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Clemens Klopietz erzählt die Weihnachtsgeschichte seines Onkels nach

Zwei Karpfen in der Badewanne

Laer

Mit der Geschichte von Clemens Klopietz über die Karpfen in der Badewanne endet die Serie der Weihnachtsgeschichten, die im Kunstgewächshaus am Laerer Rathaus ausgestellt sind. Immerhin sechs wundervolle Geschichten gibt es dort zu finden..

Das Familienfoto Foto: privat

Mit diesem Beitrag endet die Serie der Weihnachtsgeschichten, die im Kunstgewächshaus Am Rathausteich präsentiert werden. Clemens Klopietz, der Mann von Ausstellerin Franziska Lengers, schildert das Erlebnis seines Onkels, das dieser jedes Jahr zum Weihnachtsfest zum Besten gab.

Der Verwandte berichtet, dass eine Badewanne früher schon etwas ganz besonders war. So habe es nicht einmal in jedem Haus ein Badezimmer gegeben. Deswegen sei oft in der Küche gebadet worden. Dort sein ein Mal in der Woche ein großer Waschzuber aufgestellt worden, in dem die Kinder der Reihe nach baden konnten.

Doch in den Tagen vor Heiligabend, schon eine Woche vorher, stoppte alles. „An ein schönes Bad war nicht mehr zu denken“, beklagt der Onkel, dass er und die Geschwister nicht mehr baden konnten. Ein schlimmes Schicksal, dass der Erzähler anscheinend nie vergessen hat. Schuld an dem Malheur war seine Oma, die zwei Karpfen für das Festessen besorgt hatte. Die planschten dann lustig in „unserem Badezuber“, denn die Karpfen sollten „wässern“. „Das bedeutete, dass der Muddergeschmack, der den Karpfen anhaftet, sich im sauberen Wasser neutralisieren sollte“, begründet Clemens Klopietz den Brauch, der seinerzeit in vielen Familien verbreitet war. Die Oma, die sehr praktisch veranlagt gewesen sein soll, kannte keine Zweifel und kein Pardon. „Was sein muss, muss sein“, lautete vermutlich ihre Devise. Am Heiligabend wurden die Karpfen dann durch einen Schlag auf den Kopf erlöst, entschuppt, ausgenommen, entgrätet und schließlich zubereitet. Natürlich wurde das ganze Prozedere nicht vor den Kindern verborgen. Die sollten schließlich wissen, woher die leckeren Gaben zum Essen kommen.

Doch der Onkel war anscheinend entsetzt und angeekelt, und weigerte sich später „mit Riesengeschrei“ in die Badewanne zu gehen. Damals noch ein Junge, traute er den Beteuerungen der Erwachsenen, dass ihm nichts passieren würde, nicht. Die Moral von der Geschichte, die allerdings nicht überliefert ist, könnte sein, dass der Betroffene nie mehr Karpfen gegessen oder sich nie mehr gebadet hat, was eindeutig schlimmer wäre, als die Essensverweigerung.

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