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Nach 14 Jahren als Fraktionssprecher: Grünen-Gründungsmitglied Jörg Berlemann tritt in die zweite Reihe

„Es hat mir immer Spaß gemacht“

Ladbergen

1984 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Ladbergen und war zuletzt 14 Jahre ihr Fraktionssprecher: Jörg Berlemann hat in dieser Zeit als Lokalpolitiker viel erlebt und entsprechend viel zu erzählen. Und noch ist nicht ganz Schluss: Ratsmitglied bleibt der 65-Jährige.

„Es hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Jörg Berlemann über seine Zeit als Fraktionssprecher der Grünen. Nun tritt der 65-Jährige in die zweite Reihe und freut sich, dass die Grünen mit Meike Steube-Niemeyer eine „sehr gute Nachfolgerin“ gefunden haben. Foto: Grüne

Für Politik interessiert habe er sich eigentlich schon immer, sagt Jörg Berlemann. Schon als Realschüler. Dass es ihn schließlich in die Lokalpolitik zog, dafür gab es indes einen ganz konkreten Anlass. „Als Anfang der 80er Jahre die L 555 nach Greven ausgebaut wurde“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Denn in dessen Zuge wurde das Ladberger Buchtor auf Höhe der Miälkwellen platt gemacht. Ein wunderschönes Stückchen Wald mit großen, in den Kronen zusammengewachsenen Buchen“, wie er sich erinnert. In diesem Moment habe für ihn festgestanden: „So etwas darf nicht noch einmal passieren.“

Im Juni 1984 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Grünen vor Ort. Schon im September fand die erste Kommunalwahl mit Beteiligung den Grünen statt – „da haben wir direkt drei Sitze geholt und die FDP auf einen Schlag halbiert“, hat er noch ziemlich konkrete Bilder von dem Wahlabend 1984 im Rathaus im Kopf, „als wir einfach nur gejubelt haben“.

Zunächst hielt sich Berlemann im Hintergrund, wurde 1987 zum Kassierer des Ortsverbands gewählt – ein Amt, das er übrigens noch heute innehat. 1989 rückte er erstmals als sachkundiger Bürger in den Bauausschuss auf, 1997 wurde er Ratsmitglied. „Bis wir 1999 ganz knapp den dritten Sitz verfehlten.“ Vier später kehrte er zurück, wurde nach der Kommunalwahl 2009 schließlich Fraktionssprecher – „weil Manfred Dröge nicht mehr wollte und wir niemand anderen hatten“, wie er lachend rekapituliert. Und dabei auch nicht vergisst, „dass ich anfangs durchaus Schiss hatte“. Gleichzeitig habe er gemerkt, „dass man was bewegen kann“.

Ergo formulierte er erste Anträge wie zur Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, „der zu unserer Überraschung einstimmig angenommen wurde“. Es sei ihm eine Freude gewesen zu sehen, dass „der Respekt uns gegenüber sehr schnell und sehr stark gewachsen ist“. Die Ratskollegen und Verwaltungsspitze hätten es ihm aber auch leicht gemacht, blickt er dankbar zurück und stellt jetzt, da er das Amt des Grünen-Fraktionssprechers mit Beginn des neuen Jahres an Meike Steube-Niemeyer übergeben hat, fest: „Es hat mir immer Spaß gemacht.“

Die Frage nach den größten grünen Erfolgen während der vergangenen 14 Jahre? „Die Installierung einer Klimaschutzmanagerin 2017. Zusammen mit Alexandra Kattmann haben wir seither schon einiges durchsetzen können“, sagt er. Außerdem seien für ihn „die ökologischen Bauleitlinien bei der Neuaufstellung von Bebauungsplänen unheimlich wichtig“. Und ganz persönlich: „Dass wir Landrat Kubendorff 2010 abgerungen haben, dass die Bushaltestelle Zur Woote für den Schnellbus 50 erhalten blieb. Dafür hatten mein Bruder und ich im Ort 1250 Unterschriften gesammelt“, blickt der 65-Jährige zurück. Der Halt blieb, bis Kubendorff 2015 nicht mehr zur Wahl antrat.

Das Thema ÖPNV hat Jörg Berlemann über all die Jahre begleitet und am Herzen gelegen. Entsprechend enttäuscht stellt er fest, dass es „damit im Moment schlechter aussieht, als es schon mal war. Weil wir uns darüber im Rat nicht einig genug waren“. Generell lobt er „die gute und faire Zusammenarbeit von Fraktionen und Verwaltung zum Wohl der Gemeinde, wo alle an einem Strang gezogen haben“. Beispielsweise in puncto flächendeckendem Glasfasernetz und Barrierefreiheit im Ort oder auch bei der Sanierung der Grundschule, die nun ein einheitliches Bild habe.

Aber natürlich gebe es auch Dinge, die er gerne anders umgesetzt gesehen hätte. Er ärgere sich, dass die Grünen ihr Anliegen einer Baumschutzsatzung zum Schutz ortsprägender Bäume nicht hätten durchsetzen können. Es tue ihm „unsäglich leid, dass wir keine andere Regelung in Sachen Hotel zur Post haben finden können, dass das Gebäude in Teilen abgerissen wird und es noch keine Nutzung für das Hotel“ gebe, nennt er zwei Beispiele.

Nun tritt er in die zweite Reihe. „Was wir schon vor der Kommunalwahl abgesprochen hatten“, wie er sagt und betont: „Ich hab‘s lang genug gemacht und möchte noch mal was Neues machen. Ich überlege gerade.“ Der Politik bleibt er als Ratsmitglied gleichwohl erhalten und Meike Steube-Niemeyer, die er als „unglaublich engagiert und rhetorisch sehr versiert mit neuen Ideen“ und damit als „sehr gute Nachfolgerin“ beschreibt, als Ansprechpartner.

2023, ist Jörg Berlemann überzeugt, werde ein Jahr „wichtiger und teurer Entscheidungen“. Dabei denkt er an den Neubau für die Offene Ganztagsschule sowie die Baustellen Kläranlage und Feuerwehrgerätehaus, „auf die man hätte viel eher reagieren müssen“, wie er sagt. Und er wartet „dringendst“ auf das Klimaschutzkonzept 2.0 des Kreises – „damit wir vor Ort Maßnahmen ergreifen, die Ladbergen klimaneutral machen“. So versteht er die moderne und nachhaltige Politik vor Ort, für die er sich seit nunmehr fast 40 Jahren einsetzt. Zufrieden stellt er fest: „Wir genießen eine hohe Akzeptanz in Ladbergen, haben schon vieles umsetzen können und damit gezeigt, dass wir keine grünen Spinner sind, sondern Realpolitik betreiben.“

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