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Huhn Dagmar auf Abwegen

Beim Schlüpfen kommt´s ans Licht

Ladbergen

Dass ein Huhn Eier ausbrütet, ist normal. Wenn die geschlüpften Küken aber Merkmale eines Fasans aufweisen, sollte der Hahn im Hof sich hinterfragen.

Birga Jelinek

Von den insgesamt sechs Küken tanzt eines farblich aus der Reihe. Gemeinsam haben sie das für einen Fasan typische Federmuster. Hahn Reinhard (Bild rechts) hat seine Hühner wohl nicht im Griff. Foto: Birga Jelinek

Da ist was los bei Hahn Reinhard und seinen Hennen. Dagmar, die schmucke Barnevelder Henne im ansprechenden braun-schwarzen Federkleid, hat sich zum Brüten in einer beschaulichen Hecke häuslich eingerichtet.

In ihrem Nest lagen, wie üblich, hübsche cremefarbene Eier, berichtet Carina Timmerhindrick, die das Gelege zufällig fand. Beim Durchleuchten stellte sie fest, dass die Eier befruchtet waren. Also durfte Dagmar weiter brüten. Als die Eier zu piepsen begannen, was ein sicheres Zeichen für das bevorstehende Schlüpfen der Kleinen ist, zogen Mutter und Kinder in den „Kindergarten“.

In diesem separaten Gehege war die kleine Familie vor Fuchs, Marder und Raubvögeln geschützt und sicher. Das Schlüpfen der Küken war vor allem für den kleinen Hühnerbauern Franz (drei Jahre) ein besonderes Erlebnis. Erst öffnete sich die Eierschale an einer kleinen Stelle und schon wenig später hatten sich die Vogelkinder befreit.

Soweit nichts Besonderes. Aber als der Nachwuchs genauer unter die Lupe genommen wurde fiel auf, dass etwas anders war als sonst. Da der Herr im Hühnerhof, der stolze Hahn Reinhard, ein Mischling ist, zeichnen sich seine Kinder durch große Vielfalt aus. Da gleichen sich zwar die Eier, was daraus schlüpft, kann ganz unterschiedlich aussehen.

In diesem Fall hatte Dagmar fünf Küken, die sich wie die sprichwörtlichen Eier glichen, nur eins war dunkel. Kükengelb und mit gleichmäßigen Streifen und Tupfen versehen glichen sie so gar nicht den anderen Bewohnern des Hofes. Dies ließ vermuten, dass es Dagmar mit der Treue nicht so ganz eng gesehen hat. Armer Reinhard!

Also begann Carina Timmerhindrick, die Tierärztin ist, zu recherchieren. Die an die Wildfärbung erinnernde Zeichnung des Federviehs ließ sie an Fasanenküken denken. In der Fachliteratur wurde über die äußerst seltene Kreuzung von Haushühnern und wilden Fasanen berichtet. Dies wird begünstigt durch das Fehlen von Geschlechtspartnern. Dies bestätigen Jäger aus der Region, die ein Ungleichgewicht in der Population zwischen Fasanenhennen und -hähnen feststellen.

Ein weiteres Indiz ist, dass die Familie Timmerhindrick immer wieder einen Fasanenmann bei ihrer Hühnerschar gesehen hatte. Sie schoben seine Besuche aber eher auf das schmackhafte Nahrungsangebot und nicht auf Herzensangelegenheiten.

Als die Kükenschar ihren Flaum verlor und ihr endgültiges Federkleid langsam sichtbar wurde, erhärtete sich der Verdacht. Die Mischlinge aus Huhn und Fasan, auch Fasuhn genannt, sind etwas scheuer als die Haushuhnküken und nicht so anhänglich. Das hindert sie allerdings nicht daran, Franz aus der Hand zu fressen. Trotzdem wünscht sich Franz eher Kuschelhühner, daher tauscht er seine Fasanenmischlinge gerne gegen Haushühner oder eine Kleinigkeit für sein Sparschwein.

Der mutmaßliche Fasanenvater hat sich übrigens seit einiger Zeit nicht mehr blicken lassen. Dass er keine ernsten Absichten hegte, steht zu vermuten . . .

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