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Schulte & Dieckhoff-Areal: Bürgerinitiative beantragt Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs

Zurück zur Ursprünglichkeit

Horstmar

Eine Bürgerinitiative in Horstmar setzt sich für die Wiederherstellung des Jüdischen Friedhofs ein. Einen Antrag mit diesem Inhalt haben die Organisatoren jetzt an den Rat gerichtet. Dabei geht es auch um die Bestattungs- und Friedhofskultur.

wn

So stellt sich der derzeitiger Zustand des jüdischen Friedhofs an der Bahnhofstraße/Ecke Borghorster Weg dar. Das Foto links zeigt den Grabstein von Johanna Eichenwald auf dem Friedhof Hagenstiege mit einem abgelegten Stein, der symbolisiert, dass das Grab der Verstorbenen besucht wurde.                                            Fotos: privat Foto: privat

Die Bestattungs- und Friedhofskultur ist in vielen Religionen unterschiedlich. „Ein jüdischer Friedhof wird nie ein ‚ehemaliger jüdischer Friedhof‘, sondern immer ein ‚jüdischer Friedhof‘ sein, auch wenn dort schon lange Zeit keine Beisetzungen mehr stattgefunden haben, schreibt eine Bürgerinitiative in Horstmar, die sich für die Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs einsetzt.

So werden christliche Gräber vielfach ganzjährig mit Blumen geschmückt und nach 30 oder 40 Jahren, – in manchen Städten sogar schon nach 20 Jahren – aufgelöst oder eingeebnet.

Ein gravierender Unterschied: Ein jüdisches Grab und der Friedhof sind unantastbar. Das Grabmal eines jüdischen Grabes darf nicht entfernt und das Grab nicht eingeebnet werden. Das käme einer Schändung gleich.

Von 1840 bis 1925 stand den jüdischen Bewohnern Horstmars ein Friedhof an der Bahnhofstraße/Ecke Borghorster Weg zur Beisetzung ihrer Verstorbenen zur Verfügung. Ein Areal von rund 275 Quadratmetern Grundfläche, das mit einer Hecke umgeben und mit Eschen bepflanzt war.

In Richtung Bahnhofstraße befand sich der Eingang mit zwei Pfeilern und einem Tor. 1925 fand an dieser Stelle die letzte Beisetzung statt. Die Stadt Horstmar verkaufte die Fläche, einschließlich angrenzender Grundstücke an die Firma Schulte.

„Bereits 1929 gab es Beschwerden von jüdischen Bewohnern, die es unerträglich fanden, dass bei den beginnenden Bauarbeiten Schutt auf den Gräbern ihrer Verstorbenen abgeladen und ein Teil der vorhandenen Hecke herausgerissen wurde. Natürlich zeigten diese Beschwerden keinerlei Wirkung“, so die Bürgerinitiative weiter.

Bis in die 1940er Jahre standen auf dem jüdischen Friedhof noch einige Grabsteine, regimetreue Nazis hatten auch einige Steine umgeworfen oder beschädigt. „In den 1950er Jahren – das genaue Jahr lässt sich leider nicht mehr feststellen – wurde die tieferliegende Fläche – unter anderem mit noch vorhandenen Grabsteinen – aufgefüllt und anschließend asphaltiert. Heute wird sie als Parkplatz genutzt. Seit 2005 steht hier ein Gedenkstein, der an den Friedhof erinnert“, heißt es weiter in der Presseinformation der Initiative.

„In den letzten Monaten wurde einige Male in der Tagespresse und auch in einem Flyer der CDU, der im Vorlauf zu den Kommunalwahlen an alle Haushalte verteilt wurde, unter anderem darüber informiert, dass die Stadt Horstmar, gemeinsam mit den Eigentümern des ehemaligen Schulte & Dieckhoff-Gebäudes und -Grundstückskomplexes, eine Neuentwicklung beziehungsweise eine Überplanung vorsieht“, ergänzt die Bürgerinitiative, die in den vergangenen Tagen einen Bürgerantrag an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder der Stadt Horstmar gerichtet hat. Dort beantragt sie, bei einer Neubebauung des Geländes den jüdischen Friedhof nicht zu bebauen, sondern in seiner ursprünglichen Größe wieder herzustellen und dem Grundstück ein würdiges Aussehen zurückzugeben.

„Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, Dortmund, ist über die Situation in Horstmar informiert worden“, schreibt die Bürgerinitiative.

Zu den Gebäuchen und Riten: Auf den Grabsteinen jüdischer Gräber findet man häufig abgelegte Steine. Eine Geste, die nicht nur gläubige Juden oft unterschiedlich deuten, sondern auch in der gängigen Literatur diverse Erklärungen liefert.

„Es handelt sich auf jeden Fall um einen uralten Brauch, der vielleicht seinen Ursprung darin hat, dass die Nomadenstämme, die die Wüste durchwanderten, die Gräber ihrer Verstorbenen mit Steinen bedeckten, damit die Toten vor wilden Tieren geschützt waren. Heute legen Besucher eines jüdischen Friedhofs diese Steine als Geste ab, die aussagen soll, dass der Verstorbene nicht vergessen ist“, hebt die Bürgerinitiative hervor.

Auch auf den Denkmälern der jüdischen Gräber auf dem Friedhof an der Hagenstiege in Horstmar könne man hin und wieder einige Steine finden. Oft seien diese allerdings ein paar Tage später wieder verschwunden. Möglicherweise werden sie einfach aus Unwissenheit beseitigt, vermutet die Initiative.

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