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Gänse-Direktvermarktung auf Hof Hufelschulte

Wo der Weihnachtsbraten weidet

Greven

Im November und Dezember werden Gerd und Margret Hufelschulte zu Direktvermarktern. Dann sind die Weihnachtsgänse, die sie den Sommer über aufgezogen haben, schlachtreif.

Monika Gerharz

Nicht jede Gans gibt einen guten Braten: Nur Vögel vom Frühjahr kommen für die Vermarktung zu Weihnachten infrage. Die Hufelschultes halten diese Gänse getrennt von den anderen Herden, die Eier fürs Brutgeschäft liefern. Foto: Monika Gerharz

Dieses Jahr sehen sie besonders appetitlich aus, die Martini- und Weihnachtsgänse, die auf dem Hof Hufelschulte ab sofort direkt vermarktet werden. Ihre Weide ist, für die Jahreszeit ungewöhnlich, von leuchtendem Grün, und davon hebt sich ihr Gefieder schneeweiß ab. „In diesem feuchten Jahr finden sie Gras satt“, sagt Gerd Hufelschulte. Denn die Weidetiere suchen sich ihr Futter weitgehend selbst. Nur abends, wenn es in den Stall geht, gibt es einen Happen Kraftfutter. „Unsere Tiere haben deshalb weniger Fett als beispielsweise polnische Hafermastgänse“, sagt Margret Hufelschulte. „Sie sind viel in Bewegung, und darum haben sie sehr gut entwickeltes Muskelfleisch.“

Auf die Gans gekommen sind die Hufelschultes durch die BSE-Krise in den Jahren nach der Jahrtausendwende. Das Ehepaar hatte damals Weiderinder – und bald wenig Hoffnung, dass sich die Tiere auch künftig zu anständigen Preisen würden vermarkten lassen, denn die Menschen fürchteten sich damals hysterisch vor dem sogenannten Rinderwahnsinn. „Wir wollten unsere Grünlandflächen nutzen“, erläutert Gerd Hufelschulte die Überlegungen von damals. Da er selbst aus der Cloppenburger Gegend stammt, wo viele Geflügelzüchter zu Hause sind, lag der Gedanke an Gänse nicht ganz fern. Interessierte Brütereien waren bald gefunden. Das Geschäft mit Gänseeiern zu Zuchtzwecken war, neben der Bullenmast, künftig das Hauptstandbein des Hofs.

Allerdings machten die weißen Vögel an der Nordwalder Straße vielen Grevenern Lust auf Gänsefleisch. „Viele Leute wollen sehen, wo der Vogel herkommt, den sie essen“, haben die Hufelschultes gemerkt, dass Regionales im Trend liegt. „Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir keine Tiere verkaufen würden.“ Doch so einfach geht das nicht. Geflügel, das zum leckeren Braten werden soll, muss jung sein, während die Legegänse bis zu sieben Jahre alt sind. „Im Alter werden sie tranig“, weiß Gerd Hufelschulte, dass mit solchen Vögeln bei Feinschmeckern kein Blumenstrauß zu gewinnen ist. Darum zieht das Ehepaar jetzt immer Gänse speziell für den Kochtopf auf. „Die Tiere, die in den nächsten Wochen geschlachtet werden, stammen alle vom April“, sagt Gerd Hufelschulte.

Mittlerweile weiß die Familie ziemlich genau, wie viele Tiere sich vermarkten lassen. „Wir haben viele Stammkunden“, sagt Margret Hufel­schule. „Und durch Mundpropaganda kommen immer wieder neue hinzu.“ Bestellt wird gewöhnlich per Telefon. „Wir hatten aber auch schon Kunden, die haben an Heiligabend auf den letzten Drücker geklingelt und eine lebende Gans mitgenommen“, schmunzeln die Hufelschultes. Und wenn mal eine Mastgans übrig bleibt, ist das auch nicht schlimm. Dann gibt es im Hause Hufelschulte Gänsebraten, gefüllt mit Boskop, und dazu eine leckere Sauce aus Hals, Flügelspitzen und Innereien.

Neben den Weihnachtsgänsen haben die Hufelschultes vor dem Fest übrigens noch ein anderes Geschäft. Seit nunmehr sechs Jahren bieten sie im Advent Weihnachtsbäume an. Und was einmal als kleines Randgeschäft begann, hat sich zu einer ernst zu nehmenden Größe im Betrieb gemausert. „Die Direktvermarktung von Gänsen und der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist für uns durchaus ein Standbein“, sagen die Hufelschultes.

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