Landwirtschaftliche Zwischenbilanz

„Uns fehlt das Futter fürs Vieh“

Ladbergen

Die anhaltende Trockenheit macht den Landwirten zu schaffen. Wie sich das auswirkt, erläutert Hendrik König, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins, im Gespräch mit den WN.

Mareike Stratmann

Mit gemischten Gefühlen betrachtet Hendrik König seine Getreidefelder. Der Regen am Mittwoch hat den Pflanzen gut getan. Andernorts ist ein Teil des Maises bereits verloren. Und auch die Tiere haben unter der Hitze in der vergangenen Woche sehr gelitten – allen voran Sauen und Ferkel. Foto: Mareike Stratmann/dpa

Hendrik König sagt, er habe sich in den Regen gestellt und einfach nur gefreut. Seit Wochen hat der Landwirt mit Hof an der Kattenvenner Straße den Niederschlag am Mittwoch herbeigesehnt – und mehr noch das Getreide, das derzeit auf dem Acker steht und langsam vertrocknet. „Die acht, neun Liter, die bei uns gefallen sind, haben dem Mais, der gerade voll in der Blüte ist, gut getan“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Um hinterher zu schieben: „Wir haben Glück gehabt. Es gibt auch Stellen, da hat es mal gerade zwei Liter Regen gegeben. Natürlich viel zu wenig.“

Unterschiedliche Niederschlagsmengen, variierende Bodenverhältnisse: Die zwischenzeitliche Erntebilanz fällt von Hof zu Hof anders aus. In der Summe lasse sich aber sagen: Auch 2019 wird angesichts von zu viel Hitze und Trockenheit kein gutes Jahr für die hiesigen Bauern. „Die Tendenz sieht eher schlecht aus. Allein bei Triticale und Weizen, die eigentlich erst jetzt geerntet würden, aber in diesem Jahr mindestens zwei Wochen früher abgereift waren, hat es aufgrund der Trockenheit Mindererträge von 30 bis 40 Prozent gegeben.“

Immerhin „durchschnittlich“ sei derweil die Erntebilanz bei der Ende Juni/Anfang Juli gedroschenen Gerste gewesen. „Die hat noch ausreichend Flüssigkeit bekommen“, bilanzieren Hendrik König und Kollege Frank Sundermann im WN-Gespräch.

Und der Mais? Die beiden Landwirte atmen tief ein. „Der war 2018 schon nicht gut, und das wird dieses Jahr ähnlich.“ Das größte Problem: die anhaltende Trockenheit. An einigen Stellen – vor allem auf sehr sandigen Böden wie in Overbeck – sei ein Teil des Maises schon braun und damit verloren. Andernorts müsse dringend Regen her. „Da fehlen an die 50 Liter“, sagt Hendrik König und schaut mit gemischten Gefühlen auf die Felder. Auf seinem vergleichsweise moorigen Boden stehen die Pflanzen gerade in voller Blüte, brauchen aber dringend Feuchtigkeit, um mit der Ausbildung der Kolben zu beginnen. „Denn das macht rund 70 Prozent der Energie aus.“

Und wenn die fehlt? „Müssen wir das über teure Zukäufe von Kraftfutter, Sojaschrot und Weizen auffangen“, macht Frank Sundermann, der eine Bullenmast betreibt und auf eine sehr gute Qualität angewiesen ist, eine einfache Rechnung auf: Im Vergleich zu 2017, als er Tagesfutterkosten pro Tier von 1,28 Euro hatte, ist der Preis um 50 Cent gestiegen.

„Wir wollen keine Prämien, sondern unsere Produkte vernünftig bezahlt bekommen“, sagt er und erntet Zustimmung von seinem Kollegen. Denn zusätzlich zu Hitze und Trockenheit machten ihnen eine steigende Anzahl an bürokratischen Papiertigern und allein innerhalb der EU national stark unterschiedliche Auflagen das Leben schwer. „Im Kühlregal liegen dann aber alle Produkte nebeneinander. Und dann weiß man, welches gekauft wird“, schwingt in Sundermanns Worten Resignation mit.

Dabei bereiten Hitze und Trockenheit schon genügend Probleme. „40 Grad wie vergangene Woche bedeuten für Mensch und Tier puren Stresse“, sagt Hendrik König, der bisweilen mit Wasserschläuchen durch seine Ferkel- und Sauenställe ging, um die Tiere etwas abkühlen. „Schweine können nicht schwitzen“, verdeutlicht er die riesigen Probleme, die die Wärme mit sich brachte. „Luft und Wasser ist das Einzige, was hilft – und zusätzlich die Futtermengen runterfahren“, beschreiben er und Sundermann das Management der vergangenen Wochen, um es den Tieren so angenehmen wie möglich zu machen. „Leistungseinbußen werden wir trotzdem haben“, sind beide überzeugt. Und mit dem Brückenschlag zum Getreide: „Uns fehlt das Futter fürs Vieh.“

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