Initiative „Zusammen Vielfalt schaffen“ wirbt für Akzeptanz von Blühflächen

Etwas Wildnis wagen

Ladbergen

Jetzt, da Kornblumen, Malven, Margeriten und Mohn blühen, erfreuen sich viele an der Blütenpracht, die an verschiedenen Stellen im Ort für bunte Farbtupfer sorgt. Aber eine Wildblumenfläche blüht eben nicht das ganze Jahr hindurch. Die Initiative „Zusammen Vielfalt schaffen“ wirbt um Akzeptanz für die Zeit, wenn nichts mehr blüht.

Von Mareike Stratmannund

Im Augenblick blüht es überall im Ort (von links oben im Uhrzeigersinn) am Kreisverkehr im Ortskern, an Waldseestraße, Königsbrücke Foto: Dietlind Ellerich

Jetzt, da Kornblumen, Malven, Margeriten und Mohn blühen, erfreuen sich viele an der Blütenpracht, die an verschiedenen Stellen im Ort für bunte Farbtupfer sorgt. Gleichzeitig ist der Tisch für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. in solchen Wildblumenbeeten reich gedeckt. Es ist die perfekte Kombination aus Naturschutz und Ästhetik. Und vor allem: ein gelungenes Beispiel für die Förderung der biologischen Vielfalt.

Aber eine Wildblumenfläche blüht eben nicht das ganze Jahr hindurch. Manche Pflanzen breiten sich auch über das angedachte Areal hinaus aus. Andere haben Probleme mit der Trockenheit, stocken im Wachstum, setzen sich nicht durch. Kurzum: Die Flächen sehen nicht immer so farbenfroh aus wie im Sommer. Und das, berichtet Bauamtsleiter Tim Lutterbei, habe in der Vergangenheit immer mal wieder zu Beschwerden von Bürgern geführt.

Silke Groenewold und Sandra Blumenthal-Balsbering werben für Akzeptanz. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Hungerberg haben sie die Initiative „Zusammen Vielfalt schaffen“ gegründet und setzen sich vor Ort für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt ein. Entsprechend machen sie sich dafür stark, was der Rat der Gemeinde im Jahr 2018 vor dem Hintergrund des Artensterbens beschlossen hat: Eine Reihe von Verkehrsinseln umzugestalten und dort regionales Saatgut auszubringen und die Entwicklung der Pflanzen über Jahre hinweg zu beobachten. Zudem ist die Entwicklung solcher Flächen wie an den Kreisverkehren im Ort oder Richtung Kattenvenne, den Straßen Zur Königsbrücke, Waldseestraße oder Gausebreede von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Das wären der Aussaatzeitpunkt, die Zusammensetzung des verwendeten Saatguts, die Boden- und natürlich auch Witterungsverhältnisse.

Selbst wenn diese Areale bisweilen als wild und ungepflegt wahrgenommen werden, handelt es sich doch um „ökologisch wertvolle Flächen“, wie Silke Groenewold betont. „Vielen ist nicht bewusst, wie bedeutend diese Flächen aus naturschutzfachlicher Sicht sind – gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Versiegelung vieler Flächen, der Gestaltung vieler Gärten mit Schotter ohne oder allenfalls mit monotonem Pflanzenbewuchs.“ Sandra Blumenthal-Balsbering ergänzt: „Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangeht und etwas Wildnis wagt.“

Damit -die Bürger und Besucher des Ortes solche Maßnahmen besser einordnen und im besten Fall wertschätzen können, überlegt die Initiative, an jedem Standort Schilder mit der Aufschrift „Insektenbar“ sowie kurzer Erklärung aufzustellen.

Auch die Ladberger könnten aktiv werden, werben Silke Groenewold und Sandra Blumenthal-Balsbering. Da die Ressourcen des Bauhofes ihrer Meinung nach nicht ausreichen, um sämtliche Beete der Gemeinde mit einem „ordentlichen Rahmen“ zu versehen, das heißt beispielsweise sämtliche Wildkräuter aus den Fugen der Randsteine zu beseitigen und bei langanhaltender Trockenheit nicht alle Flächen ausreichend gewässert werden können, sinnen sie über Patenschaften nach, wie es sie in anderen Städten gibt und bei denen sich Anlieger um die Pflege solcher Areale kümmern.

Silke Groenewold beispielsweise erprobt derzeit selbst gezogene Sämlinge in den Beeten an der Waldseestraße, Sandra Blumenthal-Balsbering pflegt gemeinsam mit Nachbarn eine Baumscheibe in ihrer Siedlung. Wichtig ist beiden, dass etwaige Flächen, entsprechend dem Leitbild der Gemeinde, einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten, gestaltet werden. Auf Nachfrage der WN im Bauamt zeigt sich Tim Lutterbei aufgeschlossen. Er und seine Kollegen stehen in regem Kontakt mit der Initiative und fungieren als Ansprechpartner für Interessenten. Auf dass es in Zukunft womöglich an noch mehr Stellen im Ort blüht wie aktuell.

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