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Ukraine-Flüchtlinge: Kommunen warten auf Informationen

Bürger bieten schon Unterkünfte an

Lienen/ladbergen

Viele Menschen aus der Ukraine sind auf der Flucht. Einige von ihnen werden auch das Münsterland erreichen. Wie haben sich die Kommunen vor Ort aufgestellt?

Von Michael Schwakenberg

Ein Bild von vergangenem Sonntag: Geflüchtete suchen nach ihrem Grenzübertritt von Schehyni in der Ukraine nach Medyka in Polen passende Bekleidung und Decken, die von polnischen Freiwilligen bereitgelegt wurden. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Zustrom vom Menschen aus den Krisengebieten mag in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen sein, die Unterbringung stellt die Kommunen aber weiterhin vor große Herausforderungen. Und infolge des Krieges in der Ukraine könnten Menschen aus den umkämpften Gebieten schon bald auch Schutz im Münsterland suchen.

Vor allem aus den Städten fliehen Menschen aus Angst vor russischen Angriffen. Im Fernsehen sind Bilder vom kilometerlangen Autoschlangen auf den Autobahnen zu sehen sowie Staus und Menschenansammlungen an den Grenzübergängen zu sicheren Nachbarländern.

In der Lienener Verwaltung werden sich die Verantwortlichen deshalb am Donnerstag „in kleiner Runde“ treffen, um das Thema zu besprechen, teilte die Flüchtlingsbeauftragte Christina Kortmann-Zuch gestern auf Anfrage der WN mit. Man habe schon „eine Handvoll Angebote von Bürgern“ vorliegen, Menschen aus dem angegriffenen Land aufzunehmen und privat unterzubringen.

Das ist auch in Ladbergen der Fall, wie Sigrid Bücker-Dowidat vom Sozialamt der Gemeinde gestern auf WN-Anfrage berichtete. Zu Zahlen und konkreten Hilfsangeboten wollte sie sich noch nicht weiter äußern. Für heute sei eine Besprechung in der Verwaltung zu diesem Thema angesetzt. „Wir wissen noch nichts Konkretes, noch nicht einmal, welche Ansprüche diese Menschen haben, wenn sie zu uns kommen.“ Man warte jetzt auf Informationen von der Bezirksregierung.

Was die Flüchtlingsbetreuung in den Kommunen währen der vergangenen zwei Jahren erschwert hat, war nach Auskunft vom Christian Kortmann-Zuch die Corona-Pandemie: „Viele der Ehrenamtlichen sind ja schon älter und hatten dementsprechend Angst vor einer Ansteckung.“ Man sei in Lienen gerade dabei, Angebote wie etwa die Kleiderkammer Fundus zu reaktivieren. Die persönliche Betreuung der Flüchtlingsfamilien, so Bücker-Dowidat, sei in Ladbergen aber rotz der Pandemie fortgeführt worden.

Geht es generell um die Frage der Kapazitäten für die Aufnahme von Flüchtlingen, weist Kortmann-Zuch darauf hin, dass Lienen seit Monaten permanent Menschen zugewiesen bekomme, aber kaum Geflüchtete den Ort verlassen. „Man darf auch Afghanistan nicht vergessen“, deutet sie an, wo aktuell viele Menschen herkommen, die in Deutschland Schutz suchen.

Seit September habe Lienen 16 Asylbewerber im laufenden Verfahren neu zugewiesen bekommen und müsse zur Erfüllung seiner Quote noch neun weitere aufnehmen. Was die Gruppe anerkannter Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage betrifft, hat Lienen seine Quote zu 39 Prozent erfüllt. 100 Menschen mit diesem Status leben derzeit in Lienen, weitere 129 Menschen müsste die Gemeinde zur vollständigen Erfüllung ihres Solls aufnehmen. Ob es überhaupt dazu kommt und wenn ja wann, das hänge vom Land ab und entzieht sich laut Kortmann-Zuch der Kenntnis der Gemeinde.

Ladbergen nimmt nach Angaben von Bücker-Dowidat derzeit pro Monat etwa zwei Personen im laufenden Asylverfahren auf und hat sein Soll mit 17 Asylbewerbern aktuell nicht ganz erfüllt. Bei den Menschen mit Wohnsitzauflage sind es 76, zur 100-prozentigen Erfüllung des vom Land vorgegebenen Solls müssten weitere 100 aufgenommen werden.

Mit Blick auf die Menschen aus der Ukraine rechnet rechnet auch Christina Kortmann-Zuch damit, dass es dazu in der kommenden Woche Informationen aus Düsseldorf gibt. Sie hofft, dass sich angesichts der neuen Herausforderungen wieder mehr und vor allem auch jüngere Menschen in der Flüchtlingshilfe engagieren. Und angesichts der Tatsache, dass das Gebäude Iburger Straße 22 der Gemeinde bald nicht mehr für die Unterbringung zur Verfügung steht (die WN berichteten), sei die Gemeinde für weitere private Angebote dankbar.

Ihre Kollegin aus Ladbergen rät allen Beteiligten dazu, Ruhe zu bewahren: „Wir sind noch etwas ratlos, da uns Informationen fehlen. Aber wird werden das irgendwie gewuppt bekommen, so wie wir das bis jetzt immer gewuppt bekommen haben“, ist Sigrid Bücker-Dowidat überzeugt.

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