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Kulturkirche: Lateinamerika im Fokus

Mit Musik und viel Leidenschaft

Ladbergen

„Die Welt im Zenit“ hieß das Programm, das am Freitagabend in der Kulturkirche geboten wurden. Zum einen gab es Musik von Aníbal Civilotti und Fernando Dias Costa, zum anderen Informationen über den Kampf indigener Einwohner Ecuadors für den Erhalt und Schutz ihrer Heimat.

Von Brigitte Striehn

Aníbal Civilotti (li.), Fernando Dias Costa und Riccarda Flemmer gestalteten vor Ort ein beeindruckendes Programm für Herz und Verstand.

Leidenschaftliche Interpretationen lateinamerikanischer Klangwelten und eine kämpferische Stimme der indigenen Kichwa Gemeinde Sarayaku aus Ecuador prägen das Programm „Die Welt im Zenit“. In der Kulturkirche St. Christophorus Ladbergen traten am Freitagabend Aníbal Civilotti aus Argentinien (Gitarre, Gesang) und Fernando Dias Costa aus Portugal (Percussion, Gesang) auf. Sie gehören zum Ensemble „Grupo Sal“, das seit nunmehr 40 Jahren als eine kraftvolle Stimme Lateinamerikas gilt.

Über Video aus der Stadt Puyo zugeschaltet war Patricia Gualinga, die ehemalige Sprecherin der indigenen Kichwa-Gemeinde Sarayaku. Als Moderatorin und Übersetzerin begleitete Dr. Riccarda Flemmer den Abend. Aktueller Forschungsschwerpunkt der Juniorprofessorin an der Universität Tübingen sind die „Politischen Kämpfe im globalen Süden“.

Alexander Fenker vom Team der Kulturkirche und Hans-Michael Hürter, Seelsorger in der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen, begrüßten die Gäste. „Die Sorge um das gemeinsame Haus treibt uns alle um“, stellte Hürter fest. Er bezeichnete die derzeitige Lebensweise der Menschheit als „selbstmörderisch“ und die globale Erwärmung als eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit.

Die „Grupo Sal“ bringt in ihrer Musik das Lebensgefühl von Menschen aus Lateinamerika und von der Iberischen Halbinsel authentisch zum Ausdruck. Liebe, Glück, Alltagspoesie, Trauer oder Wut über Ungerechtigkeiten sind ihre Themen. In fröhlichen Liedern wie „Camina y Ven“ aus Kuba erzählen sie von der Schönheit der Natur. Sehnsuchtsvolle Balladen vermittelten den Zuhörern das Gefühl, die besungenen Regionen ein wenig besser zu verstehen. Die Eigenkomposition „Lisboa“ war eine Referenz an das Heimatland von Fernando Dias Costa. Die Musiker schlugen Brücken zwischen Ländern und Menschen auf der Erde, die heute stärker gefährdet ist als jemals zuvor.

Über die Abholzung von Regenwäldern informierte Riccarda Flemmer im Gespräch mit Patricia Gualinga. Die indigenen Bewohner der Gemeinde Sarayaku mitten im Amazonas-Regenwald haben durch ihren langjährigen Kampf gegen die Erdölförderung in dem ihnen gehörenden Gebiet und damit verbundene Umweltzerstörungen große Bekanntheit erlangt. Die Regierung verstärkt jedoch weiterhin Anstrengungen zur Vergabe von Förderlizenzen für Erdöl und andere Rohstoffe.

Von diesem „extraktivistischen Wirtschaftsmodell“ sei vor allem Besitz indigener Völker betroffen, so Gualinga. Der Widerstand gegen diese Machenschaften ist gefährlich, die Machthaber gehen nicht selten mit Gewalt gegen die Protestierenden vor. Ihre Hoffnung sei die Jugend, sagte die Aktivistin.

Dabei agieren die Angehörigen der Kichwa (Quechua) keineswegs realitätsfern. Sie nutzen zur Erreichung ihrer Ziele das Internet und vernetzen sich darüber weltweit. Um den Bau einer Straße zu verhindern, gründeten sie eine eigene Fluglinie. Auf Klimakonferenzen verfechten sie ihre Ansichten und verschaffen sich Gehör für die Rechte indigener Völker gegen die Macht internationaler Konzerne, die ihre Entscheidungen an Schreibtischen treffen.

Die Botschaft Patricia Gualingas kam in Ladbergen an. Über langen Beifall freuten sich auch Aníbal Civilotti und Fernando Dias Costa, die den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne mit wunderbaren Klängen bereichert hatten.

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