Interview mit den Bürgermeisterkandidaten – Thema heute: Kinder, Jugendliche, Klima- und Umweltschutz

Die Generationen vernetzen

Ladbergen

Im dritten Serienteil vor der Kommunalwahl stehen die Bürgermeisterkandidaten Torsten Buller und Thomas Kötterheinrich WN-Redaktionsmitglied Dietlind Eellerich Rede und Antwort zu der Frage, was in Ladbergen besser werden muss, damit junge Menschen vor Ort bleiben. Da geht es um Bildung und Freizeitgestaltung, aber auch um Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit.

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Ein Elektro-Fahrzeug hat die Gemeindeverwaltung schon, weitere werden folgen. Ihre Ziele in Sachen Klima- und Umweltschutzsowie Nachhaltigkeit erläutern die Bürgermeisterkandidaten Torsten Buller und Thomas Kötterheinrich im Interview. Foto: Dietlind Ellerich

Kein Kino, kein Theater, kein Schwimmbad, kein ÖPNV nach Münster und Osnabrück. Wie machen Sie Jugendlichen, besonders Ihren 425 Erstwählern, den Heimatort Ladbergen schmackhaft?

Torsten Buller Foto:

Buller: Kino, Theater und Schwimmbad werden wir nicht ansiedeln können; dafür ist Ladbergen einfach zu klein. Schwimmbäder sind zudem enorm kostenintensiv. Was wir haben: eine Autobahnanbindung, die Nähe zu Münster und Osnabrück, relativ günstiges Bauland, bezahlbaren Wohnraum, die Familien und Freunde vor Ort, ein attraktives Vereinsleben, ein sehr gutes Jugendzentrum und sehr aktive Kirchengemeinden. Also vieles, um sich wohlzufühlen.

Thomas Kötterheinrich Foto:

Kötterheinrich: ÖPNV muss attraktiv und günstig sein. Hier müssen wir dringend besser werden. Das Thema hat für mich höchsten Stellenwert. Wünschenswert wäre eine direkte Busverbindung aus dem Dorf nach Münster beziehungsweise Osnabrück, alternativ eine verlässliche Direktverbindung zum Bahnhof Kattenvenne. Das Angebot für alle Jugendlichen – Kinoabende, Kulturbühne für Jugendliche etc. – muss zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum verbessert werden. Eventuell ist auch ein Leuchtturmprojekt wie eine BMX-Bahn möglich.

Kita-Neubau, Einrichtung von Kita-Räumen im Gemeindehaus, digitale Ausstattung der Grundschule, Offener Ganztag. Ladbergen macht sich für jüngere Kinder stark. Was kann noch besser werden? Und was tun Sie für die Jugendlichen?

Buller: Die Kitas, die Kindergärten und die Grundschule müssen noch mehr in den Fokus der Gemeinde rücken, um eine bestmögliche Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Das ist die Voraussetzung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Ich werde zudem prüfen, ob die Einrichtung eines Anruf-Sammel-Taxis realisierbar ist, um die Jugendlichen vor allem am Wochenende sicher nach Münster, Osnabrück oder Ibbenbüren zu bringen.

Kötterheinrich: Eine Herzensangelegenheit ist für mich die Schaffung eines Treffpunktes für Alt und Jung (Mehrgenerationenpark). Der Bereich des Friedensparkes an der Amme bietet sich förmlich dafür an. Generationen können viel voneinander lernen und sich gegenseitig bei der Bewältigung von Alltagsangelegenheiten unterstützen. Wir müssen sie nur vernetzen. Generationenübergreifende Veranstaltungen wie Spiel- und Singabende, PC-Kurse und Kochevents würden ebenfalls dazu dienen.

Stichwort „Fridays for future“. Jugendliche machen sich Sorgen um Klima- und Umweltschutz. Photovoltaikanlagen auf Grundschule und Rathaus, Elektrofahrzeuge als Dienstwagen, EEA (European Energy Award)-Zertifizierung, Ladbergen ist in Sachen Klimaschutz gut unterwegs. Was kann die Verwaltung noch fürs Klima und für die Umsetzung von Maßnahmen tun?

Buller: Der Rat der Gemeinde hat ein umfangreiches Klimaschutzkonzept Ladbergen beschlossen. Mit der Grünbedachung an der Sporthalle II wird kurzfristig begonnen. Auch wurde die Schule energetisch umgebaut. Wünschenswert ist die Umstellung der gesamten öffentlichen Straßenbeleuchtung auf LED und die Wiederaufnahme des energetischen Quartierkonzeptes „Gut versorgt auf allen Ebenen – Wohnen in der Wald-Dichter-Siedlung“ aus 2017.

Kötterheinrich: Weitere Ziele des Klimaschutzkonzeptes müssen umgesetzt werden. Dazu benötigen wir die Unterstützung unserer Klimaschutzmanagerin. Weiterhin sollte der Energieverbrauch für alle gemeindeeigenen Gebäude und Fahrzeuge geprüft werden, Stichwort: kommunales, klimafreundliches Energiemanagement. Verbesserung der E-Mobilität vor Ort, wobei die Anschaffung von E-Autos zum Beispiel für den Bauhof geprüft werden muss. Die Verbesserung des ÖPNV und der Ausbau der Radwege reduziert den Individualverkehr.

Wer sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit stark macht, muss die Landwirtschaft ins Boot holen. Blühstreifen an Ackerflächen zum Erhalt der Artenvielfalt sind ein Anfang. Wie könnte eine Fortsetzung aussehen?

Buller: Es muss eine Gesprächskultur zwischen Umweltschutz und Landwirtschaft geschaffen werden. Ich werde als Bürgermeister stets den Kontakt zur Landwirtschaft suchen, zum Beispiel zur Anlage weiterer Schon- und Blühstreifen, Streuobstwiesen oder ähnlichem. Ebenso möchte ich auf die Initiative „Zusammen Vielfalt schaffen“ zugehen, die viele Ideen hat. Mir ist auch wichtig, dass der Gedanke „Lebensmittel – saisonal und regional von unserer Landwirtschaft“ selbstverständlich wird.

Kötterheinrich: Der Dialog zwischen Landwirten, Bürgermeister und der Politik vor Ort ist ein wichtiger Baustein und muss fortgeführt und intensiviert werden. Nur gemeinsam können sinnvolle Projekte diskutiert und umgesetzt werden. Die Vermarktung regionaler Produkte vor Ort, auch in den Supermärkten, gilt es zu stärken. In Bezug auf die Nitratbelastung des Grundwassers ist der Bau weiterer Brunnen zur Probeentnahme im Gemeindegebiet zu unterstützen.

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