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Urteil gegen 34-jährigen Lengericher

Beschuldigter handelte im Wahn

Lengerich/Münster

Aus der vorläufigen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus soll für einen 34-jährigen Lengericher ein Daueraufenthalt werden. Das entschied das Landgericht Münster, vor dem sich der Mann wegen diverser Delikte verantworten musste.

Dietlind Ellerich

Das Landgericht Münster. Foto: Oliver Werner

„Die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet.“ Das Urteil, das die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Münster am Montagnachmittag am Ende des zweiten Verhandlungstages fällte, entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Und auch der Verteidiger des 34-jährigen Lengerichers, der wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Sachbeschädigung auf der Anklagebank saß, räumte in seinem Plädoyer ein, dass es seinem Mandanten seit dessen vorläufiger Unterbringung im gesicherten reizarmen Rahmen einer Psychiatrie wesentlich besser gehe.

Der Mann, bei dem vor 17 Jahren eine schizophrene Psychose diagnostiziert wurde, hatte zwischen Mai und November 2019 mehrere Straftaten begangen (WN berichteten über den Prozessauftakt). Er hatte in Lengerich nicht nur seine Betreuer und weitere Personen körperlich angegriffen, sondern auch beleidigt und mit dem Tode bedroht sowie das Auto eines Betreuers erheblich beschädigt. Laut Aussagen von Zeugen am ersten Verhandlungstag Ende Juni hatte der 34-Jährige während der Taten gewirkt, als wisse er nicht, was er gerade mache.

Gutachterin

Diesen Eindruck bestätigten die Psychiaterin, die ihr Gutachten vorstellte, sowie ein Psychiater und eine Diplom-Pädagogin, die den Lengericher seit 17 Jahren von zahlreichen stationären und ambulanten Klinikaufenthalten kennen. Die Gutachterin machte deutlich, dass der Mann schuldunfähig ist, weil er im Wahn gehandelt habe. So habe er geglaubt, bedroht oder benachteiligt zu werden. Der Pädagogin hatte er unter anderem unterstellt, sie hätte ihm seine Drogen weggenommen.

Das Suchtmittelproblem des Mannes ist nach Überzeugung der Gutachterin sekundär. Seit der Verschlechterung seines „hoch akut psychiotischen Zustands mit eindeutiger Realitätsverkennung“ vor etwa drei Jahren seien die Wahnvorstellungen bei ihm durchgehend, auch dann, wenn er keine Drogen konsumiere, stellte die Psychiaterin fest.

Vorsitzender Richter

„Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der sehr krank ist“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Deshalb könne er für die Taten, die er begangen habe, nicht bestraft werden. Die Unterbringung in der Psychiatrie sei zu seinem eigenen Schutz, besonders aber zum Schutz anderer Menschen notwendig, fuhr er fort. Da weitere, womöglich schwerere Taten zu erwarten seien und er eine Gefahr für die Allgemeinheit sei, könne die Unterbringung nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der Beschuldigte nahm der Urteil ebenso ungerührt zur Kenntnis, wie er den gesamten Verhandlungstag verfolgt hatte. Hin und wieder schmunzelte er, als die Zeugen das Geschehen aus ihrer Sicht schilderten, als könne er selber nicht glauben, dass er die Taten begangen hat. „Es tut mir leid, wenn ich Mist gebaut habe, das liegt an meiner Erkrankung“, sagte er in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung.

So sah es auch der Vorsitzende Richter: „Sie können nichts dafür, dennoch müssen wir die Maßnahmen ergreifen“. Er räumte ein, dass ihm solche Fälle besonders nahe gingen, sagte er mit Blick auf die wenigen kurzen Phasen in den vielen Jahren, in denen es dem Lengericher relativ gut gegangen sei.

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