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Aabachfarm soll weiter wachsen

Alpakas sind eine Herzenssache

Ladbergen

Angefangen hat die Geschichte der Alpaka-Zucht von Familie Freitag mit drei Tieren. Das war vor 19 Jahren. Heute grasen mehr als 300 Tiere dieser Art über die beiden Weiden in Ladbergen. Und es sollen noch mehr werden. Aktuell führe man finale Gespräche über eine Ausweitung der Zucht über die Ortsgrenzen hinaus, erzählt Elisabeth Freitag beim Besuch der Aabachfarm.

Luca Pals

Ganzjährig können Alpakas Nachwuchs bekommen: Elisabeth Freitag freut sich, dass es erst vor wenigen Tagen wieder einmal soweit war. Foto: Luca Pals

Fünf Tage ist das kleine Fohlen erst alt. Noch ganz wackelig auf den Beinen, stakst es durch den Stall. Stets an der Seite: die vorsichtige Mama. Sie lässt ihr Kleines nicht aus den Augen.

Es hat Nachwuchs gegeben bei den Alpakas der Familie Freitag. Und auch für Tochter Elisabeth, die sich rund um die Uhr um die flauschigen Tiere kümmert, ist das jedes Mal aufs Neue ein Grund zur Freude. Für Familie Freitag sind die Alpakas mehr als eine Geldquelle. „Sie sind uns alle ans Herz gewachsen“, sagt Elisabeth. Ein Beleg dafür: Trotz der Größe der Herde mit mehr als 300 Tieren trägt jedes Alpaka einen Namen.

Diese große Zahl macht die Ladberger Aabachfarm, die 2002 mit dem Kauf von drei Alpakas startete, schon jetzt zu etwas Besonderem: Ihre Zucht ist die größte in Deutschland. Und perspektivisch soll die Farm weiter wachsen: Gespräche dazu befänden sich gerade in der Endphase, berichtet Elisabeth.

Dass sich Alpakas im Allgemeinen und die Aabachfarm im Speziellen großer Beliebtheit erfreuen und deren Bekanntheitsgrad wächst, daran trägt die junge Frau eine gewisse „Mitschuld“. Nimmt sie die Fans der Tiere doch mit in den Stall – mit dem Handy: Das eine Mal mit süßen Fotos, das andere Mal mit Tipps und Fakten über die flauschigen Vierbeiner. „Wir haben uns das Wissen als Familie zusammen angeeignet. Meine Mutter war vor allem am Anfang auf sehr vielen Seminaren.“

Deswegen erstellt sie ein Live-Video aus dem Stall, das in dem sozialen Netzwerk Instagram mehrere 1000 Zuschauer vor den Bildschirm lockt, auch ohne Probleme: „Es werden immer sehr viele Fragen gestellt, das Publikum ist sehr interessiert und verschieden: Mal sind es Käufer, mal andere Züchter und ein anderes Mal Menschen, die die Bilder einfach süß finden.“ Klar, ein kleines Alpaka-Baby im Stroh – das bringt Klicks und Aufmerksamkeit.

Seit zwei Jahren begleitet Elisabeth Freitag ihre Tiere, um die sie sich täglich bis zu 14 Stunden kümmert, mit der Handykamera. Seit einem Jahr baut sie ihren Instagram-Account weiter aus und sagt: „Das Interesse wächst enorm.“ Das zeigt sich auch in der Züchter-Branche: „Als wir vor 19 Jahren angefangen haben, gab es vielleicht drei Züchter in ganz Deutschland. Jetzt wüsste ich alleine fünf in der Region“, überlegt die Ladbergerin.

Sie hat übrigens Biologie und Physik auf Lehramt studiert, entschied sich dann aber gegen die Schule und für die Alpakas. Vier Mitarbeiter helfen dabei: „Alleine wäre das nicht mehr machbar.“ Das Scheren der Wolle beispielsweise sei ein Spektakel: Im Mai ist es wieder soweit. Einmal im Jahr muss das Fell ab.

Schock vor einigen Monaten

Mit der Entscheidung für die Alpakas lebt Elisabeth ihren Traum: „Ich kann den ganzen Tag mit den Tieren zusammen sein. Das ist wunderbar.“ Aktuell stehen die Tiere auf zwei Flächen in Ladbergen. Dabei musste die Züchterfamilie vor einigen Monaten einen gehörigen Schock verdauen, als knapp 40 Tiere starben – bis heute ist die Ursache noch nicht geklärt. Freitag hält einen Giftköder für möglich. Aktuell untersucht die Universität Gießen den Fall. „Die haben uns auch geraten, alle Tiere auf unsere Farm am Aabach zu holen“, berichtet Elisabeth Freitag. Das wiederum führe dazu, dass der Platz auf der Weide eng wird. Darüber hinaus seien die vergangenen beiden Sommer – mit viel Sonne, wenig Regen, großer Trockenheit und deshalb wenig frischem Grün – alles andere als förderlich gewesen.

Deswegen ist geplant, die Zucht der Familie auf einen weiteren Standort jenseits der Ortsgrenzen auszudehnen. Aktuell laufen die letzten Gespräch, deshalb will die junge Frau den Standort noch nicht nennen. Nur so viel: „Das wird klasse. Dort haben wir viel vor: mit Hofladen und noch mehr Angeboten zum Thema Wandern mit Alpakas. Dazu Hochzeiten, Yoga und vieles mehr.“

Kinderschlafsäcke mit Alpakawolle

Das Sortiment der Freitags bietet jetzt schon eine Menge. Zwar sind Wanderungen ab Heimatmuseum wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht möglich. Bedruckte Tassen, Schals, Bettdecken und Kinderschlafsäcke mit Alpakawolle gibt es trotzdem.

Dass die Farm künftig noch einmal vergrößert wird, daran hätte Elisabeth Freitag nie gedacht: „Wir haben mit wenigen Tieren angefangen. Niemand hatte geplant, dass wir einmal so groß werden.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt sie: „Aber wenn meine Mutter etwas anfängt, dann macht sie das auch richtig.“ So schrieb Mutter Dr. Angelika Freitag unter anderem ein Buch über die Alpaka-Zucht.

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