Infoveranstaltung des Kreis-Umweltausschusses

Emotionale Debatte: Freizeit und Naturschutz – geht das?

Kreis Steinfurt

Wenn der Mensch mit seinem Freizeitverhalten und die Natur mit ihrem Schutzbedürfnis aufeinandertreffen, dann kann es schon mal knallen. Eindrucksvoll zu erleben war das in der Infoveranstaltung des Kreis-Umweltausschusses am Mittwoch. 

Michael Hagel

Klassischer Zielkonflikt: Die Emsaue in Greven rund um den populären „Beach“ mit seiner Bar ist außergewöhnlich attraktiv, aus Naturschutzsicht aber auch höchst sensibel. Foto: Michael Hagel

Bei der Infoveranstaltung des Kreis-Umweltausschusses am Mittwoch ging es um den Ems-Beach in Greven, die Mountainbiker im Teutoburger Wald und – ein etwas anderes Thema – um womöglich zu energische Waldbewirtschaftung in Naturschutzgebieten.

Hochemotional wird vor allem in Greven die Debatte um die dortige innerstädtische Emsaue und den darin liegenden Beach inklusive Beach-Bar geführt. Seit 2007 erfreuen sich die Grevener dort daran, direkt am Fluss ihre Freizeit verbringen zu können und werden dafür von etlichen Nachbarkommunen durchaus beneidet. Allerdings ist das all die Jahre auf der Grundlage einer Ausnahmegenehmigung passiert – und war damit eigentlich fortwährend illegal.

Reichlich Konfliktpotenzial um Mountainbiker

Die Naturschutzverbände wollen deshalb, dass die Eingriffe in das Ökosystem Emsaue aufhören, zumindest aber stark eingeschränkt werden. Ein Planungsbüro hat die Voraussetzungen für eine Änderung des dortigen Landschaftsplans untersucht und meint, dass bei einigen Anpassungen eine Verträglichkeit zum FFH-Gebiet gegeben sei. Nun wollen Stadt, Kreis und Bezirksregierung gemeinsam ergründen, ob eine Änderung des Landschaftsplanes dort möglich ist. Fest steht indes: Der (Bar-)Betrieb am Beach wird sich wohl einschränken müssen.

Reichlich Konfliktpotenzial gab es zuletzt auch um die Mountainbiker im Teutoburger Wald. Kreis-Umweltamtsleiter Heiner Bücker sagte, dass Teile des Teutos in der Tat „sehr stark beradelt werden.“ Es müsse dort etwas passieren. Es gehe aber nicht nur um Mountainbiker, so Maik Wennemer (Grüne), „sondern teilweise auch um Kletterer, Reiter oder sogar Wanderer.“ Dass die Kreisverwaltung sich mit allen Genannten an einen Runden Tisch setzen wolle, begrüßte er ausdrücklich.

Kreis-Umweltdezernent Carsten Rehers wollte die Debatte weiter versachlichen: „Wir sollten nicht so tun, als hätten wir es nur mit Dreckspatzen zu tun, 98 Prozent aller Menschen, die es in unsere Wälder zieht, verhalten sich vernünftig. Die restlichen zwei Prozent müssen wir uns erziehen.“ Rehers warb dafür, das Problem konstruktiv anzugehen – und sich auch mal darüber zu freuen, dass so viele Menschen die Natur vor der Haustür zu schätzen wüssten. Sein Appell: „Wir müssen mehr miteinander als übereinander reden!“ Das sah auch Heike Ciselsky (CDU) so und befürwortete den Runden Tisch. Und der Ausschussvorsitzende Dr. Jan-Niclas Gesenhues (Grüne) meinte: „Es ist auf jeden Fall gut, dass jetzt bei uns so intensiv über den Wald diskutiert wird.“

80 Prozent der Wälder im Kreisgebiet im Privatbesitz

Etwas anders gelagert war die Problemlage bei einer Anfrage der Grünen-Kreistagsfraktion. Sie wollte wissen, ob Waldnaturschutzgebiete auch bewirtschaftet werden und wenn ja, unter welchen Kriterien. Maik Wennemer kritisierte, dass bei manchen Forstarbeiten durch Harvester gravierende Schäden verursacht würden und berichtete von Ölspuren sowie „tiefen Furchen im Boden, in denen nicht mehr viel wächst. Dabei sind die Naturschutzgebiete in den Wäldern so etwas wie unsere Kronjuwelen.“

Daniel Wagner vom Landesbetrieb Wald & Holz sagte, dass „wir aufgrund der Dürre und der Borkenkäferplage vor allem Fichten in einem Ausmaß und in einer Geschwindigkeit rausnehmen müssen, die wir vorher nicht kannten.“ Und er verwies auf die Tatsache, dass sich gut 80 Prozent der Wälder im Kreisgebiet im Privatbesitz befänden. So lange die Maßnahmen dort im Einklang mit der Gesetzgebung erfolgten, könne man nicht intervenieren. In den Bundes-, Landes- und Kommunalwäldern gehe man natürlich entsprechend behutsam vor.

Die Naturschutzwacht im Kreis wird gestärkt (wir berichteten): Künftig sollen die Aufwandsentschädigung, die Ausstattung, die Qualifizierung, das Auswahlverfahren und auch die Zusammenarbeit mit den Behörden verbessert werden.

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