Erzieher und Erzieherinnen gesucht

Bei „Lernen fördern“ funktioniert die praxisintegrierte Ausbildung prima

Kreis Steinfurt

Lea Sophie Baumheier und Jaqueline Gathier verbinden in ihrer Ausbildung zu Erzieherinnen von Anfang an Schule und Kita-Praxis. Das Prinzip nennt sich „Praxisorientierte Ausbildung“, kurz: PiA. Im Kinderland Hummertsbach in Emsdetten hat sich PiA bereits bewährt. 

Michael Hagel

Lea Sophie Baumheier (l.) und Jaqueline Gathier machen eine praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin. Foto: Hagel

Jaqueline Gathier (31) und Lea Sophie Baumheier (20) stehen für die Hoffnung auf bessere Zeiten. Die beiden jungen Frauen möchten beruflich Kinder erziehen. Und zwar mithilfe von „PiA“. Erzieherinnen und Erzieher – eigentlich ein Beruf, der auch etwas mit Berufung zu tun hat. Eigentlich, denn in der Realität werden Erzieherinnen und Erzieher händeringend gesucht.

Bei „Lernen fördern“, einem Träger von kreisweit 20 Tageseinrichtungen mit gut 350 Erzieherinnen und Erziehern sowie 1500 Kindern, soll „PiA“ das ändern. Die sympathische Abkürzung steht für „praxisintegrierte Ausbildung“, und gut ein Jahr nach dem Start des Programms gibt es ermutigende Signale, dass das auch klappt.

Jaqueline Gathier ist Mutter zweier Kinder und hat im früheren (Berufs-)Leben Floristin gelernt. Irgendwann merkte sie, dass nicht unbedingt der perfekte Blumenstrauß, sondern viel eher die Arbeit mit Kindern ihr Ding ist. „Ich war dann im Elternbeirat, habe später eine Tagesmutter-Ausbildung gemacht und dann aber schnell gemerkt, dass mir ein Team fehlte“, sagt sie. „Die „PiA“-Ausbildung fand ich sehr spannend und bin froh, dass ich sie im Kinderland Hummertsbach in Emsdetten absolvieren kann.“

Kürzer, intensiver, abwechslungsreicher

Ludger Lünenborg, stellvertretender Geschäftsführer bei „Lernen fördern“, ist ebenfalls froh darüber. „Seit 2019 bieten die drei Berufskollegs im Kreis Steinfurt diese Ausbildung an“, sagt er. Anderswo in Deutschland gab es sie bereits länger, die Erfahrungen waren überwiegend sehr gut. „Das Ziel ist ganz klar: Mit ,PiA‘ wollen wir bei ,Lernen fördern’ junge Menschen, und ganz besonders junge Männer, für eine Erzieherausbildung begeistern“, so Lünenborg. Denn „PiA“ ist anders als der obligatorische Ausbildungsgang: kürzer, intensiver, abwechslungsreicher.

14 „PiA“-Absolventinnen stellte „Lernen fördern“ zum Start 2019 ein, erneut 14 kamen jetzt hinzu. Auch bei anderen Trägern im Kreis ist die neue Ausbildungsform im Kommen. Und so funktioniert sie: Bereits ab dem ersten Jahr finden Schulunterricht und Praxis in einer Kita parallel statt, zunächst stehen drei Tage Schule und zwei Tage Praxis an. Im zweiten Ausbildungsjahr ist es umgekehrt, im dritten stehen Schule und Praxis dann in einem annähernd gleichen Verhältnis zueinander.

Die Vor- und Nachteile 

Den Vorteil dieses Systems bringt Ludger Lünenborg auf den Punkt: „Man sammelt von Anfang an praktische Erfahrung und kann das, was in der Schule gelernt wurde, direkt in der Praxis umsetzen.“ Zudem ganz wichtig: Die oder der Auszubildende bekommt sofort eine Vergütung. „Das war schon hilfreich“, sagt Jaqueline Gathier.

Auch für Lea Sophie Baumheier war das ein gewichtiges Argument, ihre „PiA“-Ausbildung zu starten. Nach ihrem Fachabi am Berufskolleg in Ibbenbüren sowie einem Bundesfreiwilligen-Jahr war klar, dass sie in die Kindererziehung wollte. „Dann habe ich von ,PiA‘ gehört und mich in etlichen Einrichtungen beworben.“ Geklappt hat es beim Kinderland in Greven, das ebenfalls zu „Lernen fördern“ gehört.

Mehr und eher Praxiserfahrung, regelmäßiger Austausch mit dem Team, sofortige Bezahlung – alles attraktive Elemente der Ausbildungsform. „Es gibt aber auch einen Nachteil“, sagt Lünenborg. „Man hat in den ersten beiden Jahren mehr Lernstoff, aber weniger Zeit dafür.“ Lea Sophie Baumheier relativiert das: „Der Aufwand zu Hause ist machbar.“ Auch Jaqueline Gathier sagt: „Das ist gut zu schaffen.“ Allerdings steht ihr in Teilzeit arbeitender Mann ihr zur Seite, „als Alleinerziehende wäre es schon schwieriger ...“

Dennoch: Bei „Lernen fördern“ glauben sie, dass „PiA“ der richtige Weg zur Attraktivitätssteigerung des Erzieherberufs ist. Der Trend geht zumindest in diese Richtung. Vielleicht ja auch bei Männern, denn von ihnen gibt es generell zu wenig in diesem Beruf. „Bei uns sind es gut zehn Prozent“, sagt Ludger Lünenborg. „Das darf gerne mehr werden!“

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