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Gemeinsame Aktion der Grünen und der Bürgerinitiative Baugebiet Marienhospital

„Lebens- statt nur Renditeraum“

Laer

Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und der Bürgerinitiative „Baugebiet Marienhospital“ sowie Seniorenvertreter Johannes Kluck haben sich am vierten Adventssonntag auf dem Gelände des ehemaligen Marienhospitals in Laer getroffen, Bäume gemessen und gezählt sowie anschließend ihre wesentlichen Forderungen und Wünsche für den kommenden B-Plan in einer Pressemitteilung gebündelt.

Auf dem Gelände des ehemaligen Marienhospitals gibt es einen beeindruckenden Baumbestand, haben Elke Schuchtmann-Fehmer, Ralf Sicking, Michael Auth von der BI Baugebiet Marienhospital und Johannes Kluck (v.l.)

Viele

Bäume haben Laererinnen und Laerer nun auf dem Gelände des ehemaligen Marienhospitals umarmt. Nicht als Geste der Naturverbundenheit oder aus medienwirksamen Imagegründen, sondern um Maß zu nehmen. „Es geht uns um eine Bestandsaufnahme der erhaltenswerten Bäume auf der Fläche, für die aktuell der Bebauungsplan Marienquartier erstellt wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen, die die Aussagen der Sprecher der Grünen Ratsfraktion, Lisa Moser-Emmerich und Hubert Bröker, zitiert. Gemeinsam mit interessierten Bürgern und Vertretern der Bürgerinitiative (BI) Baugebiet Marienhospital haben die Grünen mit Maßbändern an mehr als 50 Bäumen Stammumfänge von in der Regel zwei Metern und mehr in 1,30 Meter Höhe gemessen und auf einem Plan dokumentiert. Damit wollen sie der ökologischen Wertigkeit des Geländes in seinem jetzigen Bestand ein Gesicht geben.

Ausgewachsene Buchen, Eichen oder Kastanien mit 60 Jahren und mehr auf dem Buckel haben auf dem Gelände im Herzen der Gemeinde Laer in den vergangenen Jahrzehnten ihren Dienst geleistet. Jeder einzelne Baum hat unter anderem jährlich etwa 100 Kilogramm Feinstaub und fünf bis sechs Tonnen Kohlendioxid gebunden, 200 bis 300 Liter Wasser am Tag verdunstet und somit auch die Luft der Umgebung gekühlt. Die Sauerstoffproduktion eines solchen Baumes entspricht grob kalkuliert pro Jahr etwa der Atemluft von 10 bis 20 Menschen. „Alles Faktoren, die für eine Gemeinde wie Laer, die sich dem ‚Klimawohlstand‘ verpflichtet hat, bei den kommenden Weichenstellungen wesentlich zu berücksichtigen sind“, betonen die Grünen.

Sie fordern daher, die entsprechende Beschlussfassung des Rates vom 4. Dezember, demnach die Gemeinde Laer bei ihren Entscheidungen die unterschiedlichen Möglichkeiten nach ihrer Auswirkung auf Klimaschutz oder Nachhaltigkeit priorisiert, zwingend umzusetzen. „Um die Auswirkungen auf den Artenschutz und das lokale Klima einschätzen zu können, soll ferner eine gründliche Bestandsaufnahme von Flora und Fauna durch ein unabhängiges Fachbüro erfolgen, das nicht vom Investor beauftragt wird“, lautet eine weitere Forderung der Partei.

„Wir begrüßen selbstverständlich, dass das Gelände zukünftig einer sinnvollen Nutzung zugeführt wird. Allerdings sollen bei der Bauleitplanung Marienquartier auch angemessene ökologische Maßstäbe berücksichtigt werden“, wird Hubert Bröker in der Pressemitteilung zitiert. Außerdem fehle beim jetzigen Entwurf der sozialverträgliche Aspekt: „Hier müssen Renditeinteressen der Investoren und Gesamtinteressen der Menschen in Laer eine bessere Balance finden.“

Gespräche mit den künftigen Trägern der Kindertagesstätte und der Betreuungseinrichtung könnten helfen, um Synergieeffekte zu identifizieren oder gegebenenfalls ein generationsübergreifendes Angebot in Erwägung zu ziehen. „Um solche Konzepte umzusetzen, braucht es Raum, konkret Lebensraum für ökologisch und sozial zukunftsweisende Gemeinschaftskonzepte. Für den reinen Renditetraum wäre die Fläche einfach zu schade“, heißt es in dem Pressetext weiter.

„Neben einem Anteil von 40 bis 50 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen soll es deutlich weniger Flächenversiegelung geben, indem die Anzahl der Wohneinheiten auf die Hälfte der bisher geplanten bebaubaren Fläche komprimiert wird. Barrierefreie Wohnungen in Häusern mit zwei Vollgeschossen oder mit Staffelgeschossen für sechs bis acht Wohneinheiten, statt vieler kleiner Einfamilienhäuser könnten somit viel gemeinschaftlich nutzbaren Raum für naturnahe, Freizeit-, Begegnungs- und Aufenthaltsflächen im Herzen der Gemeinde ermöglichen“, so die Grünen.

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