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Interview mit den Bürgermeisterkandidaten – Thema heute: Dorfentwicklung

Wohnen, Gewerbe und Ärzte

Ladbergen

Wohnraum und Baugebiete, Gewerbeflächen, Versorgung mit Lebensmittel und das Thema Medizinermangel auf dem Land. Im Gespräch mit WN-Redakteurin Dietlind Ellerich beziehen die beiden Bürgermeisterkandidaten Thomas Kötterheinrich und Torsten Buller Position.

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Bau eines Aldi-Marktes und Mehrfamilienhaus am Kreisverkehr. Foto: Dietlind Ellerich

Im zweiten Serienteil vor der Kommunalwahl geht es um die Dorfentwicklung in Ladbergen. Die Bürgermeisterkandidaten Thomas Kötterheinrich und Torsten Buller erklären, wie sie bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, wie sie zur Versorgung mit Geschäften und Arztpraxen stehen und wann es etwas mit den Radwegen wird. Die Fragen stellte Dietlind Ellerich.

Immer wieder wird kritisiert, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum sowie Wohnungen für Flüchtlinge gibt. Was tun Sie, um den Mangel in den Griff zu bekommen?

Kötterheinrich: Bezahlbarer Wohnraum muss für alle Menschen, unabhängig von Alter und Nationalität ausreichend zur Verfügung stehen. Auf Kreisebene wird die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft in öffentlicher Hand diskutiert, was ich unterstütze. Somit könnten auch in Ladbergen kostengünstige Wohnungen gebaut werden. Mieten können dadurch dauerhaft, also auch über Mietpreisbindungen hinaus, niedrig gehalten werden. Auch alternative Wohnmodelle, wie Mehrgenerationenhäuser, sind in Ladbergen denkbar.

Buller: Bezahlbarer Wohnraum auch für Normalverdiener darf nicht zur neuen sozialen Frage des 21. Jahrhunderts werden. Ich habe bereits Gespräche mit regionalen Bauunternehmen geführt, die bereit sind, den sozialen Wohnungsbau zu gestalten. Diese Maßnahmen werden gefördert. Das Land NRW stellt im Zeitraum 2018 bis 2022 in einem Wohnraumförderungsprogramm 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Wohnungen für Flüchtlinge sind zurzeit in ausreichender Anzahl vorhanden.

Die Erweiterung des Gewerbeparks am Espenhof ist auf dem Weg, der neue Aldi-Markt im Ort wächst, neue Wohngebiete wie die Erweiterung am „Schulten Kamp“ werden erschlossen, Ladbergen ist bei Unternehmern und Häuslebauern beliebt. Wie gelingt es Ihnen, den Ort fit für die Zukunft zu machen und dabei den dörflichen Charme zu erhalten?

Kötterheinrich: Die Attraktivität Ladbergens muss weiter gesteigert werden. Das geschieht durch Maßnahmen aus dem Dorfinnenentwicklungskonzept. Für 2021 ist der Bereich der Mühlenstraße geplant. Weitere Maßnahmen von der abknickenden Vorfahrt im Dorf bis zur Genossenschaft müssen folgen. Zudem ist mir die Aufwertung des Kirchplatzes mit Anbindung an die Dorfstraße wichtig. Insbesondere für junge Familien muss in unserem Dorf die Möglichkeit zur Errichtung eines Eigenheims bestehen. Baulücken im Dorf müssen genutzt werden.

Buller: Ladbergen muss in einem vernünftigen Maß weiter wachsen. Ich wünsche mir ein Dorfgemeinschaftshaus plus Dorfplatz als „Zentrum“, in dem – genau wie bei Buddemeier – die Menschen zusammenkommen können, um zu feiern und ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben. Zurzeit fördert das Land diese Maßnahmen mit 65 Prozent je Maßnahme bis zu einer Gesamthöhe von 250 000 Euro. Auf die Erhaltung des dörflichen Charmes muss bei der Aufstellung von Bebauungsplänen geachtet werden.

Die Versorgung mit Discountern, Supermärkten und inhabergeführten Geschäften scheint ausreichend. Es fehlen gemütliche Cafés, die das ganze Jahr über zum Verweilen einladen. Haben Sie eine Idee, wie Sie die Lücke schließen können?

