1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ladbergen
  6. >
  7. Zur Begrüßung die Ghettofaust

  8. >

Matthias Jung begeistert auf der Kulturbühne

Zur Begrüßung die Ghettofaust

Ladbergen

Zur Begrüßung gibt’s die Ghettofaust (dabei berühren sich die entgegengestreckten Fäuste der sich Begrüßenden. Üblich in der Hip-Hop-Szene). Wer dazu ein heute jugendtypisches „Ey, du Opfer“ erwartet, liegt falsch. Der Spruch, weiß Matthias Jung, ist „längst out“. Heute, sagt er, begrüßt sich, wer „in“ sein will, eher im Mittelalterstil mit einem, (in Jungs sympathischen Dialekt) genuschelten: „Ey du Knecht“ .

Nicole Degutsch

„Ey, du Knecht“: Wenn Matthias Jung die Jugendsprache aufs Korn nimmt und von Hobbys und Problemen Pubertierender berichtet, dann bleibt beim Publikum bei Buddemeier kein Auge trocken. Foto: Nicole Degutsch

Rund um die Jugendsprache, Hobbys und Probleme pubertierender Teenager geht es am Donnerstagabend bei Buddemeier im Programm „Generation Teenitus“ von Matthias Jung. Obwohl der Großteil des Publikums der Pubertät längst entwachsen ist, bleibt kein Auge trocken bei den interessanten und witzigen Beobachtungen, die der studierte Pädagoge aus dem Hunsrück in Teenagerkreisen gemacht hatte und vor ausverkauftem Saal zum besten gibt.

Auch vor Anglizismen in der deutschen Sprache und deren Tücken macht Jung nicht halt. Ein Thema, an dem sich viele Comedians schon vor ihm abgearbeitet haben, ist die zungenbrecherische Getränkekarte bei der bekannten Café-Kette „Starbucks“, die mit Angeboten wie „Iced Americano“ und „Coffee Frappuccino® Light blended beverage“ glänzt.

Darüber hinaus nimmt Jung auch die gute alte Eisdiele aufs Korn, die zu seiner Verzweiflung den Trend zu englischen Bezeichnungen aufgegriffen hat. Da bleibt auf die Frage der dienstbeflissenen Eisfachverkäuferin, ob auf das Eis denn wohl noch ein „strawberry-topping“ drauf soll, nur die geseufzte Antwort des Pfälzers: „Nee, aber ´n Schirmschen!“

Matthias Jung will nicht etwa allen Fortschritt verteufeln. Schließlich fummeln die Erwachsenen am Abendbrot-Tisch doch genauso oft am Smartphone herum wie ihre Sprösslinge – was das Verbot der Nutzung enorm unglaubwürdig erscheinen lässt.

In der Pause erzählt Matthias Jung im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten, dass er sein Programm in zwei Teile gliedert. Zu Beginn kommen „lustige Gags, aber auch echte Infos“ rund um den Wirrwarr der Hormone und Gefühle, um Bartwuchs und Hautunreinheiten, die in der Pubertät ebenso zu den ungeliebten Begleiterscheinungen gehören wie der Stimmbruch und Dispute mit den Erziehungsberechtigten. Im zweiten Teil berichtet der Comedian von seiner eigenen Jugend, aber auch von zwei Teenies aus seinem näheren Umfeld, die er im Programm Benedikt und Lisa nennt. Das ist „echte Comedy“.

Das Publikum hat von der ersten Minute an sichtlich Spaß. Oft sind Sätze zu hören, wie „Ja, das stimmt“, wenn Jung wieder eine Anekdote der „Generation Praktikum“ zum Besten gibt.

Der Künstler hat es mit seinen Eltern scheinbar nicht immer leicht gehabt. Oder war es umgekehrt? Humor haben sie ihm jedenfalls mit in die Wiege gelegt. Denn als er während des Pädagogik-Studiums eines Tages zu seiner Mutter den Satz sagt: „Ich studiere zwar Pädagogik, möchte aber später mal auf einer Bühne Witze erzählen,“ antwortete diese nur: „Ich hoffe, das war auch schon einer.“

Das Publikum erlebt einen 90-minütigen, kurzweiligen Abend, an dem deutlich wird, das alle einmal Teenager waren und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten wie dem ersten Liebeskummer und dem Bemühen, eine Stunde länger auf einer „total coolen“ Party bleiben zu dürfen. Matthias Jung zeigt: Toleranz und Humor helfen beim Umgang miteinander.

Startseite
ANZEIGE