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Stadt Horstmar hat eine „Waldumwandlung“ in Auftrag gegeben

Anlieger beklagen „Kahlschlag“

Horstmar

Den Wald an der Koppelstraße (L 580) gibt es nicht mehr. So wurden die meisten der dortigen Bäume auf den Stock gesetzt oder beseitigt. Das geschah im Zuge einer Maßnahme, die Bürgermeister Wenking als „Waldumwandlung“ angekündigt hat. Dabei sollten Bäume durch eine eine klimafreundliche und standortgerechte Aufforstung ersetzt werden. Die Anlieger haben mit dem Ausmaß des Eingriffs nicht gerechnet.

Von Sabine Niestertund

Bisher lagen diese Häuser hinter dem Wald an der Koppelstraße verborgen.

Der Blick von der Koppelstraße (L 580) aus ist gewöhnungsbedürftig. Er fällt auf die Häuser im Koppelfeld, die bisher hinter den hohen Bäumen versteckt lagen. Ihre Bewohner wiederum können nun bis zum gegenüberliegenden Aldi schauen, denn der Wald ist verschwunden. So wurden die meisten der Bäume auf den Stock gesetzt. Dabei handelt es sich um eine von der Stadt Horstmar initiierte Maßnahme, die schon länger geplant und auch angekündigt war.

Der Landesbetrieb Wald und Forst hat die Firma Woestmann aus Altenberge mit den Arbeiten im Grünstreifen an der Koppelstraße beauftragt. Die haben während der vergangenen Tage die Gemüter erhitzt. So ärgern sich viele Bürger über den „radikalen Kahlschlag“, mit dem sie in dem Maße nicht gerechnet haben.

„Eine Waldumwandlung sieht anders aus“, meint Norbert Gesing, der am nahe gelegenen Schwalbenweg wohnt und sich entsetzt zeigt, das fast alle Bäume betroffen sind. Sie seien 40 Jahre alt und seiner Meinung nach längst nicht alle krank gewesen. Der Bürger zeigt sich überrascht und entsetzt über die „komplette Rodung“. Damit verschwinde der komplette Schall- und Sichtschutz für die Bewohner. Zudem haben Vögel und Eichhörnchen ihren Rückzugsort verloren.

Irritiert über das Ausmaß der Maßnahme zeigt sich auch Dirk Klein-Bölting. Dem Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen war ebenfalls nicht bewusst, dass die von Bürgermeister im Bauausschuss angekündigte Maßnahme einen „kompletten Rundumschlag“ zur Folge haben würde. Man habe extra noch mal nachgefragt und auch der Antwort, dass der Wald ausgedünnt werden soll, nicht entnommen, dass dieser ganz verschwinde.

Den Vorwurf, dass die Stadt die Maßnahme nicht richtig kommuniziert hat, will Bürgermeister Robert Wenking nicht auf sich sitzen lassen. Vielmehr hätte man mit den betroffenen Anliegern gesprochen und sie auch angeschrieben. In Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Wald und Forst sei bereits ab dem Jahr 2019 eine „Waldumwandlung“ geplant gewesen, die jetzt umgesetzt worden sei. „Dabei werden teilweise Bäume durch klimafreundliche und standortgerechte Aufforstung ersetzt“, hatte es im Ankündigungsschreiben des Bürgermeisters geheißen. Dieses war vor gut einer Woche herausgegangen, um die Verkehrsteilnehmer auf die einseitige Sperrung der L 580 zur Absicherung der Baustelle während der Fällarbeiten hinzuweisen.

Dass viele Bürger unter dem Begriff „Aufforstung“ etwas ganz anderes verstehen, haben die Arbeiter während ihres Einsatzes vor Ort erfahren.

„Der Wald war völlig wild und unstrukturiert gewachsen“, begründet der Bürgermeister die Maßnahmen. Die Stadt habe handeln müssen, weil es vor Ort viel Totholz gegeben habe. Die Gefahr, dass Bäume umkippen und wohl möglich auf die Fahrbahn fielen, sei zu groß gewesen und man habe aus Gründen der Verkehrssicherheit eingegriffen. Im Moment sehe es vielleicht schlimm aus, doch auf Dauer habe die Stadt hier eine trag- und zukunftsfähige Lösung gefunden, die auch verkehrssicher sei, zeigt sich der Verwaltungschef überzeugt.

Die Stadt Horstmar befindet sich im Eigentum der betroffenen Fläche, die vor über 40 Jahren als Ausgleichsmaßnahme angelegt worden ist. Die Anwohner hatten sie gepflegt und Bäume gepflanzt. Auf Dauer habe sich aus dem Wildwuchs ein Wald entwickelt, der ins Grundbuch eingetragen werden musste, weil der Landesbetrieb Wald und Forst ihn als Einheit gesehen habe, so Wenking. Gemeinsam mit der Behörde habe man dann die Waldumwandlung abgesprochen und geplant, um alles in Ordnung zu bringen.

Dass die Maßnahme notwendig war, bestätigt auch der zuständige Förster Peter Hagemann. Der Klimawandel und die Dürre der vergangenen Jahre habe die Verantwortlichen getrieben, schnell aktiv zu werden und die Bäume auf den Stock zu setzen. Diese würden wieder ausschlagen. Zudem werde man in vier bis fünf Wochen heimische seltene Wildobstsorten und andere Wildwuchsbäume pflanzen, die klimafreundlich und standortgerecht seien, und im Frühjahr schon blühen würden. Diese seien auf Dauer in der Lage, Lärm-, Sicht- und Windschutz zu bieten. „Es wird alles wieder schön, man muss nur ein bisschen Geduld haben“, so der Experte.

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