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Enapter investiert in den Standort Saerbeck

Grüner Wasserstoff entsteht an der Straße „Energiewende“

Saerbeck

Die Elektrolyseure des Unternehmens Enapter sind bereits in mehr als 33 Ländern im Einsatz und tragen dazu bei, fossile Brennstoffe durch grünen Wasserstoff zu ersetzen. Gebaut werden sie bald in Saerbeck. 10 000 Geräte im Monat. Enapter investiert 105 Millionen Euro in einen Campus im Gewerbegebiet Nord II. Bis zu 400 Arbeitsplätze sollen entstehen. Bereits in einem Jahr soll die Produktion in der Klimakommune losgehen.

Von Peter Sauer

Die Bauarbeiten für das Enapter-Campus sind seit September in vollem Gange – an einer Sackgasse namens „Energiewende“. Foto: PD

Fossile Brennstoffe durch günstigen, grünen Wasserstoff ersetzen – das ist das Ziel des Unternehmens Enapter. Es errichtet bis 2022 seine neuen Produktionsanlage für Elektrolyseure im nördlichen Teil des Gewerbegebietes Nord II – unter dem programmatischen Titel „Campus“.

In der jüngsten Ratssitzung war Philip Hainbach (Head of Energy Policy & Government Affairs) wegen der Pandemie zwar nur per Video-Zoom zugeschaltet, konnte aber in einem sehr lebendigen Vortrag pointiert über das Unternehmen und seine Ziele in Saerbeck und weltweit informieren: „Wir sind gekommen , um bei ihnen zu bleiben.“

Monatlich sollen in Saerbeck 10 000 Elektrolyseure entstehen

Der Wasserstoff-Spezialist Enapter investiert in den Saerbecker Campus 105 Millionen Euro. Das italienische Unternehmen will hier monatlich 10 000 Elektrolyseure montieren. Diese Geräte können mit Hilfe von Wind- und Sonnenenergie Wasserstoff produzieren. Jedes einzelne Modul ist etwa so groß wie eine handelsübliche Mikrowelle.

Die Produktion in Saerbeck ist nach Angaben von Philip Hainbach die größte in Europa. Bis zu 400 Arbeitsplätze sollen entstehen. „Derzeit haben wir 40 Arbeitsplätze, jede Woche kommen im Schnitt zehn hinzu“, sagt Hainbach.

Massenfertigung, Forschung und Entwicklung des Wasserstoff-Unternehmens Enapter entstehen zurzeit auf mehr als sieben Hektar im Gewerbegebiet Nord II westlich von B219 und Schulkamp, hier eine Visualisierung. Foto: Enapter

Enapter habe sich unter 150 Standorten bewusst für die Klimakommune entschieden. „Saerbeck ist der ideale Standort, der Schlüssel für uns, wegen der visionären und nachhaltigen Akteure vor Ort und auch weil unser komplettes Betriebsgelände vollständig mit erneuerbaren Energien aus Solar-, Wind- und Biomasseanlagen betrieben wird.“

Bauarbeiten laufen

Seit dem 14. September baut das Wasserstoff-Unternehmen Enapter auf einem 82 000 Quadratmeter großen Grundstück im Gewerbegebiet Nord II eine Massenproduktionsanlage für Elektrolyseure auf, die mit der Anionen-Austausch-Membran-Technologie (AEM) arbeiten. Die standardisierten Produkte sind flexibel einsetzbar und werden aus ganz unterschiedlichen Bereichen nachgefragt, nicht nur aus der Industrie, sondern auch für private Zwecke.

In einem ersten Bauabschnitt werden Produktions- und Logistikhallen inklusive Testbereich und Reinräumen sowie Büroanbau gebaut. Für den zweiten Bauabschnitt ist ein Laborgebäude für Forschung und Entwicklung geplant. Neben einem Fitnessstudio entsteht auch eine öffentliche Cafeteria.

Bereits Ende 2022 soll in Saerbeck die Produktion der Elektrolyseure beginnen. Die Straße, die zu dem Grundstück von Enapter führt und in einer Sackgasse endet, heißt „Energiewende“.

So sehen die Elektrolyseure aus. Gross wie eine Mikrowelle. Foto: Enapter

Für die IHK Nord-Westfalen ist die Enapter-Ansiedlung eine Initialzündung für Zukunftstechnologien in der Region. Manche Ratsmitglieder wollten wissen, wie sich enapter finanziert. „Es gibt einen Investitionsmix aus verschiedenen Quellen“, sagt Hainbach. Allein die Landesregierung fördert die Ansiedlung von Enapter mit 9,4 Millionen Euro. Dass Geld soll dem Unternehmen helfen, die Automatisierungselemente für die Massenfertigung des AEM-Elektrolyseurs zu entwickeln und umzusetzen. Denn: mit der automatisierten Massenfertigung der Elektrolyseure sinken die Stückkosten. Die Entwicklung eines Mega-Wasserstoffgenerators unterstützt das Bundesforschungsministerium mit 5,6 Millionen Euro.

Umsatzsteigerung um 400 Prozent

Das Fernziel definiert Philip Hainbach klar: „Bis 2050 wollen wir für zehn Prozent der Produktion von Wasserstoff-Elektrolyseuren verantwortlich sein.“ Der Umsatz von Enapter sei 2021 um 400 Prozent gewachsen.

Erster Spatenstich für den Enapter-Camus im September 2021 (v. r.): Bürgergermeister Dr. Tobias Lehberg, Enapter-Chef Sebastian-Justus Schmidt und Jan-Hendrik Goldbeck. Foto: PD

Die Geräte werden international in Branchen wie Energie, Mobilität, Telekommunikation, Wärmegewinnung und der Industrie eingesetzt. „Wir wollen Wasserstoff aber auch in Schiffsflotten und bei Schwertransportern einsetzen“, ergänzte Philip Hainbach, der von einer riesige Nachfrage spricht.

Zusätzlich zu seinem „Campus“ wird Enapter im Bioenergiepark – in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Münster – ein Elektrolyseur der Megawattklasse errichten. Er wird drei Jahren betrieben, um über Langzeitversuche eine Optimierung der Technik zu erreichen.

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