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Amtsgericht Rheine

Nach zahlreichen Delikten wird ein 52-Jähriger in die Forensik eingewiesen

Rheine/Horstmar/Laer

Etwa 50 Straftaten wurden einem 52-Jährigen aus Horstmar vorgeworfen, für die er sich jetzt vor dem Amtsgericht Rheine verantworten musste. Weil der Beklagte zu seinem vorherigen Termin nicht erschienen war, kam er in „Ungehorsamshaft“. Aus dieser wurde der Mann, der sich im Gerichtssaal renitent und sehr unangemessen verhielt, in Fußfesseln vorgeführt und später in die Forensik eingewiesen.

-mok-

Foto: dpa

In Fußfesseln führten zwei Wachtmeister am Amtsgericht Rheine einen 52-jährigen Mann aus Horstmar aus der „Ungehorsamshaft“ in den Gerichtssaal des Schöffengerichts in Rheine. Weil er zu seinem vorherigen Termin nicht erschienen war, hatte die Richterin den Haftbefehl angeordnet, mit dem er am 29. Juli 2021 in Lüneburg festgenommen worden war. „Ich war in Urlaub“, begründete der Mann seinen Aufenthalt dort und beanstandete, wie ein Schwerverbrecher behandelt zu werden. „Wenn Anwälte in Urlaub fahren, wird ja auch Rücksicht darauf genommen“, beschwerte er sich.

Bereits während der Anklageverlesung mit einer Fülle von Straftaten zwischen August 2020 und März 2021 in Horstmar und Laer fiel er dem Staatsanwalt ständig ins Wort, so dass der Anklagevertreter ihn immer wieder zur Raison rief – vergeblich. Der Angeklagte provozierte weiter, biss herzhaft in einen Apfel und wollte sich nach dem Verbot zu essen, eine Zigarette drehen. Währenddessen verlas der Staatsanwalt etwa 50 Straftaten, angefangen bei Diebstahl über wiederholten Hausfriedensbruch in der Westfalen-Tankstelle in Laer und in Supermärkten bis hin zu Beleidigung, Bedrohung und Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen mit einem „Hakenkreuz“ auf seinem Pullover am 15. März 2021 in Steinfurt vor dem Netto-Markt. Mehrfach wies der Staatsanwalt ihn in seine Schranken, der Angeklagte wurde noch lauter und brüllte am Ende „Du bist ein Idiot“.

Als der Beklagte von der Richterin das Wort bekam, berichtete er ausschweifend, wie es zu den Straftaten gekommen sei und räumte einen Teil davon ein. Seine Ex-Freundin in Laer soll er bestohlen haben, das bestritt er. Sie wurde als Zeugin aufgerufen und zitterte beim Betreten des Gerichtssaales. Unter Tränen brachte sie mühsam hervor, dass die Krankheit des Angeklagten und seine Aggressivität immer schlimmer geworden seien. Danach konnte sie wegen Atemnot kaum noch sprechen, so dass das Gericht ihr eine weitere Aussage ersparte. Sie wurde juristisch betreut.

Auch alle anderen Zeugen wurden abgeladen, weil der Angeklagte das Gutachten, dass eine psychiatrische Sachverständige über ihn erstellte, mit jedem Satz bestätigte. „Absolute Uneinsichtigkeit in seine Krankheit und aufgehobene Steuerungsfähigkeit bei schizophrener Psychose. Nicht schuldfähig! Mit weiteren und möglicherweise schlimmeren Straftaten ist zu rechnen“, so die Zusammenfassung der Psychiaterin aus der Forensik. Der Angeklagte ist nicht bereit, Medikamente zu nehmen, wie er sagte: „Ich nehme nur Drogen, Heroin, Amphetamine und LSD, Medikamente kommen nicht in meinen Körper, darüber bestimme ich.“

Das führte letztendlich zu einer Einweisung in die Forensik in Rheine. Sein Verfahren wurde an das Landgericht Münster delegiert. Nur dort kann über eine dauerhafte Unterbringung in der Forensik entschieden werden, Amtsgerichte sind dafür nicht zuständig. „Das bringe ich in die Zeitung“, empörte der Angeklagte sich, als ihm der Beschluss mitgeteilt wurde.

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