Fischarten im Kreisgebiet

„Silurus glanis“ lauert auf dem Grund

Kreis Steinfurt

In den Gewässern im Kreisgebiet leben über 40 Fischarten – vom gewaltigen Wels bis zum winzigen Stichling. Wir wollen wissen, welche Fischarten in den Flüssen, Bächen und Seen im Kreis Steinfurt vorkommen, wie es ihnen hier geht und welchen Bedrohungen sie aktuell ausgesetzt sind. 

Michael Hagel

Er ist der unumschränkte Herrscher in unseren Gewässern: Der Wels, lateinisch: Silurus glanis, kann über zwei Meter lang werden und hat, wenn er einmal eine bestimmte Größe erreicht hat, keine natürlichen Feinde mehr. Dafür frisst er nahezualles, was er kriegen kann und ist deshalb bei Anglern und Naturschützern nicht allzu beliebt. Foto: dpa

Das vorab: Mit dem berühmten Anglerlatein hat dieser Text nichts zu tun. In der Ems, aber auch in manchen Baggerseen im Kreis Steinfurt lebt ein Fisch, der keine Gefangenen macht: Der Wels – lateinisch: Silurus glanis – ist mit theoretisch weit über zwei Metern Länge der größte Süßwasserfisch Europas und macht Jagd auf alles, was er kriegen kann.

Dieser gewaltige Fisch kann richtig Probleme bereiten, auch wenn er in der eher kleinen Ems nicht die Ausmaße wie etwa in der Donau oder in den südosteuropäischen Strömen erreicht. Doch auch in der Ems wurden bereits Exemplare von 1,50 Meter Länge und 50 Kilogramm Gewicht gefangen. Dazu aber später mehr. Wir wollen wissen, welche Fischarten in den Flüssen, Bächen und Seen im Kreis Steinfurt vorkommen, wie es ihnen hier geht und welchen Bedrohungen sie aktuell ausgesetzt sind.

Angelvereine freuen sich über die Quappe

Till Seume, Fischwirtschaftsmeister beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe mit Sitz in Münster, weiß alles über unsere heimischen Fische. „Wir haben im nördlichen Münsterland zwischen 40 und 45 Fischarten“, sagt er. Erstaunlich viel, wenn man bedenkt, dass noch immer weite Teile der Ems im Kreis unter den Begradigungen früherer Jahrzehnte leiden. „Im Raum Rheine/Emsdetten/Greven, vor allem aber dort, wo Renaturierungen stattgefunden haben, hat die Artenvielfalt wieder deutlich zugenommen“, sagt Seume.

Neben dem Wels und weiteren Raubfischen wie Hecht, Flussbarsch, Zander und dem stark bedrohten Aal leben zahlreiche sogenannte Friedfische wie Plötze, Brasse, Karpfen, Gründling, Rapfen, Ukelei, Bitterling, Steinbeißer, Stichling, Schlei, Schmerle, Hasel oder Rotfeder in unseren Gewässern.

Über einige Arten aber freuen sich Angelvereine wie Fischereiverband gleichermaßen, weil deren Vorkommen im Münsterland eben keineswegs selbstverständlich ist: zum Beispiel über die Quappe, der einzige Fisch aus der Dorsch-Familie, der im Süßwasser vorkommt. (Sein schneeweißes Fleisch gilt wie bei seinen Verwandten im Meer als besonders schmackhaft, das aber nur am Rande.)

Aal bereitet Sorgen

Die Quappe lebt in der Ems und ihren Zuflüssen, kann bis zu 70 Zentimeter lang werden und gilt als Erfolgsgeschichte in Sachen Wiedereinbürgerung. „Sie war nach all den Begradigungen quasi verschwunden, konnte aber in den vergangenen zehn Jahren zunächst in der Lippe und dann auch bei uns erfolgreich wiederangesiedelt werden. Damit wurde die Art hier auch dank einiger Angelvereine vor dem Aussterben gerettet“, sagt Till Seume.

Die Quappe ist der einzige Vertreter der Dorsch-Familie, der im Süßwasser lebt. Der Raubfisch kommt auch im Kreis Steinfurt vor. Foto: dpa

Ähnliches gilt für die Forelle, auch ihre Bestände haben sich in einigen Fließgewässern stabilisiert. Das Felchen, ebenfalls bei Feinschmeckern sehr beliebt, kommt vor allem in den tieferen Baggerseen der Region vor. „Manche der Seen sind bis zu 30 Meter tief“, so Seume. Genau richtig für das Felchen, das aus den Stehgewässern Plankton herausfiltriert.

Wesentlich mehr Sorgen bereitet der Aal. Er ist in der Ems und anderen Gewässern mittlerweile sehr selten geworden. Auch, weil die Tiere bereits vor ihren Wanderungen die europäischen Flüsse hinauf als Jungtiere – als sogenannte Glasaale – in der Sargassosee im Atlantik systematisch von den industriellen Fangflotten dezimiert werden. Die wenigen, die es die Ems hoch schaffen, scheitern oft an Wehren und anderen Verbauungen – oder werden zur leichten Beute für den Wels. Fischtreppen, so gut sie gemeint sind, helfen Aalen und anderen Fischen laut Till Seume zwar beim Aufstieg, nicht aber beim späteren Abstieg.

Wels hat die Ems erobert

Insgesamt, bilanziert Fischwirt Seume, sei bei den Fließ- und Stehgewässern einiges besser geworden im Kreis Steinfurt in den letzten Jahren. Die Zeiten, in denen die Ems als hochgradig verschmutzt und entsprechend artenarm galt, sind vorbei. Sogar unterseeische Wiesen gibt es in Teilen des Flusses inzwischen wieder, was die Vielfalt begünstigt. Bessere Kläranlagen tun ihr Übriges.

Nach wie vor ein Problem sei allerdings der Gülleeintrag aus der Landwirtschaft. „Die Gülle wird oft in die Flüsse und Bäche abgeschwemmt“, erläutert Till Seume. Zurzeit läuft beim Landesfischereiverband eine Untersuchung über die Belastung der Gewässer durch Nitrate und Nährstoffe. Vermutlich im August sollen die Ergebnisse dazu vorliegen.

Zurück zum Wels. Eigentlich kommt er in Nordwestdeutschland nicht vor. Noch vor zehn bis 15 Jahren dachte man, dass es sich um Einzeltiere, womöglich um bei Hochwasser ausgebüchste Teich-Welse, handele. Inzwischen aber steht fest: Der Räuber hat die Ems als Lebensraum für sich erobert. „Und das ist nicht gut“, sagt Till Seume. Nicht für das Ökosystem der Gewässer im Kreis, nicht für die vielen kleineren Fischarten dort.

Beinharter Kampf

Deshalb gelten für den eingewanderten Raubfisch, der längst den Hecht an der Spitze der Nahrungskette abgelöst hat, auch keine Schonzeiten und keine Mindestmaße. Wer „Silurus glanis“ angelt, und das ist meist ein beinharter Kampf, der soll ihn um Gotteswillen nicht wieder aussetzen. Getreu dem Motto: Nur ein toter Wels ist ein guter Wels!

Groß ist die Aussicht auf eine erfolgreiche Bekämpfung des Welses indes nicht. „Er liebt wärmeres Wasser und ist deshalb ein Profiteur des Klimawandels“, sagt Seume. Anders als etwa sein Konkurrent, der Hecht, der kleinere Artgenossen schon mal frisst, dezimiert er sich auch nicht selbst: „Welse sind sozial kompatibel und dulden sich nebeneinander.“

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