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Wandelkonzert erzählt einen berühmten Liederzyklus der schönen Müllerin

Gerne am Ewaldibach entlang

Laer

Am Wandelkonzert, zu dem die Gemeinde Laer und die Musikschule des Kulturforums Steinfurt eingeladen hatten, beteiligten sich insgesamt rund 100 Bürgerinnen und Bürger, die in vier Durchgängen – oft am Bach entlang – rund um Laer geführt wurden. Als sachkundiger Kenner des Ewaldidorfs erwies sich dabei Nachtwächter Norbert Surmund, der beispielsweise auch zur Bartholomäuskirche viel zu sagen wusste.

Im Alten Speicher begann Foto: Fotos: Rainer NIx (3)/ Manfred KLuthe (1)

Geradezu wildromantisch ging es am Wochenende im Ewaldidorf Laer zu. In Kooperation mit der Gemeinde lud die Musikschule des Kulturforums Steinfurt zum „Wandelkonzert“ ein. An zwei Tagen ließen sich 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspirieren. Im Mittelpunkt standen der Liederzyklus „Die schöne Müllerin“, vertont von Franz Schubert und die Historie des Ortes, anekdotenhaft und kurzweilig vermittelt von „Nachtwächter“ Norbert Surmund.

Sehenswürdigkeiten

Der Rundgang zu verschiedenen Konzertorten und Sehenswürdigkeiten begann am Alten Speicher. Kulturforums-Direktorin Dr. Barbara Herrmann und Bürgermeister Manfred Kluthe begrüßten dort die erwartungsvolle Runde. Der Zyklus beginnt mit dem Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“, das dem Dichter Wilhelm Müller im Jahr 1821 aus der Feder floss. Er schrieb den Text zur gesamten Abfolge des Müllerinnen-Gedichtes, wobei sein eigener Name nichts damit zu tun hat.

In beeindruckender Interpretation brachte Bass-Bariton Arndt Winkelmann unter Piano-Begleitung von Seong-Hwa Kim das erste Lied im Saal des Speichers zu Gehör. „Ursprünglich ist der Zyklus für Klavier und Gesang konzipiert“, erläuterte Antonio Di Martino, Abteilungsleiter der Musikschule. „Um die musikalische Begleitung der Lieder mobil darbieten zu können, wurden Arrangements für andere Instrumente wie Gitarren, Klarinette und Saxofon geschrieben.“

Gedichte

Schuberts „schöne Müllerin“ gehört zu den berühmtesten Liederzyklen der Musikgeschichte. Das Werk ist für seine Interpreten auch deshalb eine Herausforderung, weil hinter der scheinbaren Wander-Idylle seelische Abgründe lauern. Auf jeden Fall war das Event eine „wunderbare Mischung aus Ortshistorie und musikalischen Geschichten“, wie Bürgermeister Kluthe treffend ankündigte. Dem Publikum vermittelten sich Wanderlust, Junggesellen-Fröhlichkeit und Frühlingsgefühle, aber auch Schmerz, Enttäuschung und Todessehnsucht.

Es ist die typisch romantische Konstellation: Ein junger Müllergeselle verliebt sich in die Tochter seines neuen Dienstherren. Seine Gefühle lassen sich, den Normen und Werten der Biedermeierzeit entsprechend, nicht so leicht vermitteln. Die „schöne Müllerin“ ist unerreichbar, die Geschichte endet tragisch. „Eine Botschaft, transponiert in die heutige Zeit: Kommunikation ist ganz wichtig“, so Di Martino. Es ist besser, miteinander zu reden, als still zu leiden.

Haus Rolevinck

Stationen unter anderem: der Alte Speicher, die Windmühle, die Plattform am Teich, wo Frida Dite und Alicia Tillack Klarinette spielten, das Haus Rolevinck, die „Runde Ecke“ und die Pfarrkirche St. Batholomäus. Dort sang Di Martino mit wohltönender Bariton-Stimme unter Begleitung von Ruben Link und Jörg Hemker an der Konzert- beziehungsweise Kontrabassgitarre. Später glänzten Hanna Schillingmann und Alicia Tillack mit Saxofon-Klängen.

Pfarrkirche

Der erfahrene und mit dem Heimatpreis ausgezeichnete „Nachtwächter“ Surmund wusste eine Menge zu erzählen. So unter anderem über „Potthoffs Mühle“, bei der sich zu runden Geburtstagen, dem Besuch der Freunde aus den Partnergemeinden Guénange und Badersleben sowie zu weiteren festlichen Anlässen munter die Flügel drehen. In der Pfarrkirche wies er auf die prächtigen Chorfenster aus farbigem Glas hin, die von Professor Heinrich Dieckmann aus Köln gestaltet und 1940 eingesetzt wurden. Sie zeigen biblische Darstellungen.

Die musikalische Wanderung, der „schönen Müllerin“ und den Sehenswürdigkeiten Laers gewidmet, begeisterte alle Teilnehmer. Nicht nur Bürgermeister Manfred Kluthe würde sich freuen, wenn es nicht die letzte Veranstaltung ihrer Art gewesen wäre.

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