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Nitrat im Trinkwasser: Umweltminister und Landwirte sind verschiedener Ansicht

Ist alles gar nicht so schlimm ?

Ladbergen / Teckl...

Umweltminister Johannes Remmel will die Düngeverordnung verschärfen. Er bemängelt unter anderem hohe Nitratwerte im Trinkwasser. Der Ladberger Ortslandwirt Jochen Stiepermann sieht in den Aussagen des Politikers viel Polemik. WTL-Geschäftsführer Johann Knipper sieht zurzeit keinen Grund zur Beunruhigung, schaut aber skeptisch in die Zukunft.

Sigmar Teuber

Umweltminister Johannes Remmel will die bundesweite Düngeverordnung verschärfen. Im Münsterland falle mehr Gülle an als auf die Äcker passe, ließ er verlauten. Das sei die Ursache für hohe Nitratwerte im Grundwasser. Nur mit hohem Aufwand könne die Trinkwasser-Qualität gewährleistet werden.

Zur Nitrat-Belastung des Grund- und Trinkwasser gibt es durchaus unterschiedliche Aussagen. So hatten Mitarbeiter des VSR-Gewässerschutz e.V. Ende 2013 zum Beispiel in einem Brunnen in Lienen eine Konzentration von 120 Milligramm pro Liter gemessen. In einem Fünftel der analysierten Proben aus 55 privaten Brunnen habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm pro Liter gelegen. Johannes Remmel macht zu einem großen Teil das Ausbringen von Gülle oder Gärresten aus Biogasanlagen dafür verantwortlich.

Politiker-Polemik sei das, glaubt der Ladberger Ortslandwirt Jochen Stiepermann. Zwar existierten Karten zum Beispiel des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, aus denen hervorgehe, dass die Nitrat-Belastung an Grundwassermessstellen in den Kreisen Steinfurt, Borken und Coesfeld größer sei als in Gesamt-NRW. „Da ist viel Rot zu sehen und es sieht dramatisch aus“. Diese zeigten aber ein falsches Bild, ist sich der Fachmann sicher. „An der Mehrzahl der Messstellen ist noch alles im grünen Bereich“, behauptet er.

Eine Reform der Düngeverordnung, wie Remmes sie fordert, hält Jochen Stiepermann nicht für notwendig. „Gülle ist kein Abfall, sondern ein hochwertiger Dünger“, sagt er. Für die Ausbringung existierten strenge Vorgaben. „Landwirte müssen genau nachweisen, wann sie wo wie viel Gülle auf die Felder sprühen. Halten sie sich nicht an die Vorgaben, drohen ihnen hohe Strafen“, so der Ortslandwirt.

Ladberger Bauern arbeiteten eng mit dem Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) in Ibbenbüren zusammen, der über die Trinkwasserqualität wache, so Stiepermann. „Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Ladberger Landwirt die Vorgaben überschritten hätte. Wir müssen unsere Gülle nicht in andere Landesteile exportieren und nehmen auch keine Gülle von niederländischen Betrieben auf, die sie auf die eigenen Felder nicht mehr aufbringen dürfen.“

Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, ist sich sicher, dass es in NRW „nur wenige Brunnen gibt, in denen der Nitratgehalt zu hoch ist. Zwar kenne er nicht die Werte für das Tecklenburger Land. Er sei aber davon überzeugt, dass die Fachleute des WTL ein strenges Auge auf die Qualität des Trinkwassers hätten und Alarm schlagen würden, sollte etwas nicht stimmen.

Wie WTL-Geschäftsführer Johann Knipper auf Nachfrage der WN berichtet, stammt das Trinkwasser für Ladbergen und Lengerich aus dem Schollbruch, einem Brunnen im Teutoburger Wald. „Weil es dort keine Landwirtschaft gibt, liegen die Nitratwerte konstant unter einem Milligramm pro Liter Wasser“, freut er sich. In einem Brunnen für Brochterbeck seien Werte von 20 bis 25 Milligramm gemessen worden. „Aktuell müssen wir uns keine Sorgen machen“, sagt der Fachmann.

Da der Einsatz von „Energiepflanzen“ zum Beispiel für Biogas-Anlagen zunehme, müsse man sich allerdings fragen, wie es um die Zukunft bestellt sei, so der Fachmann weiter. „Wichtig ist es da unter anderem, dass die Landwirte vor Ort sich an die Bestimmungen zum Gewässerschutz halten.“

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