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Wolfgang Menebröcker wird 75 Jahre alt

Ein Leben voller Engagement

Ladbergen

Gartenstuhl statt Chefsessel – so sieht schon lange das Leben von Wolfgang Menebröcker, wenn es denn die Zeit zulässt. Seit zwölf Jahren ist er im Ruhestand – und findet das war genau der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Von 1977 bis 1999 war Menebröcker in Ladbergen Gemeindedirektor, anschließend bis 2009 hauptamtlicher Bürgermeister. Am 14. Juni wird er 75 Jahre alt.

Von Ruth Jacobusund

Wolfgang Menebröcker genießt es, auf der Terrasse zu sitzen. Trotz seiner vielen „Nebenbeschäftigungen“ findet er dafür Zeit. Foto: Ruth Jacobus

Im Chefsessel sitzt er schon lange nicht mehr, und er vermisst ihn auch nicht. Der bequeme Gartenstuhl auf der heimischen Terrasse ist heute schon mehr nach seinem Geschmack. Wenn er denn die Zeit hat, seinen Garten zu genießen. Seit zwölf Jahren ist Wolfgang Menebröcker im Ruhestand – und er findet das war genau der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Von 1977 bis 1999 war er in Ladbergen Gemeindedirektor, anschließend bis 2009 hauptamtlicher Bürgermeister. Heute wird er 75 Jahre alt.

Aufgehört hat „Mene“, wie er gern genannt wurde, „auf eigenen Wunsch“. Er wollte nicht so lange warten, bis gesagt würde „Gott sei dank hört der auf“, erzählt der Jubilar rückblickend. Und er ist auch in kein tiefes Loch gefallen, weil er plötzlich nicht mehr im Berufsleben stand. Im Gegenteil. Seinen Ruhestand, den darf man getrost als Unruhestand bezeichnen. Denn die Zahl der Ehrenämter, die er nach wie vor inne hat, ist groß – auch wenn er sie jetzt nach und nach reduziert.

Ob im Handball, im Unterhaltungsverband Ladberger Mühlenbach, im Diakonischen Werk, als Jagdvorsteher in sechs Jagdbezirken und in anderen Institutionen – überall hat er führend und ehrenamtlich mitgearbeitet. Damit ist nun Schluss. Vorsitzender des DRK und der Familienstiftung wird er aber bleiben. Er sei gebeten worden, dort weiterzumachen. Das verlange ihm auch nicht so viel ab, denn es laufe alles prima, freut sich Wolfgang Menebröcker.

So mancher mag den Jubilar für einen Ur-Ladberger zu halten. Doch das ist er nicht. Wolfgang Menebröcker stammt gebürtig aus Lengerich. Dort hat er an der Realschule die Mittlere Reife bestanden und bei der Stadt eine Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert. 1965 ist er zum Amt Tecklenburg gewechselt und hat dort eine Ausbildung zum gehobenen Dienst gemacht. Am Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Münster hat er die Prüfung bestanden und dann sechs Semester an der Verwaltungsakademie in Osnabrück studiert.

Dann kam die kommunale Neugliederung und mit ihr die Frage, was aus Tecklenburg wird. Weiterhin Kreisstadt, weiterhin zum Beispiel mit Brochterbeck als zur Stadt zugehörig? Das war damals ein heiß diskutiertes Thema. „Das war mir zu wackelig“, erinnert sich Menebröcker. Er zog die Konsequenzen und wechselte zum 1. Juli 1973 als Personalchef zur Stadt Billerbeck. Bis 1977 in Ladbergen Martin Schoppenhorst als Gemeindedirektor aufhörte. „Ich bin angesprochen worden, habe mich überreden lassen und mich beworben. Am 1. Juli 1977 trat er seine Arbeit in Ladbergen an – 31 Jahre alt und damit einer der jüngsten Gemeindedirektoren in Nordrhein-Westfalen. Als 1999 die Gemeindeordnung geändert wurde, es keinen Gemeindedirektor, sondern einen hauptamtlichen Bürgermeister gab, trat er an und wurde gewählt.

