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Kanal steht Wasserversorgern zur Verfügung

60 Millionen Kubik in Reserve

Ladbergen/Rheine

Wassermangel – das Thema beschäftigt auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde.

-mas-

Von Wassermangel keine Spur: der Kanalhafen in Dörenthe. Foto: Günter Benning

Hitze und Dürre haben sich bislang nicht negativ auf den Wasserpegel in den Kanälen der Region aus. Das war auch vor den Regengüssen der vergangenen Tage so. „Das Thema Trockenheit spielt in den Kanälen – noch – keine große Rolle, soweit es das Aufrechterhalten des Soll-Zustands, also insbesondere der Wasserstände in den Kanalhaltungen betrifft.“

Das sagt Barbara Stockem, Fachbereichsleiterin Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (Westdeutsche Kanäle) in Duisburg. Die Bezirksregierung Münster weist indes darauf hin, dass aufgrund der Trockenperioden Wasserverluste in Schifffahrtskanälen wie dem Dortmund-Ems-Kanal (DEK) immer öfter ausgeglichen werden müssen.

Noch gebe es ausreichend Wasser aus Ruhr und Rhein, um die Verluste auszugleichen, die beim Schleusen vom Kanal in den Rhein auftreten. Im System selbst werde das Wasser durch Rückpumpen an die Stellen befördert, wo es gebraucht werde.

Das Thema „Klimawandel“ beschäftige die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung dennoch. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) erarbeite zurzeit Szenarien, die sich mit dem künftigen Dargebot an Wasser nicht nur für die Schifffahrt beschäftigen, sondern auch die Versorgung von Industrie und Wasserversorgern im Ruhrgebiet und Münsterland. „Derzeit geben wir rund 60 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Kanal an die Bedarfsträger. Dabei sind Einzelentnahmen wie zum Beispiel die Versorgung einer Gärtnerei in den trockenen Monaten nicht eingerechnet“, sagt Stockem. Ebenso gebe es ein Projekt, das zusammen mit der BfG die Möglichkeiten einer überregionalen Wasserversorgung prüft. Also wie man das Wasser von grundsätzlich wasserreichen Gewässern wie dem Rhein zu wasserarmen Bereichen, zum Beispiel der Elbe oder der Oder befördern kann.

Bedarfsträger sind zum Beispiel die 22 Wasserversorgungsunternehmen im Regierungsbezirk Münster. Drei davon haben die Erlaubnis zur Entnahme von Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal (DEK), um es für die Grundwasseranreicherung zu versickern. „Auch wir haben uns Entnahmerechte für Kanalwasser zur Anreicherung des Grundwassers gesichert, um die Trinkwasserversorgung in Rheine langfristig sicherzustellen“, sagte Dieter Woltring, Geschäftsführer der Energie- und Wasserversorgung (EWR) der Stadtwerke Rheine im April dieses Jahres.

Insgesamt gibt es am Dortmund-Ems-Kanal auf einem Streckenverlauf von etwa 115 Kilometern im Regierungsbezirk Münster 35 Entnahmestellen mit einer entsprechenden wasserrechtlichen Erlaubnis, teilte die Bezirksregierung Münster mit. Neben den Wasserversorgern entnehmen Landwirtschaft und Industrie Wasser aus dem DEK.

„Die Entnahmemengen der Industrie wurden im vergangenen Jahrzehnt durch die Verwendung wassersparender Technologien signifikant reduziert. Zudem sind große Wasserentnahmen in den vergangenen Jahren weggefallen, zum Beispiel durch Stilllegung der Anlagen des Bergbaus oder Abschalten von Kohlekraftwerken. Die gesamten Entnahmemengen – sowohl Grundwasser als auch Oberflächenwasser – für die öffentliche Wasserversorgung im Regierungsbezirk Münster stagnieren. Jedoch steigen die Wasserentnahmen aus dem DEK zur Grundwasseranreicherung und damit zur langfristigen Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung“, teilte die Bezirksregierung mit.

Der DEK werde vorrangig mit Wasser aus der Lippe gespeist, das in Hamm in das Westdeutsche Kanalsystem eingespeist wird. Falle der Abfluss der Lippe dort auf unter zehn Kubikmeter/Sekunde (10m³/s), werde über Pumpwerksketten entlang des Rhein-Herne-Kanals und des Wesel-Datteln-Kanals Wasser aus der Ruhr oder dem Rhein zur Lippeanreicherung und zum Ausgleich der Wasserverluste in den Schifffahrtskanälen hochgepumpt. „Dies ist in den langen Trockenperioden der vergangenen Jahre immer häufiger vorgekommen“, heißt es in einer Antwort Bezirksregierung auf eine Anfrage unseres Medienhauses.

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