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Archivarin Sabine Jarnot verfasst Gedenkschrift über jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge

„Vorübergehend gemeldet“

Laer/Altenberge

Archivarin Sabine Jarnot hat im Auftrag der Gemeinden Laer und Altenberge die Gedenkschrift „Vorübergehend geschlossen“ verfasst. Darin geht es um jüdische Zwangsarbeiter 1940/41, die im Straßenbau oder zur Regulierung der Steinfurter Aa eingesetzt waren. Das interkommunale Projekt stellten die Bürgermeister Manfred Kluthe und Karl Reinke sowie die Kulturbeauftragten und die Autorin jetzt vor.

Von Sabine Niestertund

Sie sind stolz auf die Gedenkschrift über „Jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge 1940/41“, die als interkommunales Projekt der beiden Gemeinden entstanden ist (v.l.):

„Die Aufarbeitung des Holocausts mit all seinen Verbrechen und Gräueltaten ist eine immer währende Aufgabe, ebenso wie die Erinnerung daran auch für alle folgenden Generationen“, betont Laers Bürgermeister Manfred Klute. Sein Altenberger Amtskollege Karl Reinker, sieht es ähnlich. „Wir werden nie etwas über uns wissen, wenn wir nicht den Mut haben, uns zu erinnern. Erst mit unseren Erinnerungen entsteht die Kultur des Miteinanders“, räumt der Bürgermeister des Hügeldorfs in seinem Grußwort zur Gedenkschrift „Vorübergehend geschlossen“ ein.

Bei dem Dokument handelt es sich um eine Forschungsarbeit, die die Archivarin Sabine Jarnot über jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge 1940/41 verfasst hat. Ihre Auftraggeber sind die beiden Bürgermeister, die das interkommunale Projekt während einer Pressekonferenz im Laerer Rathaus vorstellen. An dieser nehmen auch die kommunalen Kulturbeauftragten Gudrun Homann (Laer) und Franziska Mahlmann (Altenberge) teil, denen die Autorin für ihr „präzises Lektorat“ dankt.

Anerkennende Worte findet Sabine Jarnot in ihrem Vorwort auch für Heinz Bröker vom Laerer Heimatverein, der zur Lokalisierung des „Aufbaulagers“ – dort waren die jüdischen Zwangsarbeiter untergebracht – in Laer wesentlich beigetragen hat. Dabei handelte es sich um eine Holzbaracke auf dem Grundstück Hessling in der Altenburg 27 (heute Steinfurter Straße). Diese wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Unterbringung der Vertriebenen genutzt und nach 1993 abgerissen. In Altenberge befand sich das „Aufbaulager“ auf dem Hof Geuker in Kümper 35. Der Speicher aus dem späten 19. Jahrhundert wird heute wieder vom Eigentümer genutzt.

Sabine Jarnot ist – wie sie berichtet – bei ihren Recherchen zunächst auf drei jüdische Zwangsarbeiter in Altenberge und danach auf einige in Laer gestoßen. Sie verrichteten Arbeiten im Straßenbau und zur Regulierung der Steinfurter Aa. In einer Meldekartei sowie in Hebelisten der AOK habe sie die entsprechenden Belege gefunden. Dort wurden die Betroffenen mit dem Status „vorübergehend gemeldet“ geführt, was zum Titel der Gedenkschrift geworden ist. In dieser finden sich 33 Biografien wieder, die skizzenhaft dargestellt worden sind.

„Aus Nachbarn wurden Juden“ beschreibt die Runde das schreckliche Schicksal der Menschen, die erst Zwangsarbeit leisten mussten, bevor die meisten von ihnen ins Ghetto nach Riga und dann in Konzentrationslager kamen.

Vor dem Hintergrund, dass in beiden Gemeinden Überlegungen zum Verlegen von Stolpersteinen angestellt worden sind, hat die Archivarin, die nicht nur für Laer und Altenberge, sondern auch für die Gemeinde Metelen arbeitet, den Auftrag zu ihrer Recherche bekommen. Das Ergebnis mit der „gefühlvollen Gestaltung“ von Ingrid Weide und den vielen recherchierten Abbildungen und Fotografien von Sabine Jarnot bezeichnet Bürgermeister Kluthe als eine „wertvolle und erbauende Schrift“, die er allen Bürgern ans Herz legen möchte.

„Vergessen wir diese Menschen nicht, geben wir ihnen einen Platz in unserer Mitte“, appelliert auch Bürgermeister Reinke an die Menschen im Hügeldorf, das Schicksal der Juden vor Ort nicht aus dem Blick zu verlieren, denn schließlich sei es auch die Geschichte der Bürger in Altenberge. Dazu leiste die akribische und wissenschaftliche Arbeit der Archivarin Sabine Jarnot einen ganz wichtigen Beitrag. Gerade die Forschungen in kleineren Kommunen trügen dazu bei, Stück für Stück die Geschichte im ländlichen Raum von weißen Flecken zu befreien und langfristig sichtbar zu machen.

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