Aus Ladbergen in einen anderen Ort zu wechseln, „das war nie angesagt“. „Ich habe mich hier immer sehr, sehr wohlgefühlt und die Arbeit hat immer unheimlich viel Spaß gemacht“, versichert Menebröcker. Das lag auch an den Gestaltungsmöglichkeiten, die die Gemeinde hatte. Vieles ist in seiner Ägide angestoßen und umgesetzt worden, sei es der Neubau der Zweifachsporthalle und der Freiluftsportanlage, der Umzug der Gemeindeverwaltung an die Jahnstraße, der Bau der Kläranlage, die Schaffung von Wohn- und Gewerbegebieten oder der Neubau des Feuerwehrhauses.

Vieles hat er in die Tat umgesetzt und dabei die Politik auf seine Seite gezogen. „Mit Strategie, einer Portion Schlitzohrigkeit und Verhandlungsgeschick ist es ihnen gelungen, Mehrheiten zu schaffen“, hatte es Bürgermeister Udo Decker-König bei Menebröckers Verabschiedung treffend zusammengefasst. „Sie haben ihre Mitarbeiter an der langen Leine gehalten, kannten aber den Zeitpunkt, die Zügel anzuziehen.“

Doch es gab natürlich auch Dinge, die sich nicht realisieren ließen. Die gewünschte Kooperation der damaligen Hauptschule mit der Gesamtschule Saerbeck gehörte dazu. „Das hat mich damals geschmerzt.“

Viele Geschichten kann Wolfgang Menebröcker aus seiner Amtszeit erzählen, unter anderem aus seiner Zeit in Malchin beziehungsweise Rostock, wo er der Prüfungskommission angehörte und Vorlesungen gab für junge Leute, die in die kommunale Verwaltung wollten.. „Das hat Laune gemacht.“

Und was macht ihm und seiner Frau heute Laune? Das ist nach wie vor das Reisen, sagt Menebröcker und gerät ins Schwärmen. Ob die Schiffsreise von Bremerhaven ins kanadische Quebec, die „wunderschöne Toskana“ oder aber Städte wie Wien und München und Westerland auf Sylt. Das Ehepaar das eine Tochter hat, die in Münster lebt, hat viel gesehen. Und dann ist da noch ein Hobby, das in Ladbergen fast schon Legendenstatus hat, Wolfgang Menebröcker ist begeisterter Koch, leitet seit vielen Jahren einen Männerkochkursus bei der Volkshochschule. Mittlerweile sind sich die Teilnehmer freundschaftlich verbunden. Trotzdem gebe es während der Kochstunden kein Gelaber. Darauf legt er wert. Gab es anfänglich „hausbackene Kunst“ wie Eintöpfe, sei man mittlerweile bei Rinderfilet und Co. Und auch zu Hause ist Wolfgang Menebröcker mittlerweile der Chef in der Küche. „Das überwiegende Kochen mache ich seit meiner Pensionierung.“

Was wünscht sich dieser vielbeschäftigte Mann zu seinem Geburtstag? Da muss er nicht lange nachdenken: Gesundheit. Und, fügt er nach kurzem Überlegen hinzu: „Mal wieder etwas zusammen machen mit dem Kartenclub“, den es seit 40 Jahren gibt. Corona hat ihn ausgebremst. Doch das, so hofft Menebröcker und ist zuversichtlich, ist bald vorbei. Ob er dann seine Geburtstagsfeier nachholt und groß feiert? Ganz schadlos wird er wohl nicht davonkommen. Er muss schmunzeln, wenn er an den Kartenclub denkt. Denn der wird ihn wohl nicht ohne Feier davonkommen lassen. Und die hat Wolfgang Menebröcker sich auch redlich verdient.

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