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Altkleidersammlung mit Containern

Karitativer Wertstoff oder Plastikmüll?

Ladbergen/Lienen

Knapp 20 Altkleider-Sammelcontainer findet man in Ladbergen und Lienen, aufgestellt vom Deutschen Roten Kreuz und einem privaten Betreiber. Damit lässt sich Geld verdienen, aber es wird immer weniger. Nicht zuletzt ist die immer schlechtere Qualität der Kleidung ein Grund dafür.

Von Mareike Stratmann und Peter Beckmann

An der Ecke Kattenvenner Straße/Auf Stieneckers in Ladbergen haben sowohl das DRK als auch ein kommerzieller Anbieter aus Greven ihre Altkleider-Container platziert. Das Geschäft mit den Textilien scheint (noch) zu lohnen. Foto: Birga Jelinek

Gute Vorsätze zum Start ins neue Jahr haben sicherlich viele gefasst. Mehr Sport treiben, sich gesünder ernähren, das Rauchen ad acta legen – oder auch ganz banal: endlich mal wieder den Kleiderschrank entrümpeln. Nur wohin mit den alten Pullovern oder zu klein gewordenen Jeans? In vielen Fällen landen sie in einem der Altkleider-Container, die vielerorts aufgestellt sind. In Ladbergen sind es auf öffentlichen Flächen neun, sie gehören dem Deutschen Roten Kreuz sowie einem kommerziellen Anbieter aus Greven. Drei weitere kommen auf privatem Grund noch hinzu. In Lienen betreibt das DRK alle sechs derartigen Container.

Ein gutes Geschäft?

Da möchte man meinen: Es muss ein gutes Geschäft sein. Da spricht die Anzahl der Altkleider-Sammelcontainer eine deutliche Sprache. Zumal weitere Container zurzeit auch gar nicht genehmigt würden, weil ausreichend Standorte versorgt und vor allem keine weiteren öffentlichen Flächen vorhanden seien, wie Ingrid Kuhn und Thorsten Giese aus den Gemeindeverwaltungen in Ladbergen und Lienen unisono erklären.

Was mit der gesammelten Ware passiert

Doch was passiert eigentlich mit der gesammelten Ware? „Die Art der Verwendung ist bei allen Beteiligten gleich“, behauptet der Grevener Unternehmer, der neben seinen vier Containern in Ladbergen unter anderem 20 weitere in Greven aufgestellt hat, aber mit Namen nicht genannt werden möchte. „Grundsätzlich gehen die gesammelten Textilien und Schuhe in einen Sortierbetrieb, der die Textilien dann weiter verteilt.“ Er selber lege Wert darauf, dass der Betrieb, mit dem er zusammenarbeite, zertifiziert sei.

Auf der Homepage des DRK-Kreisverbands heißt es dazu: „Während ursprünglich die Kleidungsstücke ausschließlich über Kleiderkammern wieder an Bedürftige ausgegeben wurden, ist in den letzten Jahrzehnten der Anteil an Textilien, die wir zur Rohstoffverwertung weiterverkaufen, ständig gestiegen. Grund dafür sind zum einen die gestiegenen Kleiderspenden und zum anderen der im Vergleich zur Nachkriegszeit deutlich geringere Bedarf der Kleiderkammern.“

Da die Sammlung von aussortierten Textilien aber ein traditioneller Arbeitsbereich des DRK sei, die Erträge der Verkäufe der sozialen Arbeit zugute kämen und die Verwertung der Kleidungsstücke ökologisch erfolge, „haben unsere Sammlungen weiterhin eine wichtige Funktion“, schreibt das DRK. So sei die Sammlung unter dem Motto „Gutes tun – für Bedürftige und die Umwelt“ zusammengefasst.

Kritik

Der private Sammler gibt die gesammelten Altkleider komplett an professionelle Textilvermarkter weiter. Diese verschicken ganz viel Ware nach Afrika. Natürlich nicht umsonst. Kritiker sagen, dass durch die Unmengen an Alt-Textilien die dortige heimische Textilindustrie ruiniert wird, oder gar nicht erst entstehen kann. Einige afrikanische Länder verboten 2016 den Import von Secondhand-Kleidung aus Europa und den USA, darunter Nigeria, Äthiopien und Südafrika. Der größte Altkleider-Exporteur der Welt, die USA, drohte mit Handelskrieg, und die afrikanischen Staaten knickten ein.

Kleidung als Wegwerf-Produkt

Bleibt ein weiteres Problem: die Qualität der Kleidung. Die scheint inzwischen immer schlechter zu werden, wie auch der Grevener Unternehmer festgestellt hat. „Der Preisverfall in der Modebranche ist massiv, dadurch ist Kleidung inzwischen ein Wegwerf-Produkt mit schlechter Qualität geworden.“ Was wiederum den Ertrag der Verwerter der Altkleider schmälert. Und: Die Altkleiderbranche erstickt nach eigenen Angaben im Textilmüll. Die Preise sind in den vergangenen Jahren Jahren nicht zuletzt deswegen um durchschnittlich 20 Prozent gefallen, heißt es beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.

Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth

60 Prozent der Kleidung besteht laut Angaben von Greenpeace inzwischen aus der erdölbasierten Kunstfaser Polyester. Und Polyester würde oft mit Naturmaterialien gemischt, wodurch die Stoffe kaum recyclingfähig seien. „Das ist eigentlich Sondermüll, Stoffgemische wie in einem Tetrapack. Das ist Plastikmüll, den wir tragen“, erklärt die Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth in einer Reportage des WDR. Ein großes Problem, denn ab 2025 greift die neue Kreislaufwirtschaftsrichtlinie der EU und verpflichtet alle Länder zur getrennten Sammlung von Textilien.

Altkleider-Container als wilde Müllhalden

Zuletzt: Viele Altkleider-Container werden von manchen Zeitgenossen gar als Müllbehältnis missbraucht. „Wir haben schon Hausmüll, Sperrmüll und sogar Bauschutt aus den Containern heraus geholt“, erzählt der Grevener Unternehmer. Und auch die Bauhof-Mitarbeiter kennen das Umfeld der Altkleider-Container als wilde Müllhalden. „Anfang der Woche erst haben die Mitarbeiter dort wieder eine Pritsche voller Schrott weggeholt“, berichtet Ingrid Kuhn aus dem Ladberger Bauamt.

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