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Schutzmaßnahmen

Tipps von Hausärzten zum richtigen Verhalten bei Zecken-Befall

Lienen/Ladbergen

Mal sitzen sie am Arm, manchmal auch an den Beinen, gerne nutzen sie versteckte Hautfalten. Die Rede ist von Zecken. Die WN sprach mit Hausärzten in Ladbergen und Lienen darüber, was zu tun ist, wenn einen die kleinen Quälgeister erwischen.

Von Luca Pals

In NRW gibt es mit dem Stadtkreis Solingen zwar nur ein deklariertes Risikogebiet für FSME-Infektionen, der Kreis Steinfurt gehört nicht dazu. Aber die Zahl der betroffenen Kreise nimmt dennoch jährlich zu. Grund dafür sind auch die steigenden Temperaturen. Foto: Joel Hunold

Dr. Sabine Koller aus der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Kalthöfer und Koller in Lienen hat jeden Tag mit den kleinen Tierchen zu tun. Mal sitzen sie am Arm, manchmal auch an den Beinen, gerne nutzen sie versteckte Hautfalten. Die Rede ist von Zecken. In den Wäldern weisen Schilder sowieso auf diese hin, einem Gang durch das hohe Gras bei warmen Temperaturen folgt meist der Ruf: „Gleich suchen wir uns ordentlich ab.“

Wie Koller bestätigt Dr. Uwe Freitag, Hausarzt in Ladbergen, dass täglich Patienten mit den kleinen Quälgeistern in die Praxis kommen würden: „Viele trauen sich nicht, sie zu entfernen, oder sind beim Versuch gescheitert.“ Koller rät hierbei, sie direkt über der Hautoberfläche herauszuziehen, oft bekomme man nur den Körper, meist nicht den Saugrüssel heraus: „Der Körper ist dann aber auch das Wichtigste“, so die Expertin. Nach dem Entfernen ist das Desinfizieren der betroffenen Stelle besonders wichtig, um weitere Folgen zu verhindern.

In ihrer Praxis kommen aktuell täglich bis zu drei Personen mit dem Problem vorbei, eine Zunahme im Vergleich zu den vergangenen Jahren könne sie dabei allerdings nicht ausmachen. Gleichwohl sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: „2001 waren in Deutschland noch 65 Risikogebiete für die FSME-Infektion ausgewiesen, 2021 waren es 169 Landkreise, in denen die Infektion aufgetreten ist“, so Koller. Mittlerweile listen die zuständigen Behörden bereits 175 Risikogebiete in Deutschland auf.

Gestiegene Durchschnittstemperaturen

Eine quantitative Zunahme mit einer klar auszumachenden Wanderung in nördliche Gebiete sei auszumachen. Dies führen auch einschlägige Fachmagazine auf den Klimawandel und die damit einhergehende steigende Durchschnittstemperatur zurück. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind Zecken ab einer Temperatur von acht Grad aktiv, abhängig von Art und Stadium könne man Zecken das ganze Jahr über finden. Die Infektion mit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) komme vor allem in Frühling, Sommer und Herbst vor. Folgen sind laut Koller Hirnhautentzündungen mit massiven Kopfschmerzen und zum Teil neurologischen Ausfällen.

Freitag rät in diesem Zusammenhang zu einer Impfung, die viele in seiner Praxis vornehmen lassen würden. An drei Terminen wird sie durchgeführt, alle fünf Jahre ist eine Auffrischung notwendig. Für Kinder ist eine spezielle Impfung möglich. Auch die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt diese Impfung – besonders für Menschen, die öfter in der Natur oder mit Haustieren wie Hunden unterwegs sind.

Hierbei rät Koller vor allem das gründliche Absuchen, dadurch könnten auch viele Zecken, die noch auf der Suche nach der passenden Körperstelle sind, rechtzeitig entfernt werden.

Schwerpunkte in Bayern und Baden-Württemberg

Neben FSME könne auch die Bakterieninfektion Borreliose, die mit Antibiotika bekämpft wird, neben bis zu 20 Zentimeter großen Rötungen teilweise zu neurologischen Spätfolgen führen.

Laut Koller ist es glücklicherweise im Kreis Steinfurt noch zu keiner Infektion mit dem FSME-Virus gekommen, in NRW ist lediglich der Stadtkreis Solingen als Risikogebiet vom zuständigen RKI eingestuft worden. Trotz der nördlichen Ausbreitung liegen die Schwerpunkte weiterhin in Bayern und Baden-Württemberg.

Eine Suche nach der „FSME-Google-Maps-Karte“ im Internet gibt einen Überblick über die ausgewiesenen Risikogebiete.

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