Die Kunden strömen und die Stimmung im Einzelhandel steigt

Ein Hauch von Normalität

Ladbergen

Die Corona-Pandemie hat den Einzelhändlern in den vergangenen Monaten massiv zugesetzt. Nun dürfen sie seit einer Woche wieder unter fast normalen Umständen öffnen. Die Kunden strömen, und die Geschäftsinhaber freuen sich über die gute Stimmung und den anziehenden Verkauf anstatt über die erschwerten Bedingungen zuvor zu klagen. Eine stichprobenartige Umfrage.

Von Mareike Stratmannund

Lauter strahlende Gesichter: Sowohl Julia Apel (links) und Nancy Ullmann vom Kaufhaus Hakmann als auch Janine Schaphuis von Jamoda (rundes Bild) freuen sich über die Eröffnung ihrer Geschäfte unter fast normalen Bedingungen. Foto: Mareike Stratmann

Es fällt direkt auf: das Lachen der Kita-Kinder, die sich über das Eis aus der Eisdiele freuen, dazu die vielen Radfahrer und gut gelaunten Fußgänger, die im Ort unterwegs sind. Auch in den Geschäften herrscht am Freitagvormittag reges Treiben. Es kommt einem irgendwie ungewohnt vor – aber es ist auch so schön. Es ist an der Zeit, sich bei den Einzelhändlern umzuhören.

Julia Apel zum Beispiel strahlt über das ganze Gesicht: „Es läuft super“, sagt die Geschäftsführerin des Kaufhauses Hakmann. Eben sei es noch brechend voll gewesen. Es ist Balsam auf der Seele derjenigen, denen die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten arg zugesetzt hat. Denn fraglos sei die Zeit der Zwangsschließung „eine Katastrophe“ gewesen, wie ihr Vater Heinrich Hakmann einräumt.

Als man dann wieder einen Abholservice an der Eingangstür habe anbieten können, sei es deutlich besser geworden. „Die Leute haben sich gefreut, überhaupt etwas vor Ort zu bekommen“, sagt Julia Apel – und sie hätten davon fleißig Gebrauch gemacht. Allein, sogenannte Mitnahmeartikel, die ansonsten beim Stöbern im Laden im Einkaufskorb gelandet seien, hätten sich zum Ladenhüter entwickelt.

Diese Zeit scheint jetzt vorbei. Seitdem Hakmanns seit vergangenem Freitag wieder ohne Test und Anmeldung öffnen dürfen, steppt der Bär. „Die Leute sind so freundlich, dankbar und gut gelaunt“, hat Julia Apel festgestellt. Und kaum hat sie das ausgesprochen, fällt wenige Meter weiter an der Kasse wieder dieser Satz: „Wie schön, dass ihr wieder normal öffnen dürft.“

Sabine Reinker ergeht es in der Dorfbuchhandlung Veltmann ganz ähnlich. Soeben hat sie das Schild an der Tür ausgetauscht, das nun wieder zehn Kunden gleichzeitig Einlass gewährt. Und die ließen sich nicht zweimal bitten, berichtet die Angestellte. Bücher bestellen und abholen, das sei ja schon lange wieder möglich gewesen. „Aber jetzt genießen es die Kunden so richtig, mal wieder in Ruhe ein Buch in die Hand zu nehmen, reinzuschauen und einfach in Ruhe zu stöbern“, hat sie beobachtet.

Ähnliches sagt auch Janine Schaphuis im Modegeschäft Jamoda. „Es läuft wieder“, strahlt sie. Und vor allem passe auch das Wetter endlich zu der Bekleidung, die sie an der Mühlenstraße an die Frau bringen will. Die Übergangsphase, in der das Geschäft nur für Kunden mit negativem Test geöffnet war, bezeichnet sie als äußerst durchwachsen. „Das wurde zum Ende hin zwar besser, aber da waren auch Nachmittage dabei, an denen gerade mal zwei Kunden hier waren.“ Entsprechend froh ist sie über den aktuellen Run auf T-Shirts, kurze Hosen und Kleider. „Die Kunden wollen wieder in den Urlaub fahren und sich dafür einkleiden.“

Ein Lächeln hat auch Anke Lange im Gesicht. Wobei, das hat die Inhaberin der Drogerie DroNova während der zurückliegenden Monate – zumindest aus beruflichen Gründen – eigentlich nie verloren. Denn sie sagt, „ich gehöre zu den Gewinnern der Pandemie“. Ihr Geschäft musste weder geschlossen bleiben, noch musste ihr Verkauf eingeschränkt werden. Und 20 Kunden durften auch immer rein. Die Geschäftsfrau hat die Ladberger die gesamte Zeit über als „sehr rücksichtsvoll und nett“ wahrgenommen. „Viele haben an der Tür gefragt, ob sie noch reinkommen dürften oder es schon zu voll sei.“ Dass sie neben den Drogerieartikeln mit Schreib- und Haushaltswaren sowie Dekoartikeln so breit aufgestellt sei, habe ihr natürlich in die Karten gespielt. „Die Kunden waren froh, dass sie es überhaupt bekommen haben.“

Ähnliches schildert auch Holgert Rickert von der Unternehmergemeinschaft Ladbergen. Die Einschätzung der Lage während der Corona-Pandemie falle „von Gewerk zu Gewerk natürlich sehr unterschiedlich aus. Gerade die Gastronomen sind natürlich überhaupt nicht zufrieden“. Gleichwohl, sagt der Vorsitzende, habe ich „nichts super Negatives gehört“. Von Insolvenzen ist ihm nichts bekannt.

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