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Unwetter-Bilanz: Es gibt Sachschäden, Personen werden nicht verletzt

Feuerwehren im Dauereinsatz

Lengerich/Ladbergen/Lienen/Tecklenburg

Über 180 Einsätze hat der Orkan „Zeynep“ für die Feuerwehren in Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg nach sich gezogen. Die gute Nachricht: Es blieb bei Sachschäden, Personen wurden keine bei dem Unwetter verletzt.

Von Dietlind Ellerich und Paul Meyer zu Brickwedde

Von einer großen Eiche begraben wurde dieser Transporter samt Anhänger in Lengerich-Vortlage. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es ist die wohl beste und wichtigste Nachricht: „Zeynep“ hat in Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg zwar einige Sachschäden verursacht, Menschen, so die Bilanz der Einsatzkräfte, sind indes keine in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie stark der Orkan wütete, zeigt ein Blick zum FMO: Dort wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 122 Stundenkilometer gemessen.

Die Unwetter-Bilanz der Freiwilligen Feuerwehr Lengerich fällt beachtlich aus: Seit Freitag, 16 Uhr, gab es bis Samstag, 12 Uhr, über 80 Einsatzmeldungen. Vor allem galt es umgestürzte Bäume von Straßen zu entfernen. Darüber hinaus wurden die Einsatzkräfte unter anderem am Freitag zur Tedi-Filiale in die Innenstadt gerufen. Ein etwa 150 Quadratmeter großes Stück des Flachdachs hatte sich gelöst und war umgeklappt. Nach Angaben von Feuerwehrchef Thorsten Budzinski drohte es herabzustürzen. Da es bei den starken Winden zunächst nicht möglich gewesen sei, Einzelteile zu lösen und abzutragen, wurde der gesamte Bereich weiträumig abgesperrt. Zuvor war das Geschäft bereits geschlossen worden.

Das Geschehen rief sogar „Bild TV“ auf den Plan. Ein Team wurde ins Lengericher Zentrum geschickt; Feuerwehrchef Thorsten Budzinski stand im Interview Rede und Antwort.

Bei einem Einsatz auf dem Südring – dort musste ein umgestürzter Baum entfernt werden – stürzte ein weiterer Baum auf ein Fahrzeug der Feuerwehr. Wie Thorsten Budzinski weiter berichtete, entstand geringer Sachschaden. Verletzt worden sei niemand.

Im Süden von Lengerich begrub am Freitagabend ein Baum einen Transporter samt Anhänger unter sich. Wie die Bewohner gegenüber den WN erzählten, ist das Fahrzeug ein Totalschaden. Zudem wurde auch noch ein Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Gegen 20.15 Uhr habe es am Freitag ein dumpfes Geräusch gegeben, der Anblick der großen Eiche, die „Zeynep“ entwurzelt hatte, sei „ein Schock in der Abendstunde“ gewesen, so die Lengericher, die am Samstag gleichwohl einen recht gelassenen Eindruck machen. Ändern könne man ja eh nichts, also müsse man mit dem Geschehen eben bestmöglich umgehen, so ihre Einstellung

Die Polizei berichtete derweil von zwei sturmbedingten Verkehrsunfällen auf dem Südring. Um 20 Uhr fuhr ein 30-jähriger Lengericher zwischen der Ladberger und der Ringeler Straße gegen einen gestürzten Baum. Der Fahrer wurde nicht verletzt, den Schaden am Fahrzeug schätzt die Polizei auf 10 000 Euro. Für den Abtransport des Baums musste der Südring gesperrt werden. Lediglich 300 Euro Schaden am Fahrzeug entstanden eineinhalb Stunden zuvor, als ein 39-jähriger Mann aus Bergkamen circa 300 Meter vor der Abfahrt zum Toom-Markt gegen einen auf die Fahrbahn hängenden Baum fuhr.

Lengerichs Feuerwehrchef Thorsten Budzinski konstatierte am Samstag mit Blick auf frühere schwere Unwetter, dass diesmal auffällig gewesen sei, wie viele gesunde Bäume dem Orkan nicht standhalten konnten. Lob verteilte er zum einen an seine Truppe – „es gab einen klasse Zusammenhalt“ –, zum anderen an die Bürger, die mit viel Verständnis auf die Situation reagiert hätten, etwa wenn die Einsatzkräfte erst nach längerer Zeit erschienen oder auch einmal abrücken mussten, weil andernorts größere Dringlichkeit herrschte. Und er hob den Einsatz vieler Landwirte hervor, die immer wieder mit Treckern geholfen hätten, Straßen freizuräumen.

