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Blick in den Krisenstab des Kreises Steinfurt

Wie die Betreuung der Pflegeheime abläuft

Kreis Steinfurt

Das leise Klackern auf der Tastatur ist bis in den Verwaltungsflur zu hören. Der Blick durch die offen stehende Bürotür bleibt auf den Plakaten an der linken Wand hängen: Namen von Pflegeheimen stehen dort, darunter Fakten wie die Zahl der infizierten Mitarbeitenden sowie der Bewohnerinnen und Bewohner, ergriffene Maßnahmen wie Quarantäne und Isolierung. Es sind zurzeit die wichtigsten Infos für die Mitarbeitenden von „KRITIS Pflege“ – eine Abkürzung für Kritische Infrastruktur Pflege – im 2. Stock des Südflügels der Kreisverwaltung. Denn es ist Corona-Zeit.

pd

Blick in das „KRITIS“-Pflege-Büro: Lukas Sandmann, sonst im Amt für Zuwanderung, Aufenthalt und Integration tätig, arbeitet zurzeit in diesem kleinen spezialisierten Krisenstab. Er ist Teil des großen, derzeit mehr als300 Personen umfassenden Krisenstabes des Kreises Steinfurt. Foto: Kreis Steinfurt

Eigentlich das Reich des Personalrats, arbeitet jetzt in einigen Räumen des 2. Stocks das „KRITIS“-Pflege-Team, bestehend aus 17 Verwaltungskräften mit und ohne medizinischem Hintergrund, zwei Ärztinnen und einem Gesundheitsaufseher. Letztere sind auch jetzt grundsätzlich in ihrem Metier tätig, die Verwaltungskräfte haben zum großen Teil Neuland betreten: Sie sind sonst im Jugendamt, im Haupt- und Personalamt, im kommunalen Integrationszentrum, im Jobcenter eingesetzt – oder im Amt für Zuwanderung.

Wie Lukas Sandmann, der vor der Corona-Zeit als Arbeitsgruppenleiter Asyl arbeitete: „Obwohl viele von uns in ihrer eigentlichen Tätigkeit fachlich weit weg von den Aufgaben des Gesundheitsamts sind, haben wir uns – in enger Abstimmung mit dem medizinischen Personal – schnell in der neuen Aufgabe eingefunden. Da viele von uns bereits in anderen Bereichen des Krisenstabes tätig waren, kann jeder seine gesammelten Erfahrungen sowie seine beruflichen Kenntnisse einbringen.“

Dieses für die Corona-Zeit zusammengesetzte Team ist ein kleiner spezialisierter Krisenstab im großen, zurzeit mehr als 300 Personen umfassenden Krisenstab des Kreises. Es hat ein eigenes Ermittlerteam, das sich ebenso wie die anderen darum kümmert, Infektionsketten zu unterbrechen, indem Kontaktpersonen von nachweislich Infizierten ausfindig gemacht und in Quarantäne geschickt werden. Der einzige Unterschied: Im „KRITIS“-Pflege-Team geht es ausschließlich um Menschen, die in der Pflege arbeiten oder in einem der Heime leben.

Der Zeitdruck ist hier noch höher, denn ihr Ziel ist zurzeit das wichtigste: Die Risikogruppe in den Pflegeheimen soll bestmöglich geschützt werden. Dazu zählt auch, dass infizierte oder quarantänisierte Pflegekräfte so schnell wie unter Gesundheitsaspekten vertretbar wieder arbeiten können. Deshalb gilt für diese Berufsgruppe, dass ihre Testungen vorrangig untersucht werden.

Zudem ist das „KRITIS“-Pflege-Team der Ansprechpartner für insgesamt mehr als 200 Pflegeheime und Pflegedienste im Kreisgebiet: Alle positiven und negativen Befunde der Covid-19-Abstriche an Menschen, die in einem Pflegeheim leben oder arbeiten, werden hier erfasst und daraus resultierende Maßnahmen wie Quarantäne, Isolierung und deren Aufhebung oder Verlängerung eingeleitet – in Abstimmung mit der WTG-Behörde, die das Wohn- und Teilhabegesetz umsetzt und im Amt für Soziales, Gesundheit und Pflege beheimatet ist.

Gleichzeitig wirkt das Team nach innen, nämlich zum inneren Krisenstab im Hause, der auf Statistiken und Informationen angewiesen ist, um Strukturen zu schaffen. Eine dieser in jüngster Zeit im Krisenstab beschlossenen Maßnahmen ist, dass alle rund 10 000 Pflegekräfte im Kreis abgestrichen werden. Diese Vorsichtsmaßnahme dient dazu, symptomlose Infizierte ausfindig zu machen und so zu vermeiden, dass sich weitere Menschen anstecken.

Diese flächendeckende Testung wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Bisher wurden rund 1600 (Stand 28. April) Pflegekräfte abgestrichen, zum Beispiel in den Einrichtungen der Domus Caritas gGmbH. Stephan Antfang leitet zwei Altenheime unter deren Dach und schätzt den „kurzen Draht“ zum Kreis Steinfurt, ob zum „KRITIS“-Pflege-Team, zum Kreisgesundheitsamt mit den Gesundheitsaufsehern und auch über Burkhard Baumann, Geschäftsführer der Domus Caritas gGmbH, mit Tilman Fuchs, Gesundheitsdezernent des Kreises.

Er schätze sehr die schnelle Beratung und Unterstützung sowie das offene Ohr, wenn nämlich Vorschläge aus den Einrichtungen Gehör finden und in die Maßnahmenplanung mit einfließen, so Antfang. Mit dem Pflege-Team habe er die Termine für die Testungen unkompliziert abgestimmt, auch die WTG-Behörde sei ein wertvoller Ratgeber bei allen rechtlichen Fragen: „Kürzlich war zum Beispiel einer meiner Bewohner zur ambulanten Behandlung im Krankenhaus. Ich habe bei der WTG-Behörde angerufen und sofort erfahren, dass ich ihn aufgrund einer aktuellen Verordnung des Landes ohne Testung wieder aufnehmen kann“, sagt der Einrichtungsleiter.

Das Lob freut Tilman Fuchs: „Auch ich kann nur betonen, wie wichtig und wertvoll die Zusammenarbeit mit den Pflegeheimen ist. Nur zusammen können wir den bestmöglichen Schutz für die Bewohner sowie die Pflegekräfte sicherstellen.“

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