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Preise für Gebrauchtimmobilien ziehen weiter an

Schnäppchen sucht man vergebens

Lienen/Ladbergen

Die Preise für Gebrauchtimmobilien ziehen weiterhin an. Ein Trend, der seit Jahren zu beobachten ist – und zwar nicht nur in Städten, sondern auch ganz konkret in Lienen und Ladbergen. Dazu ist das Angebot übersichtlich, die Nachfrage indes immens.

Von Michael Schwakenberg und Mareike Stratmann

Die Preise bei Gebrauchtimmobilien im Münsterland ziehen weiterhin an. Foto: Matthias Ahlke

Es ist beileibe nicht viel, was in Lienen und Ladbergen derzeit an klassischen Wohnimmobilien auf dem Markt ist. Stöbert man im Internet beim Marktführer Immobilienscout, findet man in Lienen ein zehn Jahre altes Einfamilienhaus für 550 000 Euro und ein fast fertiges Doppelhaus in Kattenvenne für 679 000 Euro. In Ladbergen ist ein in den 90erJahren renovierter Kotten in Kanalnähe für 649 000 Euro zu haben. Kaufnebenkosten in Höhe von zwischen zehn und zwölf Prozent kommen beim Erwerb natürlich noch obendrauf. Alles keine Schnäppchen.

Anfang Februar hat die LBS mit ihrem Immobilienspiegel einen aktuellen Überblick über die Preisentwicklung am Immobilienmarkt gegeben. Ganz klar: Die Kurve geht weiter nach oben. Zu Lienen und Ladbergen finden sich dort keine expliziten Angaben. Vermutlich aufgrund einer zu dünnen Datenlage. Guido Wienand von WKS Immobilien in Ladbergen indes berichtet, dass die Preise für Gebrauchtimmobilien vor Ort „allein im vergangenen Jahr um zehn bis 20 Prozent“ gestiegen sind.

Besonders für junge Familien mit dem Wunsch nach einem Eigenheim ist genau das ein gravierendes Problem. Denn wo so gut wie nichts angeboten wird, bleibt der Traum vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung womöglich auf Jahre unerfüllt. „Außerdem gibt es sehr viel mehr potenzielle Käufer als Angebote“, so Wienand. Auch, weil es aktuell an Geldanlage-Alternativen zur Immobilie fehle, so der Immobilien-Experte.

Ein Problem, das auch den Gemeinden bekannt ist: „Wir verfolgen natürlich auch, was auf den bekannten Plattformen so angeboten wird, und wissen, dass das für Lienen nicht viel ist“, sagt Lienens Bauamtsleiter Nico Königkrämer. Allerdings wird die Verwaltung über sämtliche Immobilienverkäufe informiert, da die Gemeinde immer ein Vorkaufsrecht hat. „Und von daher wissen wir, dass mehr Verkäufe stattfinden, als Immobilien öffentlich angeboten werden“, erläutert Königkrämer. Seine grobe Schätzung: In Lienen und Kattenvenne finden pro Jahr im Schnitt zwischen zehn und 20 Einfamilienhäuser „rein über Mundpropaganda“ einen neuen Eigentümer.

Was Preise betrifft, da kann er sich nur zu den von der Gemeinde angebotenen Grundstücken äußern. Im Gebiet Nördlich Schwarzer Weg habe man pro Quadratmeter voll erschlossenen Baulandes 155 Euro verlangt. Im neuen Gebiet „An der Liene“ am südlichen Lienener Ortsrand werde man damit wohl nicht mehr auskommen. „Die Preise richten sich ja auch nach den Erschließungskosten. Und die sind massiv gestiegen.“ Eine konkrete Prognose, wohin die Reise geht, vermag Königkrämer nicht abzugeben. Was er hingegen schon weiß: „Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.“ Den 40 bis 50 Bauplätzen stünden aktuell 100 Kaufinteressenten gegenüber, die sich bei der Gemeinde registrieren lassen haben.

Zurück zum Gebrauchtimmobilienmarkt: Der ist wie in vielen anderen Regionen auch im Münsterland seit Jahren durch stark steigende Preise geprägt. Das verdeutlichen beim Blick in den LBS-Immobilienspiegel die für die Nachbarkommen ermittelten Zahlen: Ein gebrauchtes Eigenheim kostete 2021 in Greven durchschnittlich 489 000 Euro. Ein Jahr zuvor, also 2020, lag der Durchschnittspreis für ein gebrauchtes Haus in der Emsstadt noch fast 100 000 Euro (!) unter dem jetzigen Niveau: Damals errechnete die LBS 393 500 Euro. Gebrauchte Reihen- und Doppelhäuser kosten aktuell (gemeint ist: 2021) 414 500 Euro im Schnitt. Auch hier gab es einen rasanten Anstieg. 2020 wurden im Schnitt „nur“ 289 000 Euro fällig.

Größte Überraschung bei der Veröffentlichung der LBS-Zahlen vor gut vier Wochen war aber wohl, in welchen Münsterland-Kommunen gebrauchte freistehende Eigenheime aktuell am meisten kosten. An der Spitze lagen Senden mit 785 000 Euro im Durchschnitt und – in direkter Nachbarschaft zu Lienen und Ladbergen – Ostbevern mit 762 500 Euro. In Münster kostet ein solches Haus 749 000 Euro, in Telgte 640 000 Euro und in Saerbeck 522 000 Euro.

Den rasanten Preissprung der vergangenen Jahre verdeutlicht LBS-Gebietsleiter Christof Woltering mit einem Blick in die Zahlen der jüngeren Vergangenheit: Vor rund zehn Jahren konnten Bürger in Greven noch für 3,7 Haushaltseinkommen ein gebrauchtes Eigenheim kaufen, heute sind schon 8,1 ortsübliche Jahresnettoeinkommen erforderlich.

Die derzeit niedrigen Finanzierungszinsen können den Preisanstieg der vergangenen Jahre nur teilweise auffangen. Woltering: „Umso mehr brauchen wir eine verlässliche Wohneigentums-Förderung, damit auch die nächste Generation die Chance auf die eigenen vier Wände hat.“

Zum einen habe die Corona-Pandemie den erhöhten Platzbedarf gerade junger Familien gezeigt. Zum anderen sei die selbstgenutzte Immobilie ein wesentlicher Rentenbaustein, der im Schnitt 600 Euro Mietentlastung bringe, so der Immobilienexperte.

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