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Angela Wagner-Thiel und Stefan Wagner päppeln vier junge Igel auf

Tierisch was los im Kinderzimmer

Ladbergen

Henry, Richard, Paul und Friedrich teilen sich ein Kinderzimmer im Haus von Stefan Wagner und Angela Wagner-Thiel. Bei dem Quartett handelt es sich um junge Igel, die das Ehepaar aufpäppelt. Denn für den Winterschlaf brauchen Igel ein Gewicht von etwa 700 Gramm.

Von Luca Palsund

Angela Wagner-Thiel und Stefan Wagner mit zwei von vier Igel, die sie derzeit beherbergen. Foto: Luca Pals

Das ehemalige Kinderzimmer der Familie ist seit drei Wochen umfunktioniert. Die Kinder sind längst aus dem Haus. Gut für Henry, Richard, Paul und Friedrich. Denn nun haben sie hier ihren Platz. Die vier sind Igel, die in den vergangenen drei Wochen von Stefan Wagner und Angela Wagner-Thiel gefunden und aufgepäppelt wurden – mit den ersten Erfolgen.

Die Fortschritte lassen sich vor allem beim Gewicht ablesen; für den Winterschlaf brauchen Igel ein Gewicht von etwa 700 Gramm. Der erste tierische Mitbewohner – auf den Namen Friedrich getauft – wurde von Stefan Wagner beim Gassigehen mit den beiden Hunden gefunden, als sich schon Krähen über den Kleinen hermachen wollten. Der Ladberger nahm den Igel mit nach Hause. Auf die Waage brachte er da weniger als 200 Gramm – also viel zu wenig.

Weil es bei Friedrich nicht blieb und drei weitere Igel über Umwege ins Haus der Familie an der Goethestraße einzogen, wurden kurzerhand artgerechte Käfige gekauft, inklusive Futterstellen und Möglichkeiten zum Verkriechen und Übernachten. Einiges davon wurde von Arbeitskollegen oder Nachbarn organisiert. Die versorgen das Ehepaar auch mit Zeitungspapier für den Käfigboden. Einmal am Tag, so Wagner, müssten die Käfige gesäubert und desinfiziert werden, das größte Problem sei aktuell der Müll: „Da kommt schon sehr viel zusammen.“ Aber kein Problem, denn: „Das machen wir unglaublich gerne.“

Es sei schön, erste Fortschritte zu sehen – einer der Igel nähert sich langsam dem Idealgewicht für den Winterschlaf –, und es mache auch Freude, Verantwortung für die stacheligen Vierbeiner zu tragen. Nebeneffekt: „Die ganze Nachbarschaft kommt damit zusammen“, schmunzelt Angela Wagner-Thiel. Über eine Whatsapp-Gruppe der Siedlung werden alle über die Fortschritte auf dem Laufenden gehalten, die Ersatzeltern bekommen im Gegenzug Tipps für die Igel-Haltung. Zu den bislang gesammelten Erfahrungen sagt das Ehepaar: „Man lernt unglaublich viel.“

Stefan Wagner weiß nun unter anderem: „Man sollte Igel nicht im Keller halten, das ist viel zu kalt. Eine Temperatur ab 20 Grad ist ideal, weil die Kleinen sonst zu viel Energie in den eigenen Wärmehaushalt stecken müssen.“ Das störe die Vorbereitung auf den Winterschlaf. Zweiter Hinweis: „Natürlich keine Milch geben. Die Muttermilch von Igeln hat eine ganz andere Konsistenz und daher kann es passieren, dass kleine Igel sterben, wenn sie Milch bekommen.“

Stattdessen bekommen die neuen Mitbewohner hochwertiges Katzenfutter, das mindestens 60 Prozent Fleischanteil haben sollte, so Angela Wagner-Thiel. Außerdem sei es wichtig, den Kot von Igeln auf Krankheiten und Parasiten zu untersuchen. Wach werden die jungen Igel aktuell gegen 18 Uhr, mit einem Rascheln machen sie sich bemerkbar. Stefan Wagner wundert sich trotz der inzwischen gewonnen Erfahrungen immer noch, wie aktiv Igel sein können: „Die großen Käfige sind vor allem deswegen wichtig, weil Igel auf der Nahrungssuche nachts bis zu sechs Kilometer laufen können.“ Das kann die Familie natürlich nicht bieten. Aber wenn sich das Quartett genügend Gewicht angefuttert hat, soll es zumindest schon einmal in einen Käfig in den Garten gehen. Wichtig sei, dass der auch Schutz vor Feinden biete, betont Stefan Wagner.

Gute Beratung erfahren die Ladberger durch die örtliche Tierarztpraxis Schulze-Bladt und die ein oder andere Igelstation. Unter anderem in Warendorf, Ibbenbüren, Paderborn und Stadtlohn waren alle Plätze bereits vergeben. Angela Wagner-Thiel sagt: „Uns wurde erklärt, dass es für dieses starke Aufkommen mehrere Gründe gibt. Unter anderem ist es so, dass die Igel-Mütter in diesem Jahr zu spät geworfen haben, eigentlich passiert das Ende August, dieses Jahr aber vermehrt erst Mitte September. Dann haben die kleinen Igel nicht mehr viel Zeit, um sich für den Winterschlaf vorzubereiten.“

Die vier Igel, die an der Goethestraße ein Zuhause gefunden haben, sollen nach dem Winter ihre eigenen Wege gehen. Die Freiheit, sie winkt im März.

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