1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lengerich
  6. >
  7. Angeklagter ist wenig kooperativ

  8. >

Prozess wegen 13 Delikten

Angeklagter ist wenig kooperativ

Rheine/Lengerich

13 Delikte werden einem 25-jährigen Lengericher zur Last gelegt, der sich dafür vor dem Schöffengericht Rheine verantworten muss. Bei Verhandlungsauftakt zeigte sich der junge Mann wenig kooperativ, kassierte für Zwischenrufe zudem ein Ordnungsgeld.

Monika Koch

vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Rheine muss sich ein 25-jähriger Lengericher verantworten. Foto: nn

Gleich mehrere Polizisten waren unterwegs, um den 25-jährigen Angeklagten aus Lengerich einzufangen und zu seiner Gerichtsverhandlung nach Rheine zum Schöffengericht zu bringen. In Lengerich waren sie erfolglos. Sein Vater hätte ihn am Vorabend aus der Wohnung geworfen, erfuhren sie.

Deswegen suchten die Beamten ihn bei seiner Ex-Freundin in Rheine, wo er im Vorfeld für viel Aufregung in der gesamten Nachbarschaft gesorgt hatte. Vergeblich. Schließlich kam er 20 Minuten zu spät ins Gericht. Die Staatsanwaltschaft legte ihm 13 Straftaten zur Last: Diverse Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, unerlaubtes Eindringen in den Aufwachraum im Mathias-Spital in Rheine und Fahren ohne Führerschein.

Der Angeklagte, er hat libanesische Wurzeln, glaubt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen. Bei der Polizei ist er bekannt, wie ein Beamter als Zeuge beschrieb. Und weil der Angeklagte trotz mehrfacher Ermahnung bei den Zeugenanhörungen immer wieder dazwischen redete, kassierte er ein Ordnungsgeld während der Gerichtsverhandlung.

Er soll zwischen dem 28. September 2019 und dem 11. Dezember 2019 zwölf Straftaten, wie oben beschrieben, begangen haben und am 20. April 2020 erneut ohne Führerschein in Rheine unterwegs gewesen sein. Für alle Taten hatte er ausführliche Erklärungen. So sagte der 25-Jährige, dass seine Freundin am 13. Oktober 2019 im Mathias-Spital operiert worden sei und er zu ihr in den Aufwachraum wollte. Dort soll er die Schwester unter Druck gesetzt und sich geweigert haben, den Raum zu verlassen. Weil die Mitarbeiterin Angst vor ihm hatte, rief sie einen Arzt hinzu.

Der verließ die Intensivstation, um dem Angeklagten die Tür zu weisen, aber der weigerte sich nach Aussage des Arztes mit den Worten: „Das ist nicht nur meine Frau, sondern auch eine Blutsverwandte. Wenn ich da nicht rein kann, schlage ich dich kaputt“. Der 33-jährige Mediziner rief die Polizei. Er hatte keine Angst vor dem Beschuldigten und sagte: „Ich kann unterscheiden zwischen Prahlerei und echter Bedrohung“.

Trotz Annäherungsverbot vom Amtsgericht suchte der Angeklagte immer wieder seine Freundin in Rheine auf. „Ja, ich hatte viel getrunken und Marihuana geraucht, dann weiß ich das nicht mehr. Ich habe da ja auch vorher gewohnt, da sind noch viele Sachen von mir“, erklärte er den Grund.

Nachbarn hatten ihn gesehen, wie er mit seiner Freundin vor den Kindern stritt und ihr gegenüber Gewalt anwendete. „Die Kinder sind nachts auf die Straße gelaufen und haben um Hilfe geschrien“, beschrieb eine Nachbarin die Situation.

Die Ex-Freundin des Angeklagten sagte, dass sie ihre Kinder seinetwegen auf Veranlassung des Jugendamtes dem Vater in Obhut geben musste. Regelmäßig kamen Polizisten in ihre Wohnung wegen häuslicher Gewalt. Einmal soll der 25-Jährige die Frau mit einem Messer bedroht haben. Als die Beamten kamen und ihn festnehmen wollte, sagte er: „Eher steche ich einen Polizisten ab als eine Frau“. Der Angeklagte rechtfertigte sich vor Gericht: „Weil die auch bewaffnet sind, das war nur ein Beispiel“.

Das Vorstrafenregister des Lengerichers ist lang und listet viele einschlägige Straftaten auf. Zudem steht ein weiteres Verfahren wegen Drogenbesitz in nicht geringer Menge an, wie die Staatsanwältin im Verlauf der Verhandlung mitteilte.

Nach fast fünf Stunden wurde der Prozess am Schöffengericht vertagt. Das Urteil wird am 14. August erwartet.

Startseite