1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Laer
  6. >
  7. Sexualtherapie soll helfen

  8. >

29-Jähriger aus Laer wegen Kindesmissbrauchs in zwei Fällen zu Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt

Sexualtherapie soll helfen

Laer

Ein 29-jähriger Mann aus Laer ist wegen Kindesmissbrauchs in zwei Fällen vom Amtsgericht Steinfurt zu einer 14-monatigen Bewährungs- und Geldstrafe von 900 Euro verurteilt worden. Außerdem soll der Beschuldigte, der Vater eines neunjährigen Kindes ist, das allerdings bei seiner Mutter lebt, nachweislich sechs Stunden innerhalb einer Sexualtherapie absolvieren, damit seine Neigungen abgestellt werden.

Matthias Lehmkuhl

Künftig wird durch ein verschärftes Gesetz sexueller Missbrauch ebenso wie der Besitz oder die Verbreitung von Kinderpornografie in jedem Fall als Verbrechen eingestuft. Minderschwere Fälle gibt es damit nicht mehr.

Eben wegen dieser Delikte stand jetzt ein 29 Jahre alter Mann aus Laer vor dem Amtsgericht Steinfurt. Dem Vater eines neun Jahre alten Kindes, das bei der viele hundert Kilometer entfernt wohnenden Mutter lebt, stand eine Pflichtverteidigerin bei, die aufgrund der erdrückenden Beweise einen schweren Stand hatte.

Der in Vollzeit angestellte Angeklagte war bereits mehrmals vorbestraft. Allerdings „nur“ wegen Urkundenfälschung, Geldwäsche und Fahrens ohne Führerschein. Zur Anklage kam es, weil die Polizei Anfang Februar vergangenen Jahres aufgrund eines anonymen Hinweises seine Wohnung in der Ewaldigemeinde durchsuchte und dabei zwei Smartphones sicherstellen konnte.

Neben Fotos und Videos mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten auf einem Smartphone, fanden die Ermittler auf einem zweiten auch zwei Whats­App-Chats, die der Angeklagte mit einem zehnjährigen und einem 13 Jahre alten Mädchen geführt hatte. „Es ist meinem Mandanten höchst peinlich, darüber zu reden“, meinte die Pflichtverteidigerin.

Die beiden Teenies hatte der Täter über ein Online-Spiel kennengelernt. Mit dem jüngeren Mädchen war der Chatverlauf relativ kurz. Denn als der Angeklagte die Zehnjährige gebeten hatte, ihm Nacktbilder von ihr zuzusenden, hatte wohl ihr Vater davon Wind bekommen, und den Kontakt mit seiner Tochter und dem Pädophilen abgebrochen.

Mit der 13-Jährigen hingegen dauerte die Chat-Austausch ungleich länger. „Die Polizei hat mehr als 6000 Chats sichergestellt“, stellte die Richterin den Täter zur Rede. „Das Verhältnis zu ihr, war mehr wie das Verhältnis zu einer Schwester“, erläuterte der Laerer.

Das sah die Richterin aber ganz anders und las im Gerichtssaal einige Chats vor, die eindeutige Fragen und Bitten um und über zum Teil abartige sexuelle Handlungen enthielten. Darüber hinaus hatte er dem Mädchen vorgeschlagen, sich mal zu treffen. „Das Treffen wäre aber nur zustande gekommen, wenn sie volljährig gewesen wäre“, stellte der Angeklagte fest. Das glaubten ihm aber sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin nicht.

Weil diese Chats bereits den Tatbestand des Kindesmissbrauchs erfüllten und schon allein deshalb eine hohe Strafe zu erwarten war, wurde das Verfahren wegen des Erwerbs von Kinder- und Jugendpornografie eingestellt. Auf dem dazugehörigen Smartphone fanden die Ermittler Geschlechtsverkehr-Szenen mit einem höchstens 14 Jahre alten Mädchen und ein Video mit einem nackten Säugling in der Badewanne, an dem sexuelle Handlungen durchgeführt wurden.

Die Staatsanwältin forderte somit wegen Kindesmissbrauchs in zwei Fällen eine 14-monatige Bewährungsstrafe plus Geldauflage in Höhe von 1500 Euro. Außerdem soll der Beschuldigte nachweislich sechs Sitzungen innerhalb einer Sexualtherapie absolvieren, damit seine Neigungen abgestellt werden.

Die Pflichtverteidigerin hoffte vergeblich auf eine achtmonatige Bewährungsstrafe ohne Geldauflage für ihren Mandanten. Doch die Richterin setzte in ihrem Urteil die Forderung der Anklagevertreterin um. Allerdings muss der Täter „nur“ 900 Euro zahlen. Der Betrag geht an den Kinderschutzbund Münster.

Startseite