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Karl-Heinz Löckener (ANTL) über die Erntebilanz im Obstanbau

Dicke Äpfel wie schon seit Jahren nicht mehr

Ladbergen/Tecklenburg

Das beste Ernteergebnis seit 2018 gab es in diesem Jahr. Die ANTL ist mehr als zufrieden. Karl-Heinz Löckener kennt die Gründe und verrät sie im Interview.

Von Stephan Beermann

„Rot müssen die Äpfel sein – grüne Äpfel verkaufen sich nur noch ganz schwer“, weiß Karl-Heinz Löckener, der auch im privaten Garten eine gute Ernte hat. Foto: Stephan Beermann

Im Tecklenburger Land feiern die Menschen das Erntedankfest in Dankbarkeit dafür, was uns die Natur zum Leben geschenkt hat. Nicht bei allen Produzenten von Agrarprodukten fällt die Bilanz in diesem Herbst allerdings so positiv aus wie bei Karl-Heinz Löckener, der für die Naturschutzorganisation ANTL rund 700 Obstbäume auf Streuobstwiesen in Mettingen, Ladbergen und Tecklenburg bewirtschaftet.

Herr Löckener, zum Erntedank die entscheidende Frage: Wie fällt bei Ihnen in diesem Jahr die Obsternte aus?

Karl-Heinz Löckener: Für uns ist das die beste Ernte seit 2018. Das sehe ich an den Mengen, die uns bei der Apfelannahme der ANTL geliefert werden, und auch an den Mengen, die wir selber ernten. Bei zwei Annahmen hatten wir 34 Tonnen und zehn Tonnen haben wir selber gesammelt. Im letzten Jahr haben wir bei drei Annahmen nur 20 Tonnen gesammelt.

Warm und trocken

Wie erklärt sich das?

Löckener: Dieses Jahr war es während der Blütezeit warm und trocken. Das war für die Bestäubung gut, aber auch gut gegen Pilzerkrankung durch Schorf. Allein bei den Frühblühern hatten wir noch Frost, Boskop haben wir deshalb auch nicht viel. Aber die späteren haben einen Bombenertrag. Auffällig ist besonders der Ertrag der Sorte Krügers Dickstiel, auch die Goldparmäne oder Rote Sternrenette waren sehr gut.

Welche Auswirkung hatte die lange Trockenheit?

Löckener: Entscheidend ist die Bodenbeschaffenheit. Wo wir Lehmboden haben, der viel Wasser speichert, da hängen die Bäume jetzt rappelvoll. In Mettingen haben wir an einem Nordhang die Apfelsorte Jakob Fischer geerntet, wo ein einzelner Apfel 600 Gramm wog. Zugleich ist der Geschmack sehr gut, die Äpfel schmecken süß. Von einem Apfelbaum hatten wir in Mettingen 600 Kilo geerntet. Wir haben die Bäume teils so vollhängen, dass wir Angst haben, dass sie runterbrechen.

Früher reif

Wie sieht es mit anderen Obstsorten aus?

Löckener: Bei der Pflaume war es sehr unterschiedlich. In Brochterbeck auf der Fliehburg war sehr wenig, in Mettingen hingegen hatten wir so viel wie noch nie. Birnen haben auf die Wärme reagiert und wurden wesentlich früher reif. Zum Beispiel die Köstliche aus Chaneux schon im September.

Wirkte sich die teils extreme Hitze dieses Sommers auch nachteilig auf das Obst aus?

Löckener: Wir haben Äpfel mit Sonnenbrand, das gibt es auch. Unter der Schale ist das Fruchtfleisch regelrecht verbacken. In Steinfurt im Kreislehrgarten wurde einmal nachgemessen, da hatte der Apfel unter der Schale bis zu 50 Grad Wärme. Versaften kann man solche Äpfel noch, das Problem ist jedoch die Haltbarkeit.

Gibt es Obstsorten, die mit den sich ändernden klimatischen Bedingungen besser klarkommen?

Löckener: Ja, es gibt Sorten, die sich heute besser eignen als früher, zum Beispiel die Goldparmäne. Die wurde schon im 17. Jahrhundert beschrieben und kam ursprünglich aus Frankreich, wo sie dem südlichen Klima angepasst war. Was vom Pomologenverein neuerdings empfohlen wird, das ist der Florina-Apfel, eine schorfresistente Neuzüchtung.

Wie entwickelt sich der Preis für Äpfel in diesem Jahr?

Löckener: Nach der Superernte in diesem Jahr fällt der Preis eher. Die Apfelbauern aus Südtirol können es noch billiger, da leiden unsere Obstbauern drunter, die zwölf Euro Mindestlohn zahlen müssen. Die Großhandelspreise gehen nach und nach runter. Für große Betriebe im Alten Land und Rheinland ist das ein Problem. Für kleinere Betriebe hingegen, die noch selber ihr Obst vertreiben, da geht es noch.

Und wie sieht es bei der ANTL aus?

Löckener: Von unseren rund 15 Tonnen verkaufen wir ein bis zwei Tonnen als Tafelobst. Sorten wie Gravensteiner werden uns aus den Händen gerissen. Ältere kennen diese Sorte noch und wissen, dass die schmeckt und schön saftig ist. Der NABU in Münster verkauft auf dem Wochenmarkt bis zu 60 verschiedene Sorten. Es kommen Leute aus dem Ruhrgebiet nach Münster, nur um eine bestimmte Sorte zu bekommen, wie Krügers Dickstiel.

Warum tun sie das?

Löckener: Äpfel können sehr unterschiedlich schmecken. Für viele ist es dann auch der Apfel der Kindheit. Äpfel, die heute im Supermarkt verkauft werden, gab es vor 40, 50 Jahren noch gar nicht. Das sind Neuzüchtungen wie Gala oder Pink Lady. Die schmecken nicht schlecht und sind süß, haben aber auch Nachteile.

Welche denn?

Löckener: An den Apfelzüchtungen der letzten 70 Jahre waren immer drei Sorten beteiligt: Cox Orange, Golden Delicious und Jonathan. Alle drei gelten als krankheitsanfällig. Aufgrund der Krankheiten war immer der Einsatz von sehr viel Pflanzenschutz erforderlich. Wenn man sich hingegen alte Sorten anguckt, die stehen selbst in Höhenlagen des Sauerlands supergesund. Viele alte Sorten sind genetisch viel besser aufgestellt, sodass sie gar keinen Pflanzenschutz brauchen.

Tecklenburg

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