Kötterheinrich: Ob die Versorgung ausreichend ist, stelle ich zunächst mal in Frage. Bei den Discountern mit Penny und Aldi sicherlich, aber im Bereich der Frischemärkte ist meins Erachtens der Edeka-Markt an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Kneipen und Cafés sind natürlich das Herzstück einer Dorfgemeinschaft. Wir haben ja Gaststätten, die auch Kaffe und Kuchen anbieten. Außerdem gibt es unser Dorfcafé. Hier sollten zeitnah Gespräche mit „Nu män tou“ geführt werden, ob eine Ausdehnung der aktuellen Öffnungszeiten, auch mit externer Unterstützung, möglich sind.

Buller: Es gibt in Ladbergen gemütliche Kneipen und Cafés, die vorzüglichen Kaffee und Kuchen anbieten. Ich werde prüfen, ob sich für ein weiteres Café Räumlichkeiten und Betreiber finden lassen. Eine Überlegung wäre es, das bereits bestehende Angebot des Dorfladens und Fair-Trade Cafés auszubauen oder aber ein Café in die neuen Bauvorhaben zu integrieren. Für die Versorgungssicherheit kann ich mir neben dem Edeka einen weiteren Vollsortimenter in der Gemeinde vorstellen.

Drohkulisse Medizinermangel: Das Hausarztprogramm des Landes setzt finanzielle Anreize, um die Niederlassung im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Ärzte in Mettingen arbeiten seit Jahren erfolgreich mit Studierenden zusammen, die einen Teil ihrer praktischen Ausbildung (Famulatur) dort absolvieren, um die schönen Seiten des Praktizierens in einem kleinen Ort kennenzulernen. Eine Idee für Ladbergen?

Kötterheinrich: Ich habe im Dialog mit Dr. Freitag erfahren, dass die Situation für die nähere Zukunft hier in Ladbergen sichergestellt ist. Dennoch wäre dieses Projekt auch in Ladbergen ein sinnvoller und praktikabler Weg. Die medizinische Versorgung im ländlichen Bereich ist mir besonders wichtig und stellt eine große Herausforderung dar. Diese muss natürlich langfristig weiterhin im Dialog zwischen Bürgermeister und den ansässigen Ärzten geplant werden.

Buller: Im Moment haben wir zum Glück in Ladbergen und der näheren Umgebung noch keinen Ärztemangel. Die Fördermöglichkeiten für die Anwerbung von Medizinern existieren beim Kreis, beim Land und beim Bund. Da es für Ladbergen, auch aufgrund kassenärztlicher Vorgaben, nur schwer möglich ist, Fachärzte zu gewinnen, werde ich die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, dem Kreis, dem Land und den Ärzten vor Ort intensivieren.

Wie und wann holen Sie das Radverkehrskonzept, das Anfang des Jahres im Umweltausschuss vorgestellt wurde, aus seinem Dornröschenschlaf?

Kötterheinrich: Das Konzept ist ja wegen der Corona-Krise noch nicht im Rat beschlossen worden. Nach der Verabschiedung im Rat (voraussichtlich am 17. September) gilt es natürlich, die ersten Maßnahmen daraus zeitnah umzusetzen. Wir benötigen dringend einen Radweg zum neuen Baugebiet „Altes Feuerwehrhaus“. Außerdem führen einige Radwege im Außenbereich, zum Beispiel Telgter Damm, Grevener Straße oder Kattenvenner Straße direkt auf die Hauptstraße, sodass es oft zu gefährlichen Situationen kommt. Hier müssen wir gemeinsam mit dem Kreis tätig werden.

Buller: Dieses Thema finden Sie bei meinen TOP 10 für Ladbergen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der Rat allerdings das Radwegeverkehrskonzept noch nicht genehmigen. Damit ist aber im Rahmen der Ratssitzung im September zu rechnen. Aus meinen Gesprächen mit zahlreichen Bürgern weiß ich, dass vielen dieses Thema sehr am Herzen liegt. Daher muss zeitnah ein Weg gefunden werden, einzelne Projekte aus dem Konzept zu priorisieren und zügig umzusetzen.

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