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Versorgung auf Rastplätzen

„DocStop“ unterstützt gestrandete Lkw-Fahrer aus Russland und der Ukraine

Ladbergen

Sie machen keinen Unterschied, ob es sich um russische oder ukrainische Lkw-Fahrer handelt. Denn die Mitglieder des Vereins „DocStop“ wollen vor allem eines: Helfen in der Not. Und das schnell, unkompliziert und unbürokratisch.

Von Luca Pals und Mareike Stratmann

Joachim Fehrenkötter (Mitte) und weitere Mitglieder des Vereins „DocStop“ versorgen aktuell aus Russland und der Ukraine gestrandete Lkw-Fahrer auf den hiesigen Rastplätzen. Foto: DocStop

Seit 2008 ist auch Joachim Fehrenkötter im Verein aktiv. Ein Jahr zuvor war „DocStop“ als Gesundheitsprojekt zur Verbesserung der medizinischen Unterwegsversorgung für Berufskraftfahrer ins Leben gerufen worden und dem Pilotprojekt „Gesund auf Achse“ entsprungen.

Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten verläuft entlang der europäischen Autobahnen, Mitgründer ist der damalige Europareferent für Verkehrssicherheit, Rainer Bernickel. Fehrenkötter, dessen Transport- und Logistikunternehmen in der Heinrich-Büssing-Straße in Ladbergen sitzt, ist nun seit elf Jahren Vorsitzender des Vereins. Als solcher war er zuletzt auf Versorgungstour.

Aktion folgte auf Hilferuf der Autobahnpolizei

Unter anderem am Ladberger Rastplatz „Espenhof“, auf dem viele Lkw-Fahrer pausieren und übernachten, konnten 25 Fahrer für einige Tage mit Lebensmitteln versorgt und eingedeckt werden, berichtet er. Die Aktion vom vergangenen Montag sei kurzfristig ins Leben gerufen worden und entsprang einem Hilferuf verschiedener Autobahnpolizeistellen. In diesem Zusammenhang betont der Spediteur: „Die Nationalität spielt für uns keine Rolle.“ Die Menschen seien auf Hilfe angewiesen.

Weil viele gute Erfahrungen vor Ort gesammelt wurden, blieb es allerdings nicht bei einer Aktion: „Wir haben mit drei Teams insgesamt 200 Rationen verteilt. Uns zeichnet aus, dass wir schnell, unkompliziert und unbürokratisch helfen.“

Sanktionen treffen auch Lkw-Fahrer

Hintergrund dafür, dass so viele Menschen aus den Ländern der aktuellen Kriegsparteien im Ausland festsitzen, sind unter anderem die Sanktionen des Westens und der EU gegen Russland, die auch die Fahrer treffen. Mit diesen sind auch die privaten Konten im Ausland eingefroren worden. In solchen Situationen helfe auch das restliche Bargeld im Portemonnaie nicht mehr weiter.

Mittlerweile hätte sich die Situation in der Region allerdings beruhigt, nur noch wenige Fahrer seien vor Ort anzutreffen. Fehrenkötter vermutet, dass die Weiterfahrt durch Tankkartenfirmen ermöglicht wurde. Bei vielen Fahrer seien sowohl Englisch- als auch Deutschkenntnisse nicht gegeben, die Geste eines Geschenkes könne aber trotz Sprachbarrieren jeder verstehen.

Von ähnlichen Problemen für Lkw-Fahrer unter anderem aus Russland berichtete zuletzt beispielsweise der „Focus“ von einem Rastplatz aus Plettenberg im Sauerland sowie der „SWR“ aus Südbaden.

Netzwerk reicht über Deutschland hinaus

„DocStop“ habe bereits mehrfach in der Vergangenheit helfen können, berichtet Fehrenkötter auf Nachfrage: „Wir haben mittlerweile ein Netzwerk in Deutschland, Österreich und Frankreich aufgebaut. Jeder Fahrer kann über eine 24/7-Hotline jederzeit seine Krankheit und seinen Standort nennen. Er wird dann sofort behandelt.“ Besonders während der Pandemie habe man durch das Netzwerk „Sanistop“ den Missstand von geschlossenen Sanitärräumen ausgleichen können. Darüber hinaus seien 10 000 Hilfspakete mit Masken und Desinfektionsmittel überreicht worden.

Stichwort Gesundheit: In den vergangenen Jahren hat „DocStop“ außerdem medizinische Infrastruktur an Rastplätzen aufgebaut, die bei Not schnell helfen kann. Laut Wikipedia wenden sich jährlich 4000 Berufskraftfahrer an die deutschlandweit 700 Mediziner. Das Angebot ist kostenlos, der Kontakt wird über eine Hotline hergestellt. In den meisten Fällen behandeln die Ärzte die berufsspezifischen Krankheiten der Branche wie Kopf- oder Rückenschmerzen. Die Hilfe für osteuropäische Fahrer, die auf Rastplätzen gestrandet sind, sei ein Paradebeispiel für das Engagement des Vereins.

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