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Grevens Bienenfreunde haben ihre Mitgliederzahlen verdreifacht

Immer mehr Frauen imkern

Greven

Wenn sich ein Verein in kurzer Zeit verdreifacht, muss er trendy sein. Die Grevener Imker haben das Kunststück geschafft.

Von Günter Benning

Bruno Hülsmann ist 1. Vorsitzender des Grevener Imkervereins. Foto: Günter Benning

Bruno Hülsmann, 67, ist ein Späteinsteiger. Sein erstes Bienenvolk hat er sich kurz vor der Rente gekauft. „Aber heute kann ich es mir kaum noch ohne das Summen im Garten vorstellen“, sagt der Vorsitzende des Imkervereins Greven. Sein Hobby boomt.

Und das kann der Imkerverein an den Mitgliederzahlen ablesen. Seit zehn Jahren haben sie sich verdreifacht. Zu den 150 Imkern gehören auch Münsteraner, Nordwalder und Altenberger. „Und der Altersdurchschnitt“, freut sich Hülsmann, „ist rapide nach unten gegangen.“

Die Frauenquote ging übrigens in der gleichen Zeit rapide nach oben. Die neuen Kolleginnen seien sehr engagiert. „Und sie haben keine Angst vor Bienen“, sagt Hülsmann. Marlies Hinsch ist zum Beispiel Bienensachverständige und Obfrau für Bienengesundheit im Verein.

Preise vom Landesverband

Zweimal haben die Grevener Imker Preise vom Landesverband für ihr Mitgliederwachstum bekommen, einmal den ersten, einmal den dritten. Die Prämie: Eine Inselkönigin. Das ist eine Regentin, die auf einer der Nordseeinseln gezüchtet wurde. Die exclusive Lage soll für deren Qualität sprechen.

Die neue Faszination für die Natur spiele sicher eine Rolle beim Mitgliederwachstum, glaubt Hülsmann, aber auch der Umstand, dass medial seit Jahren über die Not der Insekten berichtet wird. Gerade jüngere Naturfreunde wollen da aktiv werden.

Hülsmann, früher Banker bei der Landesbank in Münster, hat zwei Bienenvölker in seinem Stadtgarten stehen. Die anderen vier stehen auf einem Biohof in Ladbergen. „In der Stadt finden die Bienen immer reichlich Futter“, sagt er, „zum Beispiel Linden.“ Auf dem Land ist die ganzjährige Verpflegung schon schwieriger – immerhin haben die Kulturbienen einen Vorteil, den andere Insekten nicht haben. Wenn die Nahrung knapp wird, füttert der Imker nach.

An Standplätzen für Bienenvölker mangelt es den Vereinsmitgliedern nicht. „Die Bauern sind interessiert an uns“, sagt Hülsmann.Wer Obstgärten hat, freut sich über die Bienen zum Bestäuben. Außerdem gibt es vom Kreis Blühwiesenprogramme, die vom Frühjahr bis Herbst für reichlich Nahrung für Insekten sorgen.

Wobei der Imker kein Freund von Blühstreifen an befahrenen Straßen ist: „Da werden zu viele Bienen, die Nahrung suchen, überfahren.“ Sinnvoll seien dagegen größere Blühflächen, wie sie im Kreisgebiet auch angelegt werden.

Urlaub möglich

Wer Bienen als Haustiere hat, kann sich auch mal einen längeren Urlaub erlauben. „Ich fahre nur nicht im Juni weg“, sagt Hülsmann. Da ist Bienenhochsaison. Während Arbeitsbienen im Winter mehrere Monate überleben können, halten es die emsigen Nektarsucher in der Blüten-Periode gerade einmal zwei Wochen aus.

Jetzt im Winter ruhen die Bienen. Da reicht es, gelegentlich zu kontrollieren, ob die Völker von der Varroa-Milbe befallen sind. Der Parasit ist weit verbreitet, die Bekämpfung werde immer schwieriger. „Man will ja keine Rückstände der Behandlung im Honig haben.“

Bruno Hülsmann faszinieren seine Bienen. Zum Beispiel die Macht der Königinnen: „Wenn ein Volk aggressiv wird, muss man die Königin auswechseln. Ist sie sanftmütig, wird auch das ganze Volk sanft.“ Ein gutes Beispiel für menschliche Gesellschaften.

Weniger erstrebenswert ist das Leben der Drohnen. Sie arbeiten nicht, fressen nur, und wenn sie eine Königin begattet haben, sterben sie. Hülsmann: „Dann werden sie von den Arbeitsbienen im Winter aus dem Bienenstock geschmissen.“

Neueinsteigern empfiehlt Hülsmann den Kurs von Dr. Pia Aumeier, der gerade online gestartet ist: „Stichfrei und doch dabei“. Infos darüber gibt es im Internet: www.imkerverein-greven.de.

Der Imkerverein

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