37 Einsätze hatte die Freiwillige Feuerwehr Ladbergen in der Nacht zu Samstag. Orkantief „Zeynep“ ließ viele Bäume auf die Straßen stürzen. Personen seien glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, sagte Wehrführer Andreas Keuer auf Nachfrage. Die gute Vorbereitung habe sich bezahlt gemacht, seit Freitagnachmittag sei das Gerätehaus an der Lengericher Straße besetzt gewesen. Insgesamt seien knapp 30 Kameraden sowie alle fünf Fahrzeuge im Einsatz gewesen. Zwei Drittel der Kameraden war bis Mitternacht im Gerätehaus beziehungsweise im Einsatz gewesen, die restlichen zehn Männer übernahmen den Dienst bis Samstagfrüh um 2 Uhr.

An drei Einsatzstellen mussten die Wehrleute in der Nacht die Straßen sperren. Zu groß sei das Risiko gewesen, selber zu Schaden zu kommen, begründete Keuer, warum dort nicht während des Orkans in der Nacht geräumt wurde. Ab Samstagmorgen war die Wehr erneut im Einsatz, um die restlichen Arbeiten zu erledigen.

Keuer war voll des Lobes über die Truppe mit Männern zwischen 18 und knapp 60 Jahren, die alle super mitgezogen hätten und ruhig und besonnen bei der Sache gewesen seien. Ein Dankeschön geht auch an Friedhelms Truckstop, der die Truppe um 18 Uhr kostenlos mit Essen versorgt hatte, sowie an das Team des Ladberger DRK-Ortsvereins, das die Verpflegung der Männer am späten Abend übernommen hatte.

Das Fazit einer arbeitsreichen Nacht zog auch Eckhard Ehmann, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lienen. „Zeynep“ habe die Löschzüge Lienen und Kattenvenne die ganze Nacht über gut beschäftigt. Rund 50 Kameraden und Kameradinnen seien seit Freitagnachmittag an fast 30 Stellen im Einsatz gewesen. Zum größten Teil hätten umgestürzte Bäume und Äste die Straßen versperrt, aber auch lose Fassadenteile an Gebäuden oder heruntergestürzte Dacheindeckungen hätten gesichert oder beseitigt werden müssen, fasste Ehmann das Geschehen der Nacht zusammen. Der Bauhof habe Hilfestellung geleistet und vorsorglich Straßen abgesperrt. Dies war unter anderem am Vosshaarweg der Fall. Dort drohten mehrere Bäume umzustürzen.

In Kattenvenne hätten umstürzende Bäume eine Stromleitung abgerissen. „Da sprühten noch die Funken“, erinnerte sich Ehmann. Die Anwohner seien gewarnt, der Stromversorger sei informiert worden. Eineinhalb bis zwei Stunden sei die Stromversorgung in dem Bereich unterbrochen gewesen, wusste der Wehrleiter.

Von einem Verkehrsunfall in Lienen infolge des Orkans berichtete die Polizeiwache in Lengerich. Am Freitag um 18.30 Uhr gelang es einem 58-jährigen Tecklenburger an der Kreuzung Hohner Straße/Am Bullerbach mit seinem Pkw nicht mehr, einem auf die Straße gestürzten Baum auszuweichen. Durch die Kollision kam es zu einem Sachschaden von rund 1500 Euro.

Thomas Sundermann, Leiter der Tecklenburger Feuerwehr, sagte, dass bis Samstagmittag in den vier Ortsteilen insgesamt über 30 Orkaneinsätze absolviert werden mussten. Wie andernorts auch, räumten die Einsatzkräfte vor allem Bäume von Straßen. Seinen Worten zufolge ging das Unwetter für die Insassen eines Pkw auf der Osnabrücker Straße gerade noch glimpflich ab, ihr Auto sei von einem stürzenden Baum „nur“ gestreift worden. Kritik äußerte Sundermann an Ausflüglern, die am Samstag bereits wieder in Wäldern unterwegs waren, und an Autofahrern, die Absperrungen der Feuerwehr umfuhren und sich seinen Worten zufolge damit ebenfalls in erhebliche Gefahr gebracht hätten.

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