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Erinnerungen an die Euro-Einführung vor 20 Jahren

Von Neugierde, Wehmut und teuren Tomaten

Ladbergen

Vor 20 Jahren hat der Euro die D-Mark als Zahlungsmittel abgelöst. Aber noch heute sind Pfennig und Mark nicht aus den Köpfen und Haushalten der Deutschen verschwunden. Rund 25 000 Mark sind im vergangenen Jahr im Geschäftsgebiet der Kreissparkasse eingetauscht worden, berichtet Pressesprecher Thorsten Laumann. Und Bankkaufmann Ulrich Untiet erinnert sich an manch nette Anekdote zur Euro-Einführung vor Ort.

Von Mareike Stratmann

Foto: IMAGO

Die Zahl 1,95583 hat sich tief ins Gedächtnis von Ulrich Untiet eingebrannt. Sie gibt den Umtauschkurs von einem Euro zur Deutschen Mark an. Und damit hatte der Bankkaufmann vor 20 Jahren, als der Euro im Januar als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde, eine ganze Menge zu tun, wie er beim WN-Besuch in der Filiale der Kreissparkasse an der Mühlenstraße berichtet.

„Das war natürlich ein riesiges Thema. Als Ende 2001, kurz vor Weihnachten, die ersten Startersets von der Bundesbank herausgegeben wurden, gab‘s hier lange Schlangen. Alle wollten die neuen Münzen sehen, anfassen und mit nach Hause nehmen“, erinnert sich der Ladberger. Und auch da liefert er die entsprechenden Zahlen wie aus der Pistole geschossen hinterher: „Für 20 Mark gab‘s 10,23 Euro.“ Viele dieser Sets hätten in der Folge unter dem Weihnachtsbaum gelegen. Auch bei ihm Zuhause, wie er schmunzelnd hinzufügt.

Der Bankkaufmann Untiet war zu jenem Zeitpunkt für die Kasse verantwortlich – und damit unmittelbar nach dem Jahreswechsel mittendrin im Umtausch-Geschäft. „Wir hatten zwei Kassenboxen. An der einen hat der Kollege die D-Mark entgegen genommen, an der zweiten habe ich den entsprechenden Euro-Betrag herausgegeben“, erinnert sich der Lokalpolitiker und langjährige Handball-Schiedsrichter, der für seine Hobbys zu jenem Zeitpunkt allerdings nicht allzu viel Zeit gehabt haben dürfte. Denn: „In den ersten Wochen des Jahres hatten wir wegen der Euro-Ausgabe verlängerte Öffnungszeiten. Und die Leute hatten ein großes Interesse an der neuen Währung“, berichtet Untiet. Wohlwissend, dass nicht jeder begeistert davon war. „Gerade ältere Leute hatten Angst vor einer Geldentwertung oder versteckten Preiserhöhung. Dabei stand der Umtauschkurs ja schon lange fest“, erinnert er sich an Gespräche mit besorgten Kunden.

Und mit noch einem anderen Vorurteil wurden er und auch Elke Wallmann konfrontiert. So berichtet die Frau aus der Gemeindeverwaltung: „Das war für uns in der Gemeindekasse eine spannende Zeit, wie für alle. Wir bekamen als Gemeinde-Bedienstete einen Euro-Rechner mit Solarbetrieb. Aber den Euro-Umrechnungskurs kann ich heute noch singen.“ Und dann war da eben diese nette Anekdote: „Eine ältere Dame sagte mal, dass sie sich auch so ein ‚Starterkit‘ geholt hätte. Aber hier im Außenbereich setzt sich dies neumodische Werks nicht durch.“ Eine Geschichte, die Elke Wallmann noch heute schmunzeln lässt – und von der auch Ulrich Untiet ein Lied singen kann.

Neugierde auf die neuen Scheine, die dickeren Münzen, aber auch ein wenig Wehmut um „die gute alte Mark“, sei bei vielen aufgekommen. Und die Sorge vor dem Euro als Teuro. So berichtet bei Facebook ein Ladberger, dass er noch heute gelegentlich umrechne. „Dadurch merkt man dann, dass ein Kilo Tomaten schon mal sieben Mark kosten kann. Und Äpfel sechs Mark“, wie er schreibt. „Oder Benzin 3,40 Mark und mehr“, wie ihm eine weitere Ladbergerin beipflichtet.

Und manch einer hat sich erst an die Umstellung gewöhnen müssen, wie Hartwig Pruin zugibt, indem er von dem Besuch einer Karnevalssitzung im Gürzenich im Januar 2002 berichtet und die Euro-Preise fälschlicherweise noch in D-Mark umrechnete und so „alles noch günstig fand“.

Die Währungsumstellung habe die Kollegen in den Geldinstituten vor 20 Jahren durchaus gefordert, erinnert sich Ulrich Untiet. Und noch heute ist die Mark nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden. „So fünf, sechs Mal im Jahr kommt noch jemand hierher und möchte Restbestände eintauschen“, erzählt der Bankkaufmann. „Weil er beim Aufräumen ein paar Scheine im Küchen- oder Kleiderschrank gefunden hat oder aber seine alte Münzsammlung auflösen will.“

Im gesamten Geschäftsgebiet der Kreissparkasse gab es 2021 noch 60 Einreichungen mit circa 25 000 D-Mark, nennt Pressesprecher Thorsten Laumann entsprechende Zahlen. Für den Bereich der Volksbank Münsterland Nord spricht Patrick Grubba von 11 000 D-Mark, die im vergangenen Jahr für die Kunden entgegen genommen wurden. Denn: Längst tauschen die Banken das Geld nicht mehr selbst um, sondern leiten es im Kundenauftrag an die Bundesbank weiter.

Gleichwohl: Auch in den Münzautomaten der Kreissparkasse landet hier und da noch der ein oder andere Pfennig. Der wird, wie Ulrich Untiet erzählt, übrigens nicht gehortet, sondern bei einer gewissen Summe an den Lions Club weitergegeben, der dieses Geld für karitative Zwecke einsetzt.

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