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LWL-Klinik: Imposante Blutbuche wird durch Veredelung vermehrt

Baum soll in Schösslingen weiterleben

Lengerich

Bereits vor Wochen hatte der LWL angekündigt, dass im Zuge der geplanten Neubaumaßnahmen die Blutbuche im Innenhof der Lengericher Klinik keine Zukunft hat – trotz einer Petition für deren Erhalt. Doch gänzlich verschwinden wird der Baum nicht – dank Veredelung.

wn

Eine der Veredelungsmethoden ist die Geißfußveredelung. Aus der Unterlage wird ein Keil, der Geißfuß, herausgeschnitten. Die dadurch entstandene Lücke wird mit dem entsprechend zugeschnittenen Edelreis ausgefüllt. Foto: lwl/J. Westerkamp

Ein entschlossener, präziser Schnitt, ein genauer Blick – Gärtnermeister Christian Jenner ist zufrieden mit der glatten Schnittfläche an einem 25 Zentimeter langen Edelreiser. Für einen zweiten Schnitt setzt er das scharfe Messer an einer ein Meter hohen Buche an. Dann setzt er den Reiser auf die genau passende Schnittfläche des Baums und umwickelt die Verbindungsstelle zur Stabilisierung mit einem Silikonband. „Bei der Veredelung werden Zweige einer Pflanze auf einer anderen Pflanze befestigt. Ziel ist es, die einzelnen Äste zu klonen“, erklärt Jenner der Auszubildenden Nina Teepe.

Wer veredelt, schafft Klone der Ursprungsart. „Damit möchte man die Pflanze selbst und ihre positiven Eigenschaften vollständig erhalten“, so Jenner. Das ist ihm in diesem Fall laut Pressemitteilung des Landschaftsverbandes ein besonders wichtiges Anliegen, sogar ein Herzenswunsch. Denn die Ursprungspflanze, von der Anfang März über 50 Edelreiser aus einjährigen Zweigen zur Veredelung geschnitten worden sind, ist die imposante Blutbuche aus dem Innenhof der LWL-Klinik. Mit ihrer ausladenden Krone und den glänzenden bordeaux farbigen Blättern, die sich im Laufe des Jahres in ein mattdunkles, fast schwarzes Rot verfärben, ist sie einer der eindrucksvollsten Bäume im Klinikpark.

„Dieser vitale Baum ist geradezu ein Sinnbild für die Schönheit unserer Natur am Standort Lengerich. Trotzdem mussten wir uns nach Abwägung aller Anforderungen an Behandlungsauftrag, Denkmalschutz, Naturschutz und wirtschaftliche Aspekte schweren Herzens zu der Erkenntnis durchringen, dass die Blutbuche nicht gehalten werden kann“, erklärt Thomas Voß, Kaufmännischer Direktor der LWL-Kliniken Lengerich und Münster, noch einmal, wies es zu der Entscheidung kam.

So wie er bedauern viele Menschen in der Klinik und in Lengerich, dass die Buche dem Krankenhausneubau weichen muss. „Leider kann ein rund 80 Jahre alter Baum nicht umgepflanzt werden. Deshalb möchte ich unbedingt den Genpool der Blutbuche erhalten. Der Baum hat viele gute Eigenschaften, er ist robust und hat auch die Trockenheit der letzten Jahre bisher gut überstanden“, sagt Jenner.

Während bei der natürlichen Fortpflanzung die Pflanzeneigenschaften abgeschwächt vererbt werden, lassen sich bei einer Veredelung die positiven Eigenschaften vollständig erhalten und vermehren. Jenner nennt noch einen nennenswerten Vorteil: „Für die Veredelung spricht auch, dass es eine schnelle Methode der Vermehrung ist. Wie lange dauert es sonst, bis aus Samen gezogene Gewächse heranwachsen und einen stabilen Stamm ausbilden.“

Die Blutbuche ist mit 40 bis 50 Zentimeter Zuwachs im Jahr eine schnellwachsende Pflanze. Die meisten ihrer über 50 Klone sollen mit besonders guter Pflege zu gesunden, kräftigen jungen Bäumen heranwachsen. „Wir sind froh, dass die Blutbuche in den Schösslingen weiterleben wird und wir zu gegebener Zeit die Nachkommen an prominenter Stelle im Park pflanzen können“, so Voß.

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