Bund würde die Kosten zu 90 Prozent tragen

Neue Radwege an den Kanälen

Ladbergen/Tecklen...

Wenn Kreis- und Kommunalpolitik zustimmen, soll in den nächsten Jahren nah am Wasser des Mittelland- und des Dortmund-Ems-Kanals ein top-ausgebauter Radweg entstehen. Nicht nur für touristische Fahrten, sondern ausdrücklich auch für Berufspendler.

Von Henning Meyer-Veer

Aus den Sand- und Schotterwegen entlang der beiden Kanäle soll eine drei Meter breite asphaltierte Piste werden. Foto: Birga Jelinek/dpa

Der Clou: 90 Prozent der Kosten trägt der Bund durch ein Förderprogramm, den Rest – so schlägt der Kreis vor – will er sich mit den Kommunen teilen. „Da machen wir halbe-halbe“, so Carsten Rehers, Baudezernent des Kreises Steinfurt..

Die Gelegenheit ist offenbar günstig, denn nicht nur, dass der Bund im großen Stil fördert, ihm gehört über die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung auch der Boden, auf dem gebaut werden soll. Auch dort wolle man offenbar etwas für die Verkehrswende tun, mutmaßt Rehers. Für ihn seien die Kanäle ideale Stellen für Radwege. „Es ist dort topfeben und ich habe keine Kreuzungen“ – Querverkehr läuft über Brücken.

Die Pläne des Kreises sehen dabei vor, jeweils auf einer Seite der Kanäle einen Premium-Radweg in drei Meter Breite zu asphaltieren. Drei Meter, damit Begegnungsverkehr stattfinden könne. Auf einer Seite, damit nicht ständig über Brücken gewechselt werden müsse.

„Wir als Kreis haben den Städten und Gemeinden angeboten, die Gesamtkoordination für beide Kanäle zu übernehmen“, sagt Rehers. Das wären dann knapp 70 Kilometer Radweg. Teile davon sind schon fertig, wie zum Beispiel zwischen Dörenthe und Riesenbeck. Den Bau des Restes würde der Kreis ebenso übernehmen wie die weitere Unterhaltung (Instandhaltung, Winterdienst). „Das ist unser Angebot.“ Die Zuwegungen zum Kanal sehe man aber eher bei den Gemeinden. Ebenso das Thema Beleuchtung.

Zehn Kommunen betrifft das Projekt. Hörstel, Ibbenbüren, Recke, Mettingen und Westerkappeln am Mittelland-Kanal sowie Tecklenburg, Saerbeck, Ladbergen, Greven und Rheine am DEK. Die Teilung der restlichen zehn Prozent der Kosten sei, so Rehers, „nicht unüblich“. Das mache man bei anderen geförderten Radwegen ebenso.

Die Summe? Grob 15 Millionen kosten die Radwege entlang der beiden Kanäle auf 70 Kilometern, schätzt Rehers. 90 Prozent fördere der Bund. Bliebe ein Anteil von 1,5 Millionen Euro, von denen der Kreis 750 000 Euro übernehmen will. Die restlichen 750 000 Euro würden auf die Kommunen verteilt. Abhängig von der Länge des Radweges. Ein paar Kosten übernehme die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung nicht, Beschilderung und Markierungen zum Beispiel. „Grob gilt 90:10, wahrscheinlich ist es am Ende eher 85:15“, so Rehers zur Kostenteilung zwischen Bund auf der einen, sowie Kreis und Kommunen auf der anderen Seite.

Man verspreche sich nicht nur eine Freizeit-Nutzung der Wege, sondern vor allem durch Berufspendler. „Auch für den Alltagsverkehr sind die Wege ideal“, sagt Rehers. „Das ist die Hauptstoßrichtung.“ So lägen zum Beispiel in Uffeln zahlreiche große Betriebe direkt am Kanal. Da könnte den einen oder anderen Arbeitnehmer ein guter Weg aufs Rad locken.

             „Wir würden in 2021 und 2022 politische Beschlüsse, Planung und das Einwerben von Fördermitteln sehen“, so Rehers. Zwischen 2023 und 2026 soll dann jedes Jahr ein Abschnitt fertiggestellt werden. „Das ist die Idealvorstellung.“ Und die lokale Wirtschaft könnte von Radverkehr am Kanal ebenfalls profitieren, zum Beispiel die Gastronomie. „Am Wochenende ist da schon viel los.“

Am 16. Juni berät der Bauausschuss des Kreises darüber. Der Kreistag folgt wenig später – und dann sind die zehn Anrainerkommunen der beiden Kanäle am Zug. Rehers rechnet fest mit deren Zustimmung. „Ich glaube, dass da keiner ausschert.“ Auch, wenn es aus der Recker Bevölkerung schon kritische Stimmen gab, die eine Rennstrecke befürchten. „Die Alternative ist, dass alle weiter mit dem Auto fahren.“ Da schon Schotterwege vorhanden seien, wäre der Eingriff in die Natur geringer als bei neu anzulegenden Achsen.

Rehers glaubt fest an den Erfolg des Projektes. „Radfahren ist voll im Trend“, sagt er. Und die Wege müssten ja nicht an den Grenzen des Kreises enden. In Münster, Osnabrück und im Emsland gebe es ähnliche Ideen und Projekte. „Und dann macht es ja noch mehr Sinn. Man hätte schon viel früher drauf kommen müssen.“

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