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Kabarett-Trio aus Münster begeistert das Publikum

Storno bleibt Storno und ein Knaller

Laer

Same procedure as every year: Das Kabarett-Trio Storno war wieder zu Gast in Laer. Bereits zum siebten Mal traten sie in der Turnhalle auf. Wie jedes Jahr war die Veranstaltung ausverkauft. Wie jedes Jahr überzeugten Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther mit ihrer Show das Publikum.

Annegret Rose

Jochen Rüther (v.l.), Foto: Rose

Ja, es stimmt, die drei Kabarettisten Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther sind der Knaller. Ihre Show läuft. Mit minimalen Requisiten, aber enormem Wortaufwand, Körpereinsatz und Mimik setzen sie ihr Publikum unter Strom, unrettbar gegen Lachattacken. Bereits sieben Mal sind sie in der Turnhalle in Laer aufgetreten. Jedes Mal war die Veranstaltung ausverkauft. Stundenlang stellen sich Menschen in aller Herrgottsfrühe an, um Karten zu ergattern. Das lohnt sich. Gerade wegen ihrer Professionalität, die Genialität durchaus einschließt. Dabei sind sie Stars zum Anfassen geworden.

Geliebt und bewundert wegen ihrer Musikalität, ihres immer wieder überraschenden Wortwitzes und ihrer Beweglichkeit. Sie zitieren Alexander von Humboldt, „alles ruhig mit Zeit zu betrachten“ und fokussieren sich auf die „selektive Wahrnehmung“. Warum: „Gefährlich ist die Weltanschauung derjenigen, die sich die Welt gar nicht anschauen.“ Es steht wie immer kritisch um die Republik, wir sind angeblich in einer postrepublikanischen Phase. Was heißt das: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Wenn Harald Funke einen derartigen Satz sagt, brüllen alle vor Lachen, dabei verstehen die Zuhörer gleichzeitig die Tragik und Wahrheit in dieser Phrase.

Dabei sind durchaus deftige Anspielungen gegen AfD und Konsorten dabei. Beispielsweise, wenn die Sitzung auf der Toilette zum Weltgeschehen mutiert: „Jetzt sitz‘ ich wie der Führer hier, die braunen Massen unter mir.“ Populisten werden als Pöbler enttarnt und so nebenbei Umwelt, Klima und Energiewandel abgehakt.

Harald Funke hat den magischen Blick von Jens Spahn entdeckt. Jeder denke an die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch. Damit ist ein neues Medium gefunden. Denn so langsam nimmt er Abschied von seiner Lieblingsfigur Angie und seiner Perücke.

In bewährter Weise tritt der quirlige Schnellsprecher Thomas Philipzen ins Rampenlicht, während Harald Funke den Doofen mimt und Jochen Rüther als personifizierter Kulturmensch brilliert. Sogar die Frauen um „Maria 2.0“ werden als westfälische Sturmspitze wahrgenommen. Längst überfällig scheint es, denn auf den Ruf nach dem Herrgott kommt von oben eine weibliche Stimme, die fragt: „Was heißt hier Herr Gott?“

Ernährung und Gesundheit gehören zu ihren Themen: „Gib mir mein Herz zurück, du brauchst meine Leber nicht.“ Oder der legendäre Song von Peter Maffay „Es war Sommer“. Neu interpretiert wird die Sucht nach ewiger Jugend, denn Maffay ist plötzlich 13 und die große Liebe bleibt 31.

Das ständige Umstürzen des Menschheitsdilemmas in kleine Banalitäten zeigt die liebenswerten menschlichen Züge von Storno. Das war immer so. In der Zugabe singen sie: „Am Ende von jedem Jahr treffen wir uns hier“. Hoffentlich. Bis nächstes Jahr.

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