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Workshop für neu Zugewanderte

Wolken und Schmetterlinge

Greven

Die Kinder leben erst einige Monate in Deutschland. Aber sie spielen schon Theater. Und lernen die Sprache. Eine ganz besondere Ferienaktion.

Günter Benning

Kleine Aufwärmspiele bringen Stimmung in die Gruppe. Rechts Theaterpädagoge Murat Isboga. Foto: Günter Benning

Es sind Ferien. Wie jeden Morgen stehen Yahya (10) und sein Bruder Kamil (14) um sechs Uhr morgens auf. „Dann bringt uns unser Vater, damit wir hier am Workshop teilnehmen können“, sagt der Ältere im Begegnungszentrum Hansaviertel. In Greven steht für die beiden Jungs zehn Tage lang ein strammes Kultur- und Lernprogramm an.

Yahya und Kamil wohnen in Nordwalde. Aber eigentlich kommen sie aus der Ukraine. Vor acht Monaten sind sie dort weggezogen. Kamil zählt die Sprachen auf, die er spricht: „Russisch, ukranische. Türkisch wegen unseres Vaters. Deutsch natürlich.“ Und in der Gesamtschule lernt er noch englisch.

Die Brüder lassen sich also leicht in die Gruppe der neu Zugewanderten eingliedern, für das der Westfälische Bildungs- und Kulturverein gemeinsam mit der Stadt und der Stadtbibliothek ein Ferienprogramm veranstaltet.

Hatice Kaplan hat es konzipiert: „Morgens ab neun gibt es Sprach- und Leseförderung.“ Dafür können die zehn Kinder zwischen neun und 14 Jahren die Räume und technischen Möglichkeiten der Stadtbücherei nutzen. In der Mittagspause verschwindet das kulturelle Grüppchen dann im Nudelhaus. Und am Nachmittag findet im Begegnungszentrum im Hansaviertel ein Theaterworkshop statt.

Gerade ist dort „Warm Up“, wie Murat Isboga sagt – obwohl man sich bei den Temperaturen eher abkühlen müsste. Isboga ist Theaterpädagoge und Gründer des Theaters „Halber Apfel“ aus Lüdenscheid. Mit seinem Ensemble tourt er durch Europa und nimmt vor allem Themen rund um die Integration auf die Schippe.

„In den Ferien passt mir so ein Workshop gut“, sagt er. Und lobt seine Schüler, die schon so gut Deutsch sprechen können. Obwohl die meisten nur ein paar Monate in Deutschland leben. Manche kommen aus der Türkei. Einige aus Aserbeidschan. Die Hilfssprache im Kurs ist türkisch – ansonsten muss die Landessprache gesprochen werden.

Das geht natürlich bei Spielen wie „Schnipp - Schnapp“ noch ganz einfach. Wenn man sich etwas genauer ausdrücken will, wird es schon schwieriger.

Am Samstag findet zwischen 16 und 18 Uhr die Abschlussveranstaltung im Hansaviertel-Zentrum statt. „Man kann da kein richtiges Theaterspiel erwarten“, sagt Murat Isboga.

Aber die Kinder werden zeigen, was sie in den zehn Tagen erarbeitet haben. Die Älteren etwa haben sich ein Thema gewählt: „Die Freiheit.“ Dann hat jeder Assoziationen zu diesem Begriff gesucht. Isboga: „Der Vater, Wolken, Schmetterlinge, ein Buch schreiben, lesen.“ Mit diesen Stichworten werden sie sich schauspielerisch auseinandersetzen. Interessenten sind am Samstag natürlich gern gesehen.

Gefördert wird das Programm vom Dachverband der VHS. „Aber wir haben natürlich auch Ehrenamtliche, die mithelfen“, sagt Hative Kaplan: „Die Nachfrage bei den Kindern war groß – und es sind auch alle gekommen.“ Auch wenn man dafür um sechs Uhr aus den Federn muss.

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