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Annika Haarmeier ist die neue Kämmerin der Gemeinde

Seit April jongliert sie mit den Finanzen

Ladbergen

Haushaltsplanung, Umsatzsteuer 2B, Corona-Isolierung, Haushaltsrecht Ukraine: Annika Haarmeier scheint längst angekommen in ihrem neuen Job, derart schnell, wie ihr die Aufzählung der aktuellen Baustellen aus dem Mund sprudelt. Seit dem 1. April ist sie Ladbergens neue Kämmerin. Ja, es sei eine Herausforderung, bekennt sie. Aber eine, der sie sich gerne stellt.

Von Mareike Stratmann

Sie hatte schon immer ein Faible für Zahlen und nicht umsonst ihr Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium in Ibbenbüren gebaut: Annika Haarmeier ist die neue Kämmerin der Gemeinde. Foto: Mareike Stratmann

Annika Haarmeier hat ein schweres Erbe angetreten. Das weiß sie. Immerhin hat sie vor knapp vier Monaten die Verantwortung über die kommunalen Finanzen von Verwaltungs-Urgestein Eckhard Schröer übernommen, der der Politik und Verwaltung die vergangenen 25 Haushalte vorgelegt hatte. Seit dem 1. April ist die 39-Jährige die Chefin über die Zahlen der Gemeinde und verantwortet deren Kämmerei – und das offenkundig mit großer Freude, wie beim Besuch der WN deutlich wird.

Der Schreibtisch ist nach wie vor bestens aufgeräumt, die Akten befinden sich nach bewährtem System in den entsprechenden Schränken. Selbst eine Topfpflanze hat ihr Vorgänger der Ladbergerin da gelassen. Bis auf zwei kleine Fotos von ihrer Familie und einen zusätzlichen Kalender an der Wand scheint alles wie vorher. Und die neue Kämmerin lässt auch keinen Zweifel daran: „Ich werde hier jetzt nicht alles auf links krempeln. Warum auch? Er hat mir ein gut aufgestelltes Haus hinterlassen“, sagt sie über Schröer, dessen Jahresabschlussergebnisse in der Regel immer deutlich besser ausfielen als zuvor prognostiziert.

Jeden Vorgang einmal miterlebt

Er selbst beschrieb seine Berechnungen immer als konservativ. Um in der Endabrechnung keine bösen Überraschungen zu erleben. Das will die neue Kämmerin beibehalten – getreu dem Motto: „Innovativ, wo möglich, konservativ, wo nötig“. Überhaupt hat sich die Ladbergerin über ein Jahr lang vieles von ihrem Vorgänger aneignen können – und manchen Kniff und Trick verraten bekommen, wie sie dankbar erzählt.

Nachdem klar war, dass sie sein Erbe antreten würde – das war im November 2020 der Fall –, hatte die zweifache Mutter ihr Kontingent von 25 auf 40 Wochenstunden erhöht. Mit ihrer bisherigen Stundenzahl blieb sie im Sozialamt, wo sie sich um Wohngeld, Asylleistungen, Sozialhilfe und Co. kümmerte. Mit 15 Stunden schnupperte sie ab Anfang 2021 in den Ein-Mann-Betrieb Kämmerei hinein. „Das war super. Immerhin passiert vieles dort ja auch nur einmal im Jahr. So habe ich jeden Vorgang einmal miterlebt.“

Apropos Sozialamt: Dort fungierte sie nicht nur über Jahre als Vertretung von Sigrid Bücker-Dowidat, dorthin führte sie auch der erste Weg innerhalb der Ladberger Gemeindeverwaltung überhaupt. Das liegt mittlerweile schon fast 20 Jahre zurück. Damals machte Annika Haarmeier beim Land Niedersachsen ihre Ausbildung zur Diplom-Verwaltungsbetriebswirtin. In deren Rahmen musste sie verschiedene Praktika nachweisen – und eines davon absolvierte sie über drei Monate im Sozial- und Ordnungsamt ihres Heimatortes. Im Nachhinein könnte es der Türöffner dafür gewesen sein, dass sie 2005 eben dort anfangen konnte.

„Und jetzt wurde es einfach Zeit sich zu verändern“

„Und jetzt wurde es einfach Zeit sich zu verändern“, sagt sie rückblickend über die Phase, als sie Anfang 2020 darüber nachdachte, sich auf die Stelle in der Kämmerei zu bewerben. Nach vier Monaten und inmitten der Haushaltsplanungen für das Jahr 2023 sagt sie, „dass ich diesen Schritt noch nicht bereut habe. Im Gegenteil, es macht jedes Mal wieder aufs Neue Spaß, wenn die Zahlen aufgehen.“

Haushaltsplanung, Umsatzsteuer 2B, Corona-Isolierung, Haushaltsrecht Ukraine: Annika Haarmeier scheint längst angekommen, derart schnell, wie ihr die Aufzählung der aktuellen Baustellen aus dem Mund sprudelt. Ja, es sei eine Herausforderung, bekennt sie. Eine, der sie sich gerne stelle. Und damit auch der Aufgabe, die ihr die Politik als erstes ins Aufgabenbuch diktiert hat: Die Fraktionen würden den Haushaltsentwurf 2023 nämlich gerne bereits im September vorgelegt bekommen, um ihn im Dezember zu beschließen. Ob das realistisch ist? „Es ist mein absolutes Bestreben“, sagt sie. Verhehlt aber nicht, dass ihr das Land und der Kreis aufgrund bereits als später angekündigter Übermittlungen von Daten zu Schlüsselzuweisungen, Pauschalen und Kreisumlage einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Wie der Haushalt für 2023 aussehen könnte?

Noch möchte die neue Kämmerin darüber lieber keine Auskunft geben: Zu viele Unwägbarkeiten gehen damit einher. Unter anderem auch, wie sich die Gewerbesteuereinnahmen angesichts des Ukraine-Kriegs und steigender Kosten für die Gewerbetreibenden entwickeln. Klar ist aber: Auch sie wird konservativ planen, um dann eine „hoffentlich schwarze Null präsentieren zu können“. Ganz wie ihr Vorgänger – und doch vor allem so, wie Annika Haarmeier ihre Aufgabe versteht.

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