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Hermann Middelberg beim Männerfrühstück

„Ein Thema, das eigentlich jeden berührt“

Ladbergen

Mit einem ernsten Thema ist das Männerfrühstück aus seiner rund zweijährigen Zwangspause zurückgekehrt. Am Samstag referierte Hermann Middelberg über „Ein Suizid – viele Betroffene“. Dabei hatte der pensionierte Kriminalbeamte nicht nur Informationen aus seiner Zeit als Notfallseelsorger parat.

-rei-

Mit Informationen aus seiner Zeit als Notfallseelsorger und Tipps, wie man suizidgefährdeten Personen helfen könne, war Hermann Middelberg (rechts) zum Männerfrühstück gekommen. Foto: Anne Reinker

Zwei Jahre lang konnten Werner Suhre, Wolfgang Schoppenhorst, Max Maneke, Alexander Fenker und Bodo Möller Corona-bedingt nicht zum Männerfrühstück einladen. Ein Treffen, das sicherlich viele vermissten, denn neben einem kleinen Frühstück steht jedes Mal ein interessanter Vortrag auf dem Programm. Beim Neustart am Samstag ging es um einen ernsten wie traurigen Komplex: Hermann Middelberg referierte in der Begegnungsstätte Buddemeier über das Thema „Ein Suizid – viele Betroffene“.

„Fast jeder kennt jemanden aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis, der sich suizidiert hat“, sagte Hermann Middelberg aus Lotte, der durch den Kontakt zu Alexander Fenker – beide sind Notfallseelsorger – zum Männerfrühstück kam. „Deswegen ist es ein Thema, dass eigentlich jeden berührt.“

Middelberg, seit zwei Jahren pensionierter Kriminalbeamter, erläuterte die verschiedenen Phasen, die einem Suizid in der Regel vorausgingen. Demnach spielten psychiatrische Erkrankungen wie auch eine Sucht wichtige Rollen bei der Entwicklung von derartigen Gedanken. Gefühle, etwa sich als Last für die Mitmenschen zu sehen, könnten diese verstärken. Beziehungskrisen, der Verlust des Partners, ob durch den Tod oder eine Scheidung, sowie der Verlust des Arbeitsplatzes gelten als Auslöser. „Es passiert etwas, was den Menschen aus der Bahn wirft“, fasste Middelberg zusammen. Und so seien die Merkmale dafür für Laien meist durchaus erkennbar.

In der sogenannten Suizidhandlungsphase, also kurz vor dem entscheidenden Schritt, gehe es dem Betroffenen gut, er wirke entspannt.

Werden Suizide gut überlegt? Nein, sagte Middelberg, der als Notfallseelsorger viele Gespräche mit akut Suizidgefährdeten und auch Angehörigen führte. Bei Zweidrittel aller Fälle lägen weniger als zwölf Stunden zwischen ernsthaften Gedanken und Tat.

In Deutschland begehen etwa 10.000 Menschen im Jahr eine Selbsttötung. „Gerade die ältere Generation, zwischen 50 und 80 Jahren, ist betroffen“, berichtete Middelberg. Das habe auch damit zu tun, dass in diesem Alter Beziehungen endeten. „Und man dann vielleicht auch damit plötzlich total überfordert ist, den Haushalt zu führen und alleine zu leben“, sprach einer der Zuhörer seinen Gedanken aus.

„Das Wichtigste ist ein gutes soziales Netzwerk“, erklärte der Referent, dass dieses potenziell Gefährdete auffangen könne. „Eine gute Nachbarschaft, zum Beispiel“, meinte einer der Besucher. „Man sollte das Gespräch mit demjenigen suchen“, riet Middelberg. „Und sich nicht scheuen zu fragen, ob er Suizidgedanken hat.“ Man solle dem Betroffenen deutlich machen, wie wichtig er als Person ist und dass er eine Zukunft hat. Zudem sollte man ihm raten, professionelle Hilfe zu suchen.

Das nächste Männerfrühstück wird voraussichtlich im Februar stattfinden.

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