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Vereine Overbeck und Hölter liefern sich Scharmützel

Krieg und Frieden bei den Schützen

Ladbergen

So ein Scheibenhängen kann eine schwierige Angelegenheit sein. Immer dann, wenn ein Schützenkönig auf dem Gebiet eines anderen Vereins wohnt. So lieferten sich jetzt auch die Overbecker und die Hölter ein (nicht ernst gemeintes) Scharmützel um den Grenzübertritt.

Anne Reinker

Schützen im Kriegszustand: Zum Glück waren die Grenzstreitigkeiten der Hölter und Overbecker nicht so ernst gemeint, wie es schien. Foto: Anne Reinker

„Stopp“. „Durchfahrt verboten“. „Vorfahrt achten“. – So richtig entscheiden konnten sich die Höter Schützen wohl nicht, wie sie den Verkehr auf ihrem Hoheitsgebiet regeln sollten. Vorsichtshalber hatten sie sich von der Gemeinde gleich mehrere Verkehrszeichen ausgeliehen. Dazu ein festes Band, das – vor den Schildern aufgespannt – ein Durchkommen eigentlich völlig unmöglich machte. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hatten sie auch noch eine Kanone an der Grenze installiert.

Der Aufwand hatte natürlich Methode. Er zeigte, dass ein Höhepunkt im Schützenjahr erreicht war: das Scheibenhängen, das wohl für jeden Schützenkönig ein Highlight während seiner Regentschaft ist. Zu diesem Anlass hatten die Hölter diesmal besonderen Aufwand getrieben.

Gleich einem Pokal wird die Schützenscheibe als Anerkennung wie auch spätere Erinnerung am Wohnhaus des jeweiligen Regenten angebracht. Dies geschieht natürlich nicht ohne Feier. Nun lebt dieser König aber im Gebiet eines anderen Schützenvereins. Auf dem Weg zu Klaus Buddemeier, dem amtierenden Regenten der Overbecker Schützen und wohnhaft in der Erpenbecker Siedlung, mussten die Vereinsmitglieder die Grenze zu den Hölter Schützen überqueren. Das ging nicht ohne einen kleinen Krieg ab.

Klaus Buddemeier dürfte einige Zeit gewartet haben. Bevor der Vorsitzende seine Schützenbrüder zu Hause begrüßen konnte, mussten Verhandlungen für die Grenzüberschreitung geführt werden. Das Böllern von Kanonen und Raketen kündete davon, dass sich die Hölter nicht so leicht geschlagen geben würden.

Die Verkehrsschilder und das feste Band hielten die Overbecker zunächst auf. Kanonier Friedhelm Stockdieck an der Gaskanone, Schützenkönigin Claudia Winter und Oberst Kurt Haarlammert verstärkten die Abwehr. Mehr als 60 Vereinsmitgliedern der Hölter Schützen standen wie eine Wand hinter der Barriere. „Das ist schon immer ein kleiner Wettstreit“, erzählte Kurt Haarlammert. Die Anzahl der jeweils beteiligten Schützen werde verglichen.

Angetreten waren die Overbecker auf dem Hof Kattmann. Da schon vorher klar war, dass sie auf dem Weg zum König Buddemeier mit Grenzstreitigkeiten zu rechnen hatten, kam der Verein nicht nur in Begleitung des Spielmannszuges Westladbergen daher. Die Männer führten auch die Rakete „Hannibal“ mit. Doch nachdem der Kanonendonner verklungen war, verliefen die Grenzverhandlungen dann vergleichsweise friedlich.

Heinz Kemper und Dieter Ottehennig beantragten offiziell den Übergang in den nachbarschaftlichen Bereich. Es wurde zwischen beiden Parteien lustig diskutiert, bis mit einer Urkunde die einmalige Überschreitung erlaubt wurde. Der ausgehandelte Wegezoll in flüssiger Form kam am Abend auf den Tisch. Da feierten dann die Schützen beider Vereine zusammen.

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