bekommen sie sowohl aus der Bevölkerung als auch von Pastoralreferentin Andrea Anthowiak und Pfarrer Klaus Lunemann.

In Zukunft wollen sich die Frauen unter anderem mit der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) aus Münster weiter vernetzen.