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Neuer Anwohner empört mit Fallaktionen die Nachbarschaft

Kleinholz im Waldviertel

Ladbergen

Die Aufregung in der Nachbarschaft war groß, als vor Kurzem etliche große Bäume auf einem Grundstück an der Breedenstraße der Motorsäge zum Opfer fielen. Darunter soll auch, so berichtet eine Anwohnerin im Gespräch mit der WN-Redaktion, eine 200 Jahre alte Eiche gewesen sein.

Von Michael Bahrund

Für das Fällen von Bäumen und Hecken gelten strenge Regeln. Im Waldviertel hat ein neuer Anwohner mitten im Sommer auf seinem Grundstück Tabula rasa gemacht und nach Aussage seiner erzürnten Nachbarn um die 15 Bäume gefällt und nahezu sämtliches Strauchwerk entfernt. Foto: Tobias Hase

Die Aufregung in der Nachbarschaft war groß, als vor Kurzem etliche große Bäume auf einem Grundstück an der Breedenstraße der Motorsäge zum Opfer fielen. Darunter soll auch, so berichtet eine Anwohnerin im Gespräch mit der WN-Redaktion, eine 200 Jahre alte Eiche gewesen sein.

Die Bäume – Eichen, Buchen und Kiefern – seien doch ein wichtiger Faktor zur CO2-Bindung, für ein besseres Mikroklima und würden zahlreichen Insekten einen Lebensraum bieten. Faktoren, die aus Sicht einer Nachbarin gegen das Fällen der Bäume sprechen. Zudem fragt sie sich, ob denn jeder nach Gutdünken bei großen Bäumen auf seinem Grundstück die Axt anlegen dürfe.

Die Grundstückseigentümer hätten ihr gesagt, dass im Herbst anfallende Laub würde sie stören und deshalb seien die Bäume gefällt worden, berichtet die Frau weiter. Versuche der WN-Redaktion, mit dem Grundstückseigentümer in Kontakt zu treten, wurden von diesem zurückgewiesen.

Eine Baumschutzsatzung hätte möglicherweise die Fäll-Aktion verhindern können. Doch in Ladbergen gibt es keine entsprechende Verordnung. Damit kommt die untere Naturschutzbehörde, die beim Kreis Steinfurt angesiedelt ist, ins Spiel. Die teilt auf Nachfrage der Westfälischen Nachrichten mit, dass die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen bei Gehölzarbeiten vor allem im Rahmen von Genehmigungsverfahren für angezeigte Gehölzarbeiten geprüft wird.

Eine „Nachverfolgung von möglichen Verstößen auf der Grundlage von Hinweisen, Meldungen und Zufallsfunden“ fällt ebenfalls in die Zuständigkeit der unteren Naturschutzbehörde – wenn es, wie in Ladbergen, keine Baumschutzsatzung gibt.

Bezüglich der an der Breedenstraße gefällten Bäume teilt die Behörde mit, dass der vorliegende Sachverhalt geprüft und gegebenenfalls ein ordnungsbehördliches Verfahren eingeleitet werde. Gegenüber der Redaktion verweist die untere Naturschutzbehörde auf teilweise zeitliche Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Beseitigen oder Einkürzen von Bäumen, Sträuchern, Hecken und Gebüschen: „Insbesondere für strauchartig wachsende Gehölze und Hecken gilt im Zeitraum vom 1. März bis 30. September ein befristetes Fäll- beziehungsweise Beseitigungsverbot. Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses sind grundsätzlich erlaubt, wobei jedoch Rücksicht auf brütende Vögel genommen werden muss.“

Gerade diese Rücksicht, finden einige Nachbarn, sei nicht genommen worden. Denn die Rodung der Hecken auf dem Grundstück sei zur Zeit der zweiten Vogelbrut vorgenommen worden. Darin sehen sie einen Verstoß gegen die Schutzbestimmungen im Bundesnaturschutzgesetz. Diese haben zum Ziel, den Naturhaushalt und seine Leistungs- und Funktionsfähigkeit zu sichern und die biologische Vielfalt zu erhalten. So schreibt es auch die untere Naturschutzbehörde, die zudem auf ihre jährliche Pressemitteilung verweist, in der ausdrücklich auf die Verbote hingewiesen werde.

Bei Verstößen gegen die Bestimmungen drohen „dem Verursacher empfindliche Bußgelder oder gar Strafen“, heißt es in der Stellungnahme gegenüber den Westfälischen Nachrichten. Was darunter zu verstehen ist, geht aus einer Übersicht der Behörde hervor: Ein Verstoß gegen die Schonzeit wird mit bis zu 10 000 Euro geahndet. Bei einem fahrlässigen Verstoß gegen den besonderen Artenschutz und streng geschützten Arten drohen bis zu 50 000 Euro Bußgeld. Ein vorsätzlicher Verstoß gegen streng geschützte Arten wird als Straftat bewertet, es drohen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Ein vorsätzlicher Verstoß bei Töten oder Zerstören von Entwicklungsformen besonders geschützter Arten nach der Vogelschutzrichtline wird als Straftat mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet.

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