Vorstoß und Antrag: Pfandsystem in der Gastronomie

Zwei Drittel sind schon dabei

Ladbergen

Monika Stork und Katharina Matthäus von Bündnis 90/Die Grünen wollen in Ladbergen einen Vorstoß für ein einheitliches Pfandsystem auf den Weg bringen. Ihre Partei hat bereits einen Antrag zur finanziellen Förderung für die Gastronomie an die politische Gemeinde gestellt. Es geht um Gefäße, in denen Essen nach Hause geliefert oder geholt wird.

Von Luca Palsund

Katharina Matthäus (links) und Monika Stork präsentieren die Becher und Schalen, die innerhalb der Gastronomie eingeführt werden könnten – wenn genügend Gastronomen mitmachen. Foto: Luca Pals

Essen gehen in Pandemie-Zeiten? Das war lange nicht möglich. Erst nach und nach öffnen im Kreis Steinfurt und damit in Ladbergen die Gastronomen ihre Türen und können seither Gäste bedienen. Zuvor sah es meist so aus: Ein Blick auf die Speisekarte im Internet, das Restaurant oder den Imbiss anrufen, Bestellung aufgeben und warten – das Essen gibt’s entweder „to go“ vor Ort oder nach Hause geliefert. Dort angekommen, wird erst einmal ausgepackt. Dann meist aus zahlreichen Verpackungen und Tüten – eigentlich alles Plastik. Und davon viel zu viel. Diese Meinung vertreten Monika Stork und Katharina Matthäus von Bündnis 90/Die Grünen. Sie wollen in Ladbergen einen Vorstoß für ein einheitliches Pfandsystem auf den Weg bringen. Ihre Partei hat bereits einen Antrag zur finanziellen Förderung für die Gastronomie an die politische Gemeinde gestellt.

Im Gespräch mit den WN berichtet Stork, dass bereits „zwei Drittel“ der Gastronomen angesprochen worden seien, die Akzeptanz für eine Mehrweg-Lösung generell sehr hoch sei. Nur wenige hätten Bedenken gehabt, eine generelle Ablehnung habe es nicht gegeben. In den nächsten Wochen möchte Stork die restlichen Gastronomen ansprechen: „Mir ist es wichtig, mit allen persönlich darüber zu reden.“ Die Idee eines lokalen Pfandsystems sei von Heike Pals ins Leben gerufen worden, sie hatte unter anderem mit Unternehmern, Menschen aus der Gemeinde und innerhalb der evangelischen Kirche über das Thema gesprochen. Monika Stork erinnert sich: „Als ich von der Idee gehört habe, war ich direkt überzeugt.“

Monika Stork

Matthäus und Stork erkundigten sich nach vergleichbaren Projekten. In der näheren Umgebung gibt es das bereits in Hagen a.T.W.. Auch in Greven gäbe es ähnliche Projekte, die allerdings noch nicht in ein kommunalübergreifendes System münden würden. Während Stork mit den Gastronomen spricht, holt Matthäus Unternehmen mit ins Boot: „Es macht nur Sinn, wenn möglichst viele mitmachen“, sagt die Ladbergerin. Der Markt habe viele Anbieter für Pfandbecher und -schalen, aktuell präferieren Stork und Matthäus eine Firma, deren Produkte „Recup“ und „Rebowl“ heißen. Die Bestellungen der Schalen und Becher würden in der Folge die Gastronomen übernehmen. Das Unternehmen zieht hierfür eine monatliche Gebühr ein, bei den Bestellungen und dem Außer-Haus-Verkauf hinterlegen die Kunden ein Pfand: „Der Pfandpreis wird je nach Produkt bei fünf oder zehn Euro liegen“, überlegt Stork. Nach Rückgabe der Becher und Schüsseln gibt’s das Geld zurück, die Behälter müssen nach der Ausleihe einmal in der Industriemaschine durchgespült werden. Beiden ist klar: „Das Ganze wird Zeit brauchen, es muss sich erst einmal einspielen.“

Katharina Matthäus

Dafür präferieren sie „ein einheitliches System“: „Also, dass jeder Gastronom die gleichen Produkte bei derselben Firma bestellt.“ Matthäus führt aus: „Dann kann man mit seinem Behälter auch wieder woanders sein Essen abholen und alle fahren nach dem gleichen Plan.“ Einen Zwang wollen beide hinter der Aktion nicht sehen. Sie hoffen vielmehr darauf, „dass einfach sehr viele mitmachen.“

Für den Startschuss soll – nach Antrag der Grünen – eine finanzielle Starthilfe seitens der Gemeinde für die Gastronomen geprüft werden. Stork: „Uns ist natürlich klar, dass die Gastronomie aktuell in keinem guten Zustand ist und dass die Anschaffung zu Anfang mit Kosten verbunden ist. Hier sollte die Gemeinde einspringen.“ Laut Antrag fordern die Grünen die Kostenübernahme für die Einführungszeit. Dies bezieht sich vor allem auf die monatliche Systemgebühr, die von den beteiligten Gastronomen erhoben wird. Dafür sollten bis zu 3000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Sowohl ökonomisch als auch ökologisch würde sich das System auf Dauer bewähren, sagt Matthäus: „Die Firma, die wir im Auge haben, hat vorgerechnet, dass sich eine Schale nach der 20. Wäsche bereits ökologisch bezahlt machen würde. Das wäre schon ein großer Fortschritt.“

Für den weiteren Fahrplan können sich Stork und Matthäus einen runden Tisch mit allen Beteiligten und eine Infoveranstaltung vorstellen. Ein Argument hat Stork am Ende aber noch: „Anfang des Jahres ist ein Verpackungsgesetz auf den Weg gebracht worden. Nach diesem werden Gastronomen ab 2023 dazu verpflichtet neben Einweg- auch Mehrweggeschirr für den Außer-Haus-Verkauf anzubieten.“ Matthäus sagt: „Deswegen wäre es gut, wenn wir uns schon jetzt in ein ähnliches System einarbeiten und dann nicht in zwei Jahren überrascht werden. Das hat für alle Vorteile.